Wer derzeit mit Korb und Messer in den Wald geht, braucht Geduld. Die heurige Pilzsaison präsentiert sich bislang sehr unterschiedlich. Zu Jahresbeginn war die Artenvielfalt noch bemerkenswert, so wurden monatlich rund 30 bis 35 verschiedene Pilzarten festgestellt. Mit den steigenden Temperaturen änderte sich die Situation jedoch zunehmend. Die anhaltende Wärme und die fehlende Bodenfeuchtigkeit haben die Entwicklung der Fruchtkörper stark gebremst. Im Juli und auch Anfang August ist deshalb vergleichsweise wenig Pilzaktivität zu beobachten. Einzelne Exemplare lassen sich zwar finden, von einer ergiebigen Saison kann derzeit aber nicht gesprochen werden.
Eierschwammerl derzeit nur vereinzelt
Das betrifft auch jene Arten, auf die es viele Sammler besonders abgesehen haben. Eierschwammerl, Steinpilze, Hexenröhrlinge, Parasole und Perlpilze werden zwar nach wie vor gefunden, allerdings meist nur vereinzelt. Bessere Chancen bestehen derzeit an feuchteren Standorten, während trockene Waldflächen kaum Pilze hervorbringen. Damit sich die Situation nachhaltig verändert, braucht es laut Pilzberatung vor allem länger anhaltenden Niederschlag. Ein einzelnes Gewitter reicht dafür meist nicht aus. „Es muss für mehr Pilzwachstum einige Tage lang andauernd regnen. Gewitterregen allein hilft nicht“, betont Pilzexperte Otto Stoik von der ARGE Österreichischer Pilzberater. Das erklärt auch, warum sich das Pilzwachstum nicht unmittelbar nach einem Regenguss deutlich verbessern muss. Das unterirdische Pilzgeflecht, das sogenannte Myzel, benötigt nach ausreichender Durchfeuchtung zunächst Zeit, bevor neue Fruchtkörper gebildet werden.
Herbst bleibt die große Unbekannte
Noch ist die Saison allerdings nicht abgeschrieben. Gerade für die kommenden Monate besteht die Chance auf eine deutliche Veränderung. Entscheidend wird sein, wie sich die Niederschläge von September bis November entwickeln. Kommt es nach der derzeit trockenen Phase zu mehreren Tagen mit ergiebigem Regen und bleiben die Bedingungen anschließend günstig, kann das Pilzwachstum wieder deutlich anziehen. Der bisher schwache Hochsommer lässt daher noch keinen endgültigen Rückschluss auf die gesamte Saison zu. Für Pilzfreunde bedeutet das: Die besten Aussichten könnten heuer noch vor ihnen liegen. Eine Garantie für einen pilzreichen Herbst gibt es allerdings nicht.
Giftpilze: Ähnliche Arten können gefährlich werden
Neben der Frage, wie viele Pilze überhaupt zu finden sind, spielt die sichere Bestimmung eine entscheidende Rolle. Gerade bei guten Bedingungen steigt auch die Zahl der unerfahrenen Sammler, die Arten miteinander verwechseln können.
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In der Pilzberatung kennt man rund 30 besonders gefährliche Giftpilze. Problematisch ist, dass es bei zahlreichen Arten äußerlich ähnliche essbare Vertreter gibt. Umgekehrt können auch vermeintlich bekannte Speisepilze mit giftigen Arten verwechselt werden.
Besondere Vorsicht ist deshalb bei der Verwendung von Pilz-Apps geboten. Eine automatische Bilderkennung kann eine erste Orientierung liefern, ersetzt aber keine sichere Bestimmung. Der Pilzexperte Otto Stoik warnt ausdrücklich davor, sich bei unbekannten Arten auf das Smartphone zu verlassen: „Keinen unbekannten Pilz als Speisepilz sammeln, auch wenn die App am Handy dies behauptet.“
Für die Bestimmung muss der ganze Pilz erhalten bleiben
Wer einen Pilz bestimmen möchte, sollte ihn vollständig aus dem Boden nehmen. Nur so bleiben alle Merkmale erhalten, die für eine eindeutige Zuordnung notwendig sein können. Bei manchen Arten können beispielsweise die Form des Stiels oder die Beschaffenheit der Stielbasis entscheidend sein. Anders verhält es sich bei bereits sicher bestimmten Speisepilzen. Diese können knapp über dem Boden abgeschnitten werden. Wer sich bei einem Fund nicht sicher ist, sollte den Pilz einem geprüften Pilzberater oder einer Pilzberaterin zeigen. In zahlreichen Landeshauptstädten bieten auch Pilzvereine entsprechende Beratungen an. Eine gute Möglichkeit, Artenkenntnis aufzubauen, sind außerdem geführte Pilzwanderungen. Dabei lassen sich die charakteristischen Merkmale direkt im natürlichen Umfeld kennenlernen.
Speisepilze nicht roh essen
Auch ein eindeutig bestimmter Speisepilz ist nicht automatisch für den Rohverzehr geeignet. Pilze sollten grundsätzlich nicht roh gegessen werden. Als Empfehlung aus der Pilzberatung gilt, Speisepilze ausreichend zu erhitzen, etwa 15 Minuten bei rund 70 Grad. Das gilt auch für Arten, die auf den ersten Blick unproblematisch erscheinen. Eine gründliche Zubereitung ist daher Teil eines sicheren Umgangs mit selbst gesammelten Pilzen.
Wie viel darf gesammelt werden?
Wer erfolgreich auf Pilzsuche geht, muss außerdem die gesetzlichen Vorgaben beachten. Das österreichische Forstgesetz sieht grundsätzlich eine Sammelmenge von zwei Kilogramm Pilzen pro Person und Tag vor. Bei Gruppen gilt eine Obergrenze von acht Kilogramm. Auch beim gemeinsamen Sammeln gibt es Einschränkungen. Größere Gruppen dürfen nicht zum Zweck des Sammelns von Speisepilzen in den Wald gehen. Für das Sammeln in normalen Wäldern gelten grundsätzlich die vorgesehenen Tageszeiten von etwa 8 bis 18 Uhr. Zudem kann der Eigentümer eines Waldes das Pilzesammeln auf seiner Fläche untersagen. Ein solches Verbot muss für Waldbesucher allerdings deutlich erkennbar gekennzeichnet sein.
Jetzt heißt es abwarten
Die heurige Pilzsaison zeigt damit einmal mehr, wie stark das Pilzaufkommen von den Bedingungen im Wald abhängt. Der gute Start zu Jahresbeginn konnte sich aufgrund der zunehmenden Hitze nicht fortsetzen. Aktuell sind zwar einzelne Speisepilze zu finden, größere Mengen bleiben vielerorts aus. Mehrtägiger Niederschlag ist daher von wohl allen Seiten erwünscht.
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