Dass sich der belgische Tiefkühl-Platzhirsch Ardo dazu entschlossen hat, sein Werk im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf zu schließen, werden Verbraucher schon im Frühjahr zu spüren bekommen. Wie die zuliefernde Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG) gegenüber dem ORF-Radio bestätigte, wird heuer kein Winterspinat mehr angebaut. Damit dürfte spätestens im Frühling kein heimischer Spinat mehr in den Kühlregalen der hiesigen Supermärkte liegen.
Leopoldsdorf statt Groß-Enzersdorf?
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sind indes weiter in Gesprächen mit „einer Handvoll Investoren“. Gemeinsam arbeite man an einer Lösung, um auch in Zukunft die Versorgung des Heimmarktes sicherzustellen. Diesbezüglich brachte sich in der Vorwoche Agrana-Geschäftsführer Stephan Büttner ins Spiel. Via „Kronen Zeitung“ schlug er eine Nachnutzung des Geländes der ehemaligen Zuckerfabrik in Leopoldsdorf vor. „Wenn es zu einer Gesamtlösung kommt, könnten wir einen interessanten Beitrag leisten“, wird er dort zitiert. Derzeit nutzt Agrana das Gelände als Logistikstandort, 50 Hektar wurden – wie berichtet – an einen Schweizer Schienenfahrzeughersteller verkauft.
Der Agrana-Boss kann einer Genossenschaftslösung, wohl unter Federführung der ETG, einiges abgewinnen. Selbst in die Verarbeitung einsteigen wird der Frucht-, Zucker- und Stärke-Spezialist aber nicht. Auf den verbliebenen 30 Hektar des ehemaligen Werkstandortes stünden jedenfalls Stromversorgung und Kläranlage zur Verfügung. Beides Grundvoraussetzung für die Tiefkühlgemüse-Verarbeitung, wie auch ETG-Obmann Robert Kriegl der BauernZeitung auf Nachfrage bestätigte. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, erklärte er. Bis erste Konzepte vorliegen werde, es allerdings noch Wochen dauern, so Kriegl.
Konsumenten-Petition läuft
Die Tiefkühlgemüse-Versorgung lässt indes auch Verbraucher nicht kalt. Eine vergangene Woche gestartete Online-Petition einer Wiener Konsumentin zählt mittlerweile mehr als 100.000 Unterschriften. Die Unterzeichner fordern die Bundesregierung auf, weiterhin eine Verarbeitung im Inland sicherzustellen und finanziell zu unterstützen. Die Petition ist hier abrufbar: mein.aufstehn.at
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