Die Folgen des heißen und trockenen Sommers zeigen sich auch in der Gänsehaltung. Weniger Bruteier und eine geringere Befruchtungsrate führen dazu, dass heuer weniger Weidegänse aus heimischer Produktion zur Verfügung stehen.
Besonders betroffen waren die Elterntierbetriebe: Die Hitze beeinträchtigte sowohl die Legeleistung der Gänse als auch die Fruchtbarkeit der Ganter. In der Folge schlüpften weniger Gössl. Insgesamt wird die heimische Weidegans-Produktion daher etwas kleiner ausfallen als in den Vorjahren.
Auch auf den Weideflächen machte sich die Witterung bemerkbar. In vielen Regionen fehlte ausreichend Grünland, sodass die Betriebe zusätzlich frisches Mähgras, Maissilage oder Getreide verfüttern mussten. „Gerade unter diesen Bedingungen zeigt sich aber die Stärke der traditionellen Weidehaltung. Österreichische Weidegänse wachsen besonders tiergerecht auf Grünlandflächen auf und erreichen erst nach rund 18 bis 24 Wochen ihr Schlachtgewicht. Die Kombination aus Weidefutter und ergänzender Getreidefütterung sorgt für die hohe Fleischqualität und den charakteristisch zarten Geschmack der heimischen Weidegans“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich.
Bedarf nicht gedeckt
Wie viel Potenzial in der heimischen Gänsehaltung steckt, zeigen die Versorgungszahlen: 2025 lag der Eigenversorgungsgrad bei 34,3 Prozent. Im Jahr davor waren es noch 37,6 Prozent. Gestiegene Importmengen bei annähernd gleich hoher Inlandsversorgung ließen den Anteil heimischer Gänse sinken. Im Durchschnitt stammt damit etwa jede dritte Gans aus österreichischer Erzeugung. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei rund 110 Gramm jährlich.
Auch in anderen europäischen Erzeugerländern wie Polen, Ungarn, Deutschland und Frankreich beeinflussten die Wirtschaftskrise sowie Ausfälle durch Vogelgrippe und Newcastle Disease die Produktion. Laut EU-Brutstatistiken gingen die Kükenschlüpfe 2026 um zehn bis 15 Prozent zurück. Das betrifft vor allem die Versorgung der Gastronomie, die zu einem großen Teil auf ausländische Ware zurückgreift.
Grünland als Chance
Für kleinere bäuerliche Betriebe mit hohem Grünlandanteil sei laut Landwirtschaftskammer die Weideganshaltung eine Möglichkeit, die Bewirtschaftung breiter aufzustellen. Vorhandene Flächen und Wirtschaftsgebäude könnten für einen zusätzlichen Betriebszweig genutzt werden. „Weidegänse vom bäuerlichen Betrieb sind stark nachgefragt – vorausgesetzt, die Vermarktung erfolgt direkt ab Hof“, erklärt Waldenberger. Rund 85 Prozent der heimischen Weidegänse werden direkt ab Hof an Wirte und Endverbraucher verkauft.Die Kundschaft sei vielfach durch langjährige Stammbeziehungen geprägt und lege Wert auf Tierwohl und Regionalität.
Stabile Ab-Hof-Preise
Bei frischen, konventionell gehaltenen Gänsen liegen die Ab-Hof-Preise heuer je nach Region zwischen 14 und 16 Euro pro Kilogramm. Der Preis für Biogänse liegt ein paar Euro höher. Gegenüber dem Vorjahr sind die Preise laut einer Umfrage unter Vermarktern weitgehend stabil geblieben.
Der Saisonhöhepunkt wird rund um den Martinitag am 11. November erwartet. Um die regionale Spezialität länger anbieten zu können, verteilen Gastronomiebetriebe ihre Gansl- und Wildwochen zunehmend über die Herbstmonate.
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