Die Situation für Wintergerste war im vergangenen Erntejahr herausfordernd. Eine sehr trockene Herbstbestellung, gefolgt von trübem und zum Teil sehr kaltem Wetter, ließ die Bestände wenig bis gering bestockt in den Winter gehen. Es folgte ein zunächst sehr warmer März und April. Einen deutlichen Temperaturrückgang gab es pünktlich zu den Eisheiligen. Danach setzte sich sommerliches bis hochsommerliches Wetter durch.
Die langersehnten Regenfälle Ende Mai und Anfang Juni bewirkten je nach Standort positive Effekte in Richtung Ertragssicherung, teilweise kamen sie aber schlichtweg zu spät. Auf schwächeren Böden konnte man bereits Ende Mai schlecht ausgebildete Ähren und Notreife beobachten. Die Niederschläge brachten auch negative Effekte in Richtung Zwiewuchsverhalten, was eine teils ungleichmäßige Abreife zur Folge hatte. Die nachfolgende, mehrere Tage anhaltende Hitzewelle, führte zu einer sehr schnellen Abreife und einer ausgesprochen frühen Ernte. Krankheiten spielten – mit Ausnahme von Ramularia in den Feucht- und Übergangslagen – eine untergeordnete Rolle.
Virusgefahr bleibt
Auch wenn die Schäden durch viröse Verzwergung im vergangenen Jahr gering waren, sollte die Gefahr weiterhin beachtet werden. Seit 2025 wird durch den Pflanzenschutz-Warndienst zusätzlich zum Getreidevirosen-Monitoring auch das Vorkommen der Vektoren erhoben, um eine präzisere Aussage zum möglichen Infektionsrisiko treffen zu können. Als Vektoren kommen Blattläusen aber auch Zikaden in Frage. Erstere übertragen vor allem viröse Gelbverzwergung (BYDV), während Zikaden, insbesondere die Wandersandzirpe, das Weizenverzwergungsvirus (WDV) verbreiten. Besonders sehr früh angebaute Gersten leiden je nach Befallsdruck unter erheblichen Ertragseinbußen.
Bei milder Herbstwitterung sollte Wintergerste in den östlichen und südlichen Landesteilen erst ab der zweiten Oktoberwoche gesät werden. Eine ausreichende Herbstentwicklung ist Voraussetzung, um das volle Ertragspotenzial auszuschöpfen. Bis zum Wintereintritt sollten mehrzeilige Sorten idealerweise zwei bis drei kräftige und einige schwächere Nebentriebe ausgebildet haben. Bei zweizeiligen Sorten sind drei bis vier kräftige sowie einige schwächere Triebe anzustreben. Im Alpenvorland sowie in tieferen Lagen des Mühl- und Waldviertels liegt der optimale Anbauzeitpunkt in der ersten Oktoberwoche. In mittleren und höheren Lagen des Mühl- und Waldviertels ist meist ein Anbau ab dem 20. bis zum 25. September sinnvoll. In den kühleren Lagen ist die Gefahr eines Virusbefalls geringer. Bei anhaltend milder Witterung sollte eine Insektizidbehandlung eingeplant werden. Darüber hinaus kann die Wahl einer geeigneten Sorte das Risiko von Virusinfektionen reduzieren.
Eine Resistenz gegen das BYDV zeigen laut Österreichischer Beschreibender Sortenliste die zweizeiligen Amalia, Duchesse und Paquita, sowie die mehrzeiligen Wintergersten AC Confiance, Alice, Fascination, LG Zebra, Paradies und RGT Alessia.
Zweizeilige Futtergersten
Die bereits erwähnte Paquita wurde im vergangenen Dezember zugelassen und zeigt neben der BYDV-Resistenz auch ein hohes bis sehr hohes Ertragspotential in allen Produktionslagen. Sie kombiniert eine mittlere Wuchshöhe mit mittelguter Standfestigkeit (Note 4). Ein ausgewogenes Resistenzniveau gegenüber den meisten Blattkrankheiten mit Ausnahme von Ramularia (7) liegt vor. Der Vollgerstenanteil ist hoch, das Hektolitergewicht mittel ausgeprägt.
Mit Amalia wurde eine weitere ertragsstarke Neuzüchtung zugelassen. Sie reift mittelfrüh ab. Bei mittlerem Wuchs besitzt sie eine mittlere Standfestigkeit (Note 5). In der Voll- und Totreife ist die Neigung zum Ährenknicken gering. Amalia besitzt ein insgesamt ausgewogenes Gesundheitsprofil.
Arthene (Lager 5) zeigte auch heuer wieder gute ertragliche Leistung. Sie ist auch bei Überreife halmstabil und bildet Körner mit höchstem Marktwarenanteil (Sortierung >2,2mm) aus. Infektionen kann sie bis auf Mehltau meist abwehren. Bordeaux (Lager 4) bildet Körner mit ansprechender Sortierung bei niedrigem Rohfaser- und Rohproteingehalt. Eine ausgewogene Blattgesundheit, mit Ausnahme von Ramularia (8), liegt vor. Die spät bis sehr spät reifende LG Campus zeigt besonders im oberösterreichischen Alpenvorland Ertragsstabilität. Bianca (Lager 5) reift spät und bildet Körner mit sehr hohem Tausendkorngewicht. Für Krankheiten ist sie gering bis mittel anfällig. Ähnlich blattgesund ist SU Laubella mit kurzem Wuchs (Lager 5). Sie brachte in allen Lagen stabile Erträge. In der Totreife neigt sie nur wenig zum Ährenknicken. Bestände der kurzwüchsigen Sandra (Lager 4) können von Zwergrost stark infiziert werden. Die Kornsortierungen sowie der energetische Futterwert sind günstig ausgeprägt.
Winterbraugersten
Winterbraugerste bleibt weiterhin attraktiv. Für die Ernte 2026 wird eine Menge von mehr als 80.000 Tonnen angestrebt. Verbreitung findet Winterbraugerste vor allem auf mittleren und tiefgründigen Böden in Ostösterreich. Die heurigen Hauptbraugersten sind KWS Donau, Sonja, Monroe sowie Livada.
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Die mittelreifende KWS Donau geht trotz Kurzwüchsigkeit etwas leichter ins Lager (Note 6). Sie kombiniert mittlere Krankheitsresistenzen mit sehr guter Sortierung. Ihre gute Malzqualität ist für die Brauereien und Mälzereien ansprechend. Monroe besitzt ein ähnliches Ertragspotenzial. Sie besitzt einen etwas längeren Halm mit geringfügig besserer Standfestigkeit (Note 5). Bei Trockenstress in der Kornfüllungsphase kann ihre Sortierung rascher abnehmen.
Livada (Lager 4) hingegen ist sehr kurzwüchsig. Für die meisten Krankheiten ist sie mittelstark anfällig, mittelstark bis stark für Ramularia (8). Das Hektolitergewicht ist mittelhoch, die Kornsortierung ansprechend. Mit der frühreifen Duchesse wurde die bisher einzige Winterbraugerste mit einer Resistenz gegen BYDV zugelassen. Ihre Mälzeigenschaften wird sie dieses Jahr im Großbrauversuch bei der Stamag unter Beweis stellen. Nadine zeigt Kurzwüchsigkeit und Halmstabilität (Note 4). Der Vollgerstenanteil ist hoch bis sehr hoch. Ertraglich kann sie mit den anderen Braugersten mithalten. Netzflecken sowie Ramularia können stärker schädigen.
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Mehrzeilige Sorten
Das mehrzeilige Sortiment wird im Feuchtgebiet ertraglich von der Neuzulassung KWS Joris angeführt. Sie verbindet einen längeren Wuchs mit überdurchschnittlicher Standfestigkeit und Stabilität in der Voll- und Totreife. In ihrer Anfälligkeit gegenüber Blattkrankheiten liegt sie im Sortimentsmittel. Ihr Rohproteinhalt ist gering bei mittlerem Rohfasergehalt. Sevilla zeigte sich bei mittlerem Marktwarenertrag sowohl im Feucht- als auch im Trockengebiet sehr ertragsstark und die Strohstabilität ist durchaus positiv (Lager 4). Netzflecken und Rhynchosporium-Blattflecken können gut abgewehrt werden, andere Krankheiten schädigen mehr. Julia (Lager 5) liefert sehr gute Erträge. Die Anfälligkeit für die Ramularia-Sprenkelkrankheit ist mittel, der Rohproteingehalt ist niedrig bis mittel und der Rohfasergehalt mittelhoch.
RGT Mela zeigt trotz ihres langen bis sehr langen Wuchses eine mittlere Standfestigkeit (Lager 5). Im Feuchtgebiet liegt ihr Ertragspotential hoch bis sehr hoch, die Krankheitsanfälligkeit ist gering bis mittel.
KWS Tolanis (Lager 4) wird von der Ramularia-Sprenkelkrankheit spät infiziert. Bei hohem bis sehr hohem Ertragspotential liefert sie einen geringeren energetischen Futterwert aufgrund des niedrigen Rohproteingehaltes und des mittleren Rohfaseranteils.
Die langhalmige Thimea (Lager 4) hat die beste Toleranz gegenüber Schneeschimmel im Sortiment. Auch andere Krankheiten können gut, bis mittel abgewehrt werden. Die gegen BYDV resistente Fascination (Lager 4) zeigt mittlere Blattgesundheit. Den hohen bis sehr hohen Marktwarenanteil kombiniert sie mit einem mittleren Rohproteingehalt. Die standfeste RGT Alessia (Lager 3) besitzt ebenfalls eine BYDV-Resistenz. Sie zeichnet sich durch ausgewogene Blattgesundheit aus, eine Zwergrostinfektion kann sie allerdings stark beeinträchtigen. Adalina (Lager 4) verfügt über ein mitteleres bis hohes Hektolitergewicht bei mittlerer bis mittelstarker Anfälligkeit für Krankheiten.
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Sorten für Biobetriebe
Die aktuelle Verfügbarkeit von Biosaatgut ist im Internet in der Bio-Pflanzenvermehrungsmaterial-Datenbank abrufbar. Siehe dazu: ages.at/service/service-landwirtschaft/agrar-online-tools/bio-saatgutdatenbank/
Flugbrand durch Z-Saatgut vorbeugen
Flugbrand ist eine weit verbreitete samenbürtige Krankheit. Bei Gerstenflugbrand wirken nur Spezialbeizungen, da der Erreger im Embryo sitzt. Die anstelle der Ähren gebildeten Sporenlager verbreiten die in ihnen enthaltenen Sporen über Wind und Regen. Bei starkem Flugbrandbefall muss mit hohen Ertragseinbußen, einer Untauglichkeit als Saatgut oder dem Einsatz teurer Spezialbeizmittel gerechnet werden. Kranke Bestände stellen eine Infektionsquelle über große Entfernungen dar.
Die Verwendung von zertifiziertem Saatgut hilft die Gefahr von unerwünschten samenbürtigen Krankheiten zu vermeiden.
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