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Präzise düngen: Wie Precision Farming Erträge sichern kann

Feldversuche des Josephinum Research zeigen: Eine teilflächenspezifische Stickstoffdüngung brachte bei Winterweizen im Schnitt 10,4 Prozent mehr Ertrag. Entscheidend war dabei nicht eine höhere Düngermenge, sondern deren gezieltere Verteilung.

Die Landwirtschaft steht vor einem schwierigen Spannungsfeld: Wetterextreme wie Trockenheit können Erträge beeinträchtigen, gleichzeitig steigen die Anforderungen an einen effizienten Einsatz von Betriebsmitteln. Einen möglichen Ansatz bietet die Präzisionslandwirtschaft. Sie setzt darauf, Unterschiede innerhalb eines Feldes zu erfassen und Düngung oder andere Bewirtschaftungsmaßnahmen entsprechend anzupassen.

Wie stark sich eine solche Vorgehensweise auf den Ertrag auswirken kann, wurde 2026 im Rahmen des EIP-Projekts „N-Effizienz“ von Josephinum Research untersucht. An drei Standorten in Niederösterreich, dem Burgenland und Oberösterreich wurde Winterweizen entweder gleichmäßig oder teilflächenspezifisch mit Stickstoff versorgt.

Im Schnitt 740 Kilogramm mehr Weizen

Die Ergebnisse der Versuche zeigen einen Unterschied zwischen den beiden Varianten. Über alle drei Standorte hinweg wurden bei der variablen Düngung durchschnittlich 740 Kilogramm mehr Weizen pro Hektar geerntet. Das entspricht einem Mehrertrag von 10,4 Prozent. Auch bei einer Betrachtung der einzelnen Standorte zeigte sich ein ähnliches Bild: In Niederösterreich lag der Mehrertrag bei 9,8 Prozent, im Burgenland bei 10,6 Prozent und in Oberösterreich bei 10,8 Prozent. Dabei wurde nicht grundsätzlich mehr Stickstoff ausgebracht. Entscheidend war vielmehr dessen Verteilung innerhalb der jeweiligen Fläche. Die Düngung wurde am unterschiedlichen Ertragspotenzial der Teilflächen ausgerichtet.

Nicht jeder Teil des Ackers ist gleich

Der Ansatz des Precision Farming beruht auf einer einfachen Beobachtung: Ein landwirtschaftlich genutztes Feld weist häufig deutliche Unterschiede auf. Bodenbeschaffenheit, Wasserversorgung, Pflanzenbestand und Ertragspotenzial können innerhalb eines Schlages variieren. Bei einer einheitlichen Düngung werden diese Unterschiede nur begrenzt berücksichtigt. Die teilflächenspezifische Bewirtschaftung versucht hingegen, die vorhandenen Daten für eine differenzierte Ausbringung zu nutzen. Gerade unter trockenen Bedingungen kann dieser Unterschied relevant werden. Fehlt Wasser, können Pflanzen Nährstoffe schlechter aufnehmen und verwerten. Gleichzeitig können sich die Entwicklungsunterschiede innerhalb eines Feldes verstärken. Präzisionslandwirtschaft soll hier ermöglichen, die Düngung stärker an den jeweiligen Bedingungen auszurichten.

EIP-Projekt „N-Effizienz“

EIP-Projekt „N-Effizienz“, Josephinum Research, Winterweizen 2026; drei Versuchsstandorte in Niederösterreich, Burgenland und Oberösterreich; gepoolte Auswertung über alle drei Standorte. Für die Erlösrechnung wurde ein Weizenpreis von 205 Euro je Tonne herangezogen. Das Projekt wurde im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft von Bund, Ländern und Europäischer Union im Rahmen der Ländlichen Entwicklung gefördert.

Mehrerlös von rund 152 Euro pro Hektar

Auch wirtschaftlich lässt sich der Versuchseffekt beziffern. Legt man den im Projekt verwendeten Weizenpreis von 205 Euro je Tonne zugrunde, entsprechen 740 Kilogramm Mehrertrag einem zusätzlichen Erlös von rund 152 Euro pro Hektar. Bei 15 Hektar Winterweizen wären das rechnerisch etwa 2.300 Euro, bei 50 Hektar rund 7.600 Euro zusätzlicher Erlös. Dabei handelt es sich um eine reine Erlösrechnung. Kosten für Technik, Datenerhebung, Software oder die Umsetzung der variablen Düngung sind darin nicht berücksichtigt.

Qualität blieb vergleichbar

Neben dem Ertrag wurde auch die Qualität des geernteten Weizens betrachtet. Bei Rohproteingehalt, Hektolitergewicht und Tausendkorngewicht zeigten sich zwischen der klassischen und der variablen Düngungsvariante keine wesentlichen Unterschiede. Für die praktische Umsetzung kann zudem auf bestehende Technik zurückgegriffen werden. Im Versuch wurden Applikationskarten erstellt, die mit herkömmlichen Düngerstreuern genutzt werden können. Eine vollständige Umrüstung auf Spezialmaschinen ist damit nicht zwingend Voraussetzung für eine teilflächenspezifische Düngung.

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