Feldarbeit

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Sortentipps für Roggen und Triticale

Die vergangene Anbausaison war durch die Dürre und entsprechend geringen Krankheitsdruck geprägt. Welche Schlüsse sich daraus für den nahenden Anbau ziehen lassen.

Extreme Trockenheit prägte die vergangene Saison in großen Teilen Österreichs. Der Vorteil des vergangenen Jahres war der niedrige Krankheitsdruck. So traten bei Roggen Mehltau, Rhynochosporium- und Cercosporidium-Blattflecken kaum auf. Braunrost schädigte erst spät und Schwarzrost nur vereinzelt. Bei Triticale infizierte Mehltau nur in Staulagen, für Rhynchosporium war es meist zu trocken und Gelbrost spielte heuer kaum eine Rolle. Braunrost wurde vergleichsweise spät bei den anfälligeren Sorten gesichtet. Von Ährenfusarium blieben die meisten Bestände verschont.

Cercosporidium und Mutterkorn

Cercosporidium-Blattflecken schädigen bereits seit einigen Jahren die Roggenbestände Österreichs. Seit 2014 wurde der Befall durch den Pilz Cercosporidium graminis (Synonym: Scolecotrichum graminis) in Wertprüfungsversuchen erhoben – anfangs nur im Mühl- und Waldviertel, dann auch in Kärnten und 2025 sogar im Pannonikum. Der Parasit infiziert neben Roggen auch viele Grasarten und verursacht längliche streifenförmige Flecken, die zuerst bräunlich, dann im Zentrum gräulich werden. Darauf bilden sich kleine schwarze Punkte, die Büschel von Konidienträgern sind. Das Erscheinungsbild ähnelt jenem von Septoria tritici bei Weizen. Seit 2026 wird die Anfälligkeit der Roggensorten in der Beschreibenden Sortenliste dargestellt. Durch die oft dünnen Bestände gab es heuer vermehrt Zwiewuchs, der mit Mutterkorn infiziert wurde. Der Mutterkornpilz ist schon in kleinen Mengen sowohl für Tiere als auch für Menschen giftig. Seit 1. Juli 2025 gelten EU-weit 0,2 Gramm Mutterkornsklerotien pro Kilogramm Erntegut als Grenzwert. 2028 werden die Ergotalkaloidgehalt-Grenzwerte für Roggen-Mahlerzeugnisse von 500 µg/kg auf 250 µg/kg gesenkt. Daher ist es wichtig, alle möglichen Hebel zur Reduktion von Mutterkorn einzusetzen. Folgende Punkte sollten beachtet werden:

  • Hygienemaßnahmen: Pflugfurche bei Roggen auf Roggen, Originalsaatgut verwenden, Kalkstickstoff im Frühjahr und Mahd der Feldraine.

  • Zwiewuchs vermeiden: Sorgfältige Saatbettbereitung, einheitliche Sätiefe sicherstellen, keine zu weiten Drillreihen, ausreichende Fahrgassenbreite, keine zu niedrige Saatstärke, allzu späte Saat vermeiden, Gefahr von Auswinterung verringern, keine überhöhte N-Düngung, frühzeitiges Lager vermeiden, Vorgewende wenig befahren.

  • Pollenangebot steigern: Blühsynchronisation verbessern, Wickroggen mit entsprechendem Roggenanteil, Wachstumsregler vorsichtig einsetzen, wenig anfälligere Sorte wählen.

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Populationssorten

Bei der Anfälligkeit für Mutterkorn sind die Populationsroggen im Vorteil. Populationssorten reifen meist früher und liefern mehr Stroh, sind aber oft anfälliger für Lager und bleiben ertraglich mehrjährig 15 bis 20 Prozent hinter den Hybriden zurück. SU Bebop reift mittelspät und besitzt eine geringe Strohstabilität (Lager 6). Er führt die Populationssorten ertraglich an und erzielt hohe Fallzahlen mit geringem Proteingehalt. Der mittel standfeste Dańkowskie Turkus (Note 5) besitzt eine für Roggen gute Toleranz gegen Blattkrankheiten, auch Mutterkorn infiziert ihn nur gering. Jedoch ist seine Ertragsstabilität niedrig.

Dukato ist ähnlich standfest (Note 5) und reift mittel ab. Er reagiert stärker auf Rostkrankheiten, bringt aber verlässlich Ertrag. Elias neigt aufgrund seiner Langhalmigkeit etwas stärker zu Lager (Note 6). Die immer seltener werdenden schneereichen Winter können ihm stärker zusetzen; er zeigt aber sehr stabile Erträge und eine geringe Mutterkornanfälligkeit. Der früh reifende Amilo ist ähnlich wenig halmstabil (Note 6) und wird von Rostkrankheiten vermehrt befallen; er zeichnet sich aber durch hohe Werte in Hektolitergewicht, Fallzahl und Amylogramm aus und übersteht damit wechselhaftes Wetter zur Ernte mit geringeren Qualitätsverlusten.

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Hybridsorten

In der Züchtung wird auch bei Hybridroggen an einer verbesserten Mutterkornresistenz gearbeitet, diese liegen aber noch hinter den Populationssorten zurück. Jährlich wird eine große Zahl von Prüfstämmen in der Wertprüfung getestet. Einigen davon wird auch regelmäßig der „Landeskulturelle Wert“ zugesprochen. So wurden im Dezember 2025 die zwei neuen Sorten SU Erling und SU Ivar zugelassen. Von SU Erling wird auch schon Saatgut angeboten. Er ist kurzwüchsig und mittelgut standfest (Note 4). Seine Anfälligkeit für Blattkrankheiten ähnelt dem Sortiment. Von Mutterkorn kann er etwas stärker befallen werden. Sein hohes Ertragspotenzial konnte er auch heuer wieder unter Beweis stellen und führt im Mühl- und Waldviertel das Sortiment an. Qualitativ punktet er durch hohes Hektolitergewicht und hohe Fallzahl.

KWS Tayo besitzt einen ähnlich stabilen Halm (Lager 4) und besticht seit Jahren durch anhaltend hohe Erträge. Er führt ertraglich im Pannonikum das Sortiment an. Auch qualitativ punktet er durch mittelhohes Hektolitergewicht, höchste Fallzahlen und sehr hohe Amylogrammwerte. Der kurzwüchsige KWS Fidalgor zeichnet sich durch eine längere Einkörnungsperiode aus. Er ist mittel standfest (Lager 5) und wird von Braunrost etwas stärker befallen. Das sehr hohe Ertragspotenzial spiegelt sich negativ im sehr niedrigen Proteingehalt wider. KWS Emphor schiebt unter den Hybriden am frühesten die Ähren. Er reift mittelspät mit guter Strohstabilität (Lager 4) und geringer Auswuchsneigung. Die Krankheitsanfälligkeiten liegen im mittleren Bereich. Sein hohes Ertragspotenzial ist mit einem sehr niedrigen Proteingehalt gepaart. Der mittel standfeste KWS Pulsor (Lager 5) neigt bei der Abreife wenig zu Halmknicken. Er ist mittel anfällig für Blattkrankheiten und erzielt ein mittleres Hektolitergewicht.

Der spät reifende KWS Detektor (Lager 5) ist anfällig für Mehltau, Braunrost und Cercosporidium-Blattflecken, zeigt aber eine gute Schneeschimmelresistenz. Er punktet qualitativ besonders durch hohe Fallzahlen und hohe Amylogrammwerte.

Wintertriticale

Bei Triticale wurden 2026 oft dünnere Bestände etabliert, die im Schnitt zehn Zentimeter kürzer waren als im Vorjahr. Das Ährenschieben wurde im Mittel zu einem ähnlichen Zeitpunkt erreicht wie 2025, die Reife hingegen meist ein paar Tage früher. Das Ertragsniveau lag in der Wertprüfung etwa eine Tonne unter den beiden letzten Jahren. Die Qualitätsergebnisse waren gut.

Die Neuzulassungen der letzten beiden Jahre brachten einen deutlichen Ertragssprung zu den älteren Sorten, was sich besonders im Alpenvorland zeigte. Im Dezember wurden die Sorten Promiso, Requin, Rugiro und Triscore neu in die Österreichische Sortenliste eingetragen. Von den beiden letzteren ist Saatgut bereits erhältlich. Die Wechseltriticalesorte Triscore ist mittellangwüchsig, mittel standfest (Note 5) und blattgesund. In allen Gebieten zeigte sie ein sehr hohes Ertragspotenzial. Rapace hat durch sein besonders frühes Ährenschieben in später folgenden Trockenphasen bereits einen Entwicklungsvorsprung. Er ist etwas anfälliger für Lager (Note 6) und Auswuchs. Gegenüber Blatt- und Ährenkrankheiten entfaltet er ein hohes bis mittleres Resistenzniveau. Bei Bicross ist sowohl ein Herbstanbau als auch eine Frühjahrsaussaat möglich. Diese Sorte reift früh bei langem Wuchs und etwas erhöhter Lagerneigung (Note 6). Von Rostkrankheiten und Ährenfusarium wird sie kaum befallen. Neben dem sehr hohen Ertragspotenzial besticht sie durch hohe N-Effizienz, was auch für Rugiro gilt. Dieser (Lager 5) ist besonders blattgesund, wird aber von Ährenfusarium etwas stärker infiziert. Der langwüchsige Tribello benötigt bei dichteren Beständen eine Halmstabilisierung (Lager 7). Von Mehltau, Rostkrankheiten und Ährenfusarium wird er wenig infiziert.

Lumaco wehrt Gelbrost sehr effizient ab und auch Mehltau schädigt kaum. Bei mittelhohem Wuchs ist eine ebenso starke Lagergefahr (Note 6) gegeben. Mit RGT Tamac (Lager 5) ist eine weitere Wechseltriticalesorte erhältlich. Sie liefert in allen Gebieten zufriedenstellende Kornerträge, allerdings ist ein Anbau in Staulagen aufgrund der hohen Anfälligkeit für Mehltau nicht ratsam. Rostkrankheiten und Ährenfusarium werden hingegen gut abgewehrt. Bei unbeständigem Erntewetter sollte der Drusch rasch erfolgen, um ein Auswachsen der Körner zu vermeiden.

Brehat kann auch im Frühjahr angebaut werden. Er neigt verstärkt zu Lager (Note 7) und wird durch Mehltau stärker geschädigt. Rostkrankheiten unterdrückt er gut. Rivolt (Lager 5) erzielt seine Erträge durch eine hohe Bekörnung der Ähre. Die starke Gelbrostanfälligkeit schadete ihm in den letzten beiden Jahren kaum. Braunrost, Schneeschimmel und Rhynchosporium-Blattflecken werden gut abgewehrt. Der kurzwüchsige SU Laurentius neigt bei guter Standfestigkeit (Note 4) stärker zu Auswuchs. Auf die etwas erhöhte Anfälligkeit für Ährenfusarium sollte geachtet werden. Noch etwas kurzwüchsiger und standfester (Note 3) ist die Wechseltriticalesorte RGT Flickflac, die für dichtere Bestände mit 550 bis 630 Ähren pro Quadratmeter dankbar ist. Blattkrankheiten werden meist mittelgut abgewehrt, für die Ähre sollte aber bei feuchtem Blühwetter ein fungizider Schutz erfolgen.

Claudius (Lager 6) neigt sehr stark zu Auswuchs und Rostkrankheiten können ihn stärker schädigen. Er ist ein kornzahlbetonter Einzelährentyp, der entsprechende Erträge bereits mit 380 bis 500 Ähren je Quadratmeter erzielt. Der mittelspät ährenschiebende Tribonus (Lager 4) erreicht die Gelbreife mittelfrüh und hat dadurch eine etwas verkürzte Einkörnungsperiode. Ährenfusarium tritt bei ihm nur selten auf. Er erzielt ein mittelhohes Hektolitergewicht. Tricanto ist eine längerwüchsige Sorte, die verstärkt zu Lager (Note 7) neigt. Während Ährenfusarium gut abgewehrt wird, ist sie empfindlich gegenüber Braunrost. Der spät reifende Belcanto ist mittelgut standfest (Note 4). In schneereichen Wintern wird er von Schneeschimmel kaum befallen. Im Alpenvorland zeigte er die höchste Ertragsstabilität.

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Saatgut in Bioqualität

Für biologisch wirtschaftende Betriebe stehen bei Roggen hauptsächlich Populationssorten zur Verfügung, weil die Hybridsorten meist im österreichischen Aufkauf abgelehnt werden. So stehen Amilo, Dańkowskie Turkus, Dukato, Elias, Schlägler und SU Bebop sowie die Erhaltungssorten Lungauer Tauern 2 und Lungauer Tauern 3 bereit. Als Grünschnittroggen werden Protektor und SU Vector sowie EU-Sorten angeboten. Daneben sind auch die Hybridsorten KWS Detektor und KWS Emphor erhältlich. Bei Triticale können Bio-Landwirte mit Belcanto, Bicross, Borowik, Brehat, Claudius, Lumaco,

Presto, Rivolt, Rugiro, SU Laurentius, Triamant und Tricanto aus einer Vielzahl an Bio-Sorten wählen. Die aktuelle Verfügbarkeit von Biosaatgut kann in der Biosaatgut-Datenbank unter ages.at abgefragt werden.

Die hier vorgestellten Ergebnisse wurden unter Mitarbeit des Landes Niederösterreich erhoben.

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