Trockentoleranz wird im Grünland ein Kompromiss zwischen maximal möglicher Ertragsleistung und Konstanz der Erträge sein müssen. Hochleistungsarten wie Raygräser werden zugunsten von Arten wie Knaulgras, Festulolium, Rotklee sowie Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras etwas zurücktreten. All dies unter der Prämisse, dass die Gemeine Rispe keine dominierende Rolle spielen darf.
Für mehr Trockentoleranz müssen Bestände saniert werden.
Peter Frühwirth
Für eine zukunftssichere Kombination von Trockentoleranz, Ertrag und Eiweiß gibt es drei Hebel:
Kalkversorgung und Lücken im Bestand
Nachsaattechnik mit Starkzinkenstriegel
Nachsaat mit ausgewählten Mischungen
Eine gute Ca-Versorgung in den obersten ein bis zwei Zentimetern des Bodens verbessert die rasche Bildung einer kräftigen Primärwurzel nach der Keimung des Grassamens und anschließend von Sekundärwurzeln. So wird die kleine Graspflanze schnell in das Drei-Blatt-Stadium wachsen und kurz darauf auch kräftig bestocken, womit die erste kritische Phase überwunden ist. Voraussetzung dafür ist ausreichend Licht.
Das Jahr nach der Dürre 2019: Links der Bestand ohne Sanierung, rechts mit.
Das Pflichtprogramm
Damit der Erfolg der Grünlandsanierung in den kommenden Jahren sichtbar wird, muss beim erstmaligen Einstieg in das Thema Trockentoleranz mit vollem Einsatz des Starkzinkenstriegels gearbeitet werden. Unabhängig davon, ob viel oder wenig Gemeine Rispe vorhanden ist, lautet das Pflichtprogramm:
Jahreszeit: Zweite Augusthälfte bis spätestens erste Septemberwoche (im 5-Schnittbetrieb); Ende Juli (im 4-Schnittbetrieb).
Vorbereitung: Die nachzusäende Fläche muss vorher sehr kurz gemäht werden. Bei wetterbedingter Verzögerung am Tag zuvor nochmals abrasieren.
Mit dem Starkzinkenstriegel zweimal über Kreuz striegeln mit voll auf Griff gestellten Zinken. Striegelfelder möglichst stark belasten.
Bei Vorhandensein von Rotschwingel, Flechtstraußgras oder der durch Trockenheit verdorrten Gemeinen Rispe kann auch dreimal über Kreuz striegeln notwendig sein.
Nach jedem Striegeldurchgang das Material schwaden und abtransportieren.
Abschließend Nachsaatmischung mit flach gestellten Zinken und 25 bis 30 Kilogramm je Hektar (kg/ha) Saatgut ausbringen.
Anwalzen: wenn möglich ja, nicht zwingend notwendig.
Keine Düngung bis ins kommende Frühjahr.
Rechtzeitiger Reinigungsschnitt im Herbst in zehn Zentimetern Schnitthöhe als Lichtbringer für die junge Nachsaat.
Alle Arbeitsschritte der Sanierung sind zwingend nötig.
Peter Frühwirth
Dieses Arbeitsprogramm muss in allen Schritten, von der Vorbereitung bis zum Reinigungsschnitt, vollständig, sorgfältig und konsequent umgesetzt werden. Einmal Kreuzstriegeln ist zu wenig. Besonders beim Striegeleinsatz wird Unterstützung durch erfahrene Personen des Maschinenrings empfohlen.
Nachsaatmischungen
Heuer steht die Saatgutmischung „Grünlandprofi Spezi“ erstmalig der Praxis zur Verfügung. Mit nur drei konkurrenzkräftigen Arten, nämlich Rotklee, Knaulgras und Wiesenschweidel, ist sie eine Kampfmischung für die Nachsaat. Die Zusammensetzung wurde mit der Praxis in mehreren Jahren entwickelt. Besonders bewährt hat sie sich im ertragsbetonten Grünland mit höheren Anteilen an Englischem Raygras oder Bastardraygras, aus dem die Gemeine Rispe ausgestriegelt wurde. In weniger ertragsbetonten Beständen und wenn kein Problem mit Bastardraygras gegeben ist, können folgende Mischungen empfohlen werden:
60 Prozent (%) Grünlandprofi Spezi + 40 % Grünlandprofi EB
60 % Grünlandprofi Spezi+ 40 % ÖAG Nachsaatmischung NI
Periodische Nachsaat
Die richtige Folgebewirtschaftung nach einer Sanierung ist ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg. Scharfe Messer schneiden glatt, stumpfe Messer reißen ab. Zerrissene und aufgefaserte Schnittflächen brauchen lange, bis sie verheilt sind. Das kann die Bildung eines deckenden Bestandes um bis zu eine Woche verzögern. Die Schnitthöhe von acht bis zehn Zentimetern schont Gräser und Klee. Ab dem dritten Jahr nach der ersten großen Sanierung ist periodisch alle zwei bis drei Jahre mit 12 bis 15 kg/ha nachzusäen. Dafür sind alle zuvor genannten Mischungen geeignet. Wenn konsequent hoch gemäht wird und im zwei- bis dreijährigen Rhythmus nachgesät wird, tritt die Gemeine Rispe in den Folgejahren nur im Unterwuchs des Bestandes auf.
Nährstoffversorgung
Auch die beste Nachsaatmischung kann die für Ertrag und Qualität notwendigen Nährstoffe nicht ersetzen.
Stickstoff: Separierte Gülle (< 5 % TS) hat bei verlustarmer Ausbringung (z. B. bodennah) eine sehr rasche und hohe Wirkung. Der in der Gülle überwiegende Stickstoff in Ammonium-Form ist sehr gut kleeverträglich und hat eine geringe Auswaschung. Falls ergänzend mineralisch gedüngt wird, sind Ammonium-Dünger oder Cultan-Injektion hocheffizient.
Calcium: Regelmäßig 1.800 kg/ha kohlensaurer Kalk alle drei Jahre ist ein Muss ab fünf Schnitten.
Phosphor: 8 bis 10 mg P2O5/100 g (>36 mg P/1.000 g) sollen in der Bodenuntersuchung mindestens erreicht werden.
Mehr Infos
Grundlage dieses Beitrags sind die Maschinenring-Broschüren „Zukunft Grünland – Trockentoleranz, Ertrag, Eiweiß“ und „Zukunft Grünland – Trockentoleranz und ausgeglichene Erträge“. Erschienen im Projekt „GrünlandPro2028“.
Kostenfreier Download unter: www.gruenlandpro.at
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