Alternative Milchprodukte gewinnen an Bedeutung. Das geht aus der Studie „Alternative Milchprodukte – Nachfrageentwicklung und mögliche Auswirkungen auf den Milchmarkt in Deutschland“ hervor. Verfasst wurde diese von Agora Agrar, der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und der Universität Hohenheim. 2023 lag der Anteil pflanzlicher Milchalternativen am deutschen Markt demnach bei 7,4 Prozent. Bis 2035 könnte er laut Studie auf 12,5 Prozent in einem konservativen oder auf 25 Prozent in einem dynamischen Szenario steigen. Dabei geht die Untersuchung davon aus, dass der Pro-Kopf-Konsum von Milchprodukten insgesamt mit rund 130 Kilogramm pro Jahr konstant bleibt.
Besonders betroffen wären Trinkmilch, Joghurt und Schlagobers sowie bestimmte Käsesorten. Neben pflanzlichen Alternativen untersucht die Studie auch Produkte, die mithilfe von Fermentation hergestellt werden. Während pflanzliche Produkte bereits am Markt etabliert sind, könnten fermentationsbasierte Verfahren künftig weitere Möglichkeiten eröffnen. Ihre Entwicklung hängt allerdings unter anderem von Produktionskosten, technologischem Fortschritt und rechtlichen Rahmenbedingungen ab.
Diverse Technologien und Perspektiven
Die Studie unterscheidet mehrere Herstellungsverfahren. Pflanzliche Alternativen werden aus Rohstoffen wie Hafer, Soja oder anderen Pflanzen hergestellt und dürften kurz- bis mittelfristig die wichtigste Rolle spielen. Bei der Biomassefermentation werden Mikroorganismen zur Herstellung von Biomasse genutzt. Die Präzisionsfermentation wiederum ermöglicht es, bestimmte Bestandteile wie Proteine mithilfe von Mikroorganismen herzustellen. Bei diesen Verfahren sind die wirtschaftliche Produktion in größerem Maßstab und die Kosten zentrale Herausforderungen. Auch regulatorische Fragen innerhalb der EU beeinflussen, wie rasch sich die Technologien am Markt etablieren können.
Exporte entscheidend für die Milchproduktion
Welche Folgen die wachsende Nachfrage nach Alternativen für die Milchviehhaltung hat, hängt laut Studie wesentlich vom Export ab. Können zusätzliche Ausfuhren einen Rückgang des heimischen Konsums ausgleichen, könnte die Milchproduktion weitgehend stabil bleiben. Fällt dieser Ausgleich weg und reagiert die Produktion vollständig auf die sinkende Nachfrage, wären deutlichere Einschnitte möglich.
Zur Studie:
Die Untersuchung „Alternative Milchprodukte – Nachfrageentwicklung und mögliche Auswirkungen auf den Milchmarkt in Deutschland“ wurde von Agora Agrar gemeinsam mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und dem Fachgebiet Agrarmärkte der Universität Hohenheim erstellt. Sie untersucht, wie sich der Markt für alternative Milchprodukte bis 2035 entwickeln könnte und welche Folgen unterschiedliche Nachfrageszenarien für die deutsche Milchproduktion, die Zahl der Milchviehbetriebe und den Export haben könnten. Dabei werden sowohl pflanzliche Alternativen als auch fermentationsbasierte Herstellungsverfahren berücksichtigt. Die Ergebnisse beruhen auf Szenarien und sind nicht als sichere Prognosen zu verstehen.
Für die Untersuchung haben die Studienautoren zwei Nachfrageentwicklungen bis 2035 modelliert. Im konservativen Szenario steigt der Anteil alternativer Milchprodukte am gesamten Pro-Kopf-Verbrauch von 7,4 Prozent im Jahr 2023 auf 12,5 Prozent im Jahr 2035. Das dynamische Szenario geht von einem Anstieg auf 25 Prozent aus. Dabei bleibt der angenommene Gesamtverbrauch von Milch und alternativen Milchprodukten mit rund 130 Kilogramm pro Kopf und Jahr konstant. Verändert wird somit vor allem das Verhältnis zwischen beiden Produktgruppen. Die Studie macht dabei deutlich, dass die Szenarien auf unterschiedlichen Annahmen beruhen. In den Exportkompensationsszenarien wird angenommen, dass zusätzliche Exporte die geringere Nachfrage im Inland ausgleichen und die Produktion unverändert bleibt. In den Reduktionsszenarien wird dagegen davon ausgegangen, dass sich die Produktion vollständig an die sinkende Nachfrage anpasst. Welche Entwicklung tatsächlich eintritt, hängt unter anderem davon ab, ob sich entsprechende Absatzmärkte im Ausland halten oder erschließen lassen.
Strukturwandel könnte sich verstärken
Ein Rückgang der Milchproduktion hätte auch Folgen für die Zahl der Milchkühe und der milchviehhaltenden Betriebe. Im konservativen Reduktionsszenario errechnet die Studie einen Rückgang des Milchkuhbestands um knapp 200.000 Tiere beziehungsweise rund 5,4 Prozent gegenüber 2023. Im dynamischen Szenario wären es rund 670.000 Milchkühe oder etwa 18 Prozent des Bestands von 2023. Überschlägig entspricht dies einem Rückgang um rund 2.000 bis 8.000 Milchviehbetriebe durchschnittlicher Größe. Die Auswirkungen wären allerdings regional unterschiedlich und würden bestehende Strukturveränderungen in der Landwirtschaft verstärken.
Für Molkereien und landwirtschaftliche Betriebe mit Schwerpunkt Milchwirtschaft stellt sich damit die Frage, wie sie auf veränderte Marktbedingungen reagieren können. Die Studie verweist auf Möglichkeiten für Molkereien, ihr Angebot weiterzuentwickeln und alternative Rohstoffe beziehungsweise Produktlinien einzubeziehen. Wie sich solche Ansätze wirtschaftlich bewähren, hängt jedoch von der Nachfrage, den Herstellungskosten und der weiteren Entwicklung der Technologien ab.
Die Ergebnisse dieser Studie sind als Szenarien und nicht als sichere Vorhersage zu verstehen. Zudem bezieht sich die Untersuchung auf den deutschen Milchmarkt. Wie sich die Entwicklungen auf Österreich auswirken könnten, lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Für die heimische Milchwirtschaft verdeutlicht die Studie aber, wie stark die künftige Marktentwicklung auch von Konsumverhalten, Exportmöglichkeiten und der Wettbewerbsfähigkeit der Milchverarbeitung abhängen kann. Deshalb zur anfänglichen Frage, ob die Milchwirtschaft unter Druck gerät: Laut dieser Analyse höchstwahrscheinlich schon. Dem stehen zahlreiche Publikationen gegenüber, welche einen weiter wachsenden Markt prognostizieren.
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