Arbeiter mit roten Handschuhen sortieren Süßkartoffeln auf einem Förderband, die in eine große Holzkiste fallen.

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Lebensmittel retten ist teuer, aber wichtig

Rund 1,2 Mio. Tonnen Lebensmittel landen hierzulade jährlich im Müll. Gleichzeitig sind beinahe 500.000 Menschen in Österreich von schwerer Ernährungsarmut und Ernährungsunsicherheit betroffen. Ein Ackerbauer spendet daher noch genießbare Lebensmittel an eine Initiative.

Zu groß, zu klein, zu hässlich, angedellt – Lebensmittel werden bei Ernte aussortiert. Jede Bäuerin und jeder Bauer kennt diese Situation, die eigentlich ein Dilemma ist. Denn aufgrund von Qualitätsrichtlinien und Vorgaben müssen vor allem Obst- und Gemüsebauern einen Teil der Produkte wegschmeißen, obwohl ein großer Teil noch genießbar wäre. Auch wenn viele Lebensmittel weiterverarbeitet werden, beispielsweise zu Apfelsaft oder -essig, passieren Abfälle. Zwar sind die privaten Haushalte mit 685.000 Tonnen die größten „Verschwender“, fallen dennoch knapp 170.000 Tonnen in der Landwirtschaft an.

 

Initiativen gegen Verschwendung

In Österreich gibt es bereits einige Organisationen, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzen. Eine davon ist die Plattform „Kostbar Markt“, die von den Geschwistern Cornelia und Andreas Diesenreiter gegründet wurde. Finanziert wird das Projekt vom Landwirtschaftsministerium mit dem Ziel zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung. Die Plattform funktioniert relativ einfach: Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb Lebensmittel spenden möchte, die nicht zur Vermarktung geeignet sind, aber noch genießbar wären, dann kann sich dieser an „Kostbar Markt“ werden und dort wird die Logistik dafür organisiert. Zeitgleich werden auch Sozialeinrichtungen gesucht, die diese Spende verwerten können. „Unser Ziel ist es, dass die Bäuerin oder der Bauer am wenigsten Aufwand für die Spende hat. Außerdem bieten wir eine Entschädigung an, wenn Produkte extra gewaschen und verpackt werden müssen“, erklärt Cornelia Diesenreiter.

 

Solidarischer Hintergrund

Ein Betrieb, der seit mittlerweile einem Jahr regelmäßig Lebensmittel an „Kostbar Markt“ spendet ist der Biohof Anzböck aus Zissersdorf in Niederösterreich. Christian Anzböck macht das vor allem aus einem solidarischen Gedanken: „Jeder Produzent möchte, dass seine Lebensmittel auch verwendet werden und bevor ich noch genießbare Produkte auf den Kompost haue, finde ich, ist es sinnvoller, diese an bedürftige Menschen zu spenden.“  Am Biohof werden auf 550 Hektar Erdäpfel, Zwiebeln, Süßkartoffeln und Rote Rüben angebaut, außerdem Winterweizen, Wintergerste und Leguminosen. Das alles wird an eine große Supermarktkette verkauft. Bei dieser riesigen Anbaufläche muss zwangsläufig ein großer Teil aussortiert werden, der für die Landwirtschaft keinen wirtschaftlichen Ertrag bringt. Davon profitiert allerdings in diesem Fall „Kostbar Markt“. „Natürlich ist das erste Ziel, die Lebensmittel zu vermarkten, aber in der Produktion entstehen nun mal Abfälle, die man nicht verkaufen kann“, weiß Anzböck.

 

 

17 Betriebe spenden

In Österreich zählt die Plattform 40 Unternehmen, die regelmäßig Lebensmittel spenden, 17 davon landwirtschaftliche Betriebe. Da der Bedarf an diesen Produkten riesig ist und auch nicht weniger wird, halten die Diesenreiters ihre Augen immer nach neuen Spendern offen. „Wir freuen uns über jede Art von Gaben, ganz egal, ob es zehn oder 400 Kilogramm sind“, sagt Andreas Diesenreiter. Aufgrund von der finanziellen Unterstützung vom Landwirtschaftsministerium kann den Betrieben eine Aufwandsentschädigung gewährleistet werden. Denn oftmals müssen die Lebensmittel vor der Abholung von den ungenießbaren Produkten entfernt, gereinigt und verpackt werden. Diese Schritte werden vielfach noch am Hof und von Menschenhand erledigt. Hier entstehen Kosten, für die die Plattform aufkommt. „Lebensmittel retten ist teuer, aber wichtig. Natürlich verstehen wir Bäuerinnen und Bauern, denen dieser Aufwand zu groß ist, trotzdem möchten wir motivieren“, so die Diesenreiters. Für die Spende bekommen die Betriebe kein gewinnbringendes Geld, lediglich die dafür anfallenden Kosten werden erstattet.

 

Jahrelange Erfahrung

Die Geschwister Cornelia und Andreas Diesenreiter haben bereits zehn Jahre Erfahrung in diesem Metier gesammelt. Sie gründeten andere bekannte Marken, wie „unverschwendet“ oder „rettenswert“ in Zusammenarbeit mit Handelsketten. Sie verarbeiten Lebensmittel und geben ihnen dadurch eine neue Chance, beispielsweise als Marmeladen oder Aufstriche. Dass diese Produkte oft mehr oder gleich viel wie „gute“ kosten, erklärt Andreas Diesenreiter so: „Da hinter diesem ‚Lebensmittel-retten-Prozess‘ ein so hoher Aufwand steckt, Stichwort Extrasortierung, kosten die Produkte einfach mehr oder gleich viel. Außerdem wird in einer viel geringeren Masse hergestellt.“ Dass solche Lebensmittel gefragt sind, zeigt die Nachfrage. Seit 2019 haben die Geschwister Diesenreiter rund drei Millionen Kilogramm Nahrungsmittel vor der Tonne gerettet. „Wir stehen noch ziemlich am Anfang, was das Potenzial betrifft, denn Lebensmittelrettung wird immer mehr zum Trend“, beobachten die beiden.

 

 

Eine übliche Bestellung

 

Für den Biohof Anzböck ist die Lebensmittelspende inzwischen ein routinierter Ablauf. Nach der Ernte werden die Kulturen am Betrieb sortiert, dann sieht Christian Anzböck, wie viel noch genießbare Ware weggeworfen werden müsste. Diese Menge meldet er an „Kostbar Markt“. Sobald der Bedarf bestätigt ist, werden etwa die Süßkartoffeln wie bei einer gewöhnlichen Lieferung vorbereitet und abgeholt.

Christian Anzböck denkt nicht ans Aufhören, im Gegenteil: Ihm ist es wichtig, seinen Beitrag zu leisten, und diese Haltung möchte er an seine Berufskolleginnen und -kollegen weitergeben.

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