Personen mit Weingläsern

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Österreichischer Weinbauverband: Stefan Kast wird neuer Geschäftsführer

Bei der Sitzung des Österreichischen Weinbauverbands wurde Stefan Kast zum neuen Geschäftsführer bestellt. Weitere wichtige Themen waren die Weinernte 2026, das neue österreichische Weingesetz, die Amerikanische Rebzikade, Erzeugervereinigungen und die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus.

Mit dieser frühzeitigen und geordneten Übergabe stellen wir die Kontinuität in der Interessenvertretung sicher und schaffen gleichzeitig die Grundlage für eine gute Weiterentwicklung des Österreichischen Weinbauverbands“, betont Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes.  Josef Glatt bleibt bis zu seinem Pensionsantritt Ende Oktober als Direktor und Geschäftsführer voll verantwortlich und wird gemeinsam mit Stefan Kast die Geschäfte führen. Mit 1. November übernimmt Kast die alleinige Geschäftsführung und die Funktion des Weinbaudirektors.

Kleine Weinernte erwartet

Die beispiellose Trockenheit des heurigen Jahres hat auch den Weinbau massiv getroffen. Die Beeren sind überwiegend sehr klein. Besonders bei Junganlagen sind Notreife und teilweise welke Beeren zu beobachten, berichtet der Weinbauverband. Aus derzeitiger Sicht sei daher eine sehr kleine Weinernte zu erwarten, wobei seriöse Mengenschätzungen derzeit noch nicht möglich seien.

Laut dem Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg hätten ausreichende Regenmengen auch jetzt noch sehr positive Auswirkungen. Die Zucker- und Säurewerte würden sich dadurch stabilisieren und die Beeren würden saftiger werden. Auch die Reben würden eine Linderung der Stresssymptome spüren und die Holzreife der Rebstöcke für das Folgejahr könnte sich besser entwickeln.

Neues Weingesetz: Herkunft und Wettbewerbsfähigkeit müssen im Mittelpunkt stehen

Breiten Raum nahm in der Vorstandssitzung die Diskussion über das neue österreichische Weingesetz ein. Der Österreichische Weinbauverband bekennt sich zu einer Modernisierung und Anpassung an die unionsrechtlichen Vorgaben. Entscheidend sei jedoch, dass das neue Gesetz die Herkunft und Qualität österreichischer Weine absichert, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärkt und zusätzliche Bürokratie vermeidet.

Besondere Bedeutung misst der Verband der Weiterentwicklung des österreichischen Herkunftssystems und der künftigen Rolle der Erzeugervereinigungen bei. „Diese sollen als demokratisch legitimierte Träger der Herkunfts- und Qualitätsdefinition eine starke Position erhalten. Gleichzeitig müssen bestehende Strukturen in Form der Weinbauvereine sinnvoll eingebunden, praxistaugliche Übergangsfristen geschaffen und die Finanzierung der neuen Aufgaben sichergestellt werden“, betont man bei der Interessenvertrertung.

Goldgelbe Vergilbung: Österreichweit koordiniertes Vorgehen notwendig

Große Sorge bereitet dem Vorstand die weitere Entwicklung der Goldgelben Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée) – eine meldepflichtige Quarantänekrankheit – und die sie übertragende Amerikanischen Rebzikade. Der Österreichische Weinbauverband fordert ein österreichweit abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern, Behörden, Wissenschaft, Beratung und Weinwirtschaft. Ziele müssen ein einheitliches Lagebild sowie eine koordinierte Vorgangsweise bei Monitoring, Probenahme, Vektorbekämpfung, Rodungen, Pflanzmaterial und Finanzierung sein.

Der Verband spricht sich für die Einrichtung eines nationalen Krisenstabes zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung und der Amerikanischen Rebzikade aus. Die behördliche Gesamtverantwortung soll beim Bund liegen, während BAES und AGES die fachliche Steuerung übernehmen. Der Österreichische Weinbauverband soll als zentrale Schnittstelle zur Praxis insbesondere die Branchenkoordination und Kommunikation mit den Weinbaubetrieben übernehmen.

Weinbau schafft 3,8 Milliarden Euro Wertschöpfung

Neben den aktuellen Herausforderungen verwies der Vorstand auch auf die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung des österreichischen Weinbaus. Die von Economica im Auftrag der Österreich Wein Marketing erstellte Wertschöpfungsstudie zeigt, dass die österreichische Weinwirtschaft jährlich rund 3,8 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, mehr als 68.000 Arbeitsplätze sowie rund 1,2 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben sichert.

„Wer den österreichischen Weinbau stärkt, stärkt nicht nur unsere Betriebe. Unsere Branche ist das Fundament für ganze Regionen, Arbeitsplätze, Tourismus und regionale Wertschöpfung. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss uns bewusst sein, welche Bedeutung eine wettbewerbsfähige Weinwirtschaft für Österreich hat“, verdeutlicht Schmuckenschlager.

Marktlage: Krisendestillation als mögliche Maßnahme prüfen

Angesichts des rückläufigen Konsums, steigender Produktionskosten, einer schwächeren Exportdynamik und teilweise hoher Lagerbestände befasste sich der Vorstand gestern Mittwoch bei seiner Sitzung im Martinsschlössl in Donnerskirchen auch mit möglichen Instrumenten zur Stabilisierung des Weinmarktes. Anlass ist unter anderem die von Deutschland angestrebte außerordentliche Krisendestillation für das kommende Weinwirtschaftsjahr. Der deutsche Antrag zeigt, dass bei nachweisbaren außergewöhnlichen Marktstörungen zielgerichtete europäische Krisenmaßnahmen grundsätzlich möglich sind.

Der Österreichische Weinbauverband fordert daher, dass gemeinsam mit dem zuständigen Bundesministerium die österreichische Marktlage anhand belastbarer Daten zu Lagerbeständen, Preis-, Absatz- und Exportentwicklung sowie zur wirtschaftlichen Situation der Betriebe analysiert wird. Darauf aufbauend sollen die Voraussetzungen und Auswirkungen einer möglichen österreichischen Antragstellung geprüft werden.

Goldgelbe Vergilbung der Rebe erstmals in Niederösterreich nachgewiesen

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