Samo Login und Đura Karagić

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Biolandwirtschaft Serbien: 3.700 Hektar viehlos, geht das?

In der serbischen Vojvodina bewirtschaftet LoginEKO knapp 3.300 Hektar Acker nach Bio-Richtlinien. Das Besondere: Der Betrieb verzichtet trotz Hitze und schwerer Böden komplett auf tierischen Dünger.

Es ist ein heißer, trockener Tag in der Vojvodina, der fruchtbaren Ebene im Norden Serbiens. Der Betrieb Login-EKO liegt in einer semi-ariden Zone, die sich in den vergangenen fünf Jahren bereits um zwei Grad Celsius erwärmt hat. Bei nur rund 430 Millimetern Jahresniederschlag und schweren, rissigen Tonböden nahe der rumänischen und ungarischen Grenze ist die Bewirtschaftung ein Drahtseilakt. Dennoch hat sich der Betrieb – der nebenbei 490 Hektar als unangetastete Biodiversitätsflächen belässt – einem ehrgeizigen Ziel verschrieben: dem großflächigen biologischen Ackerbau ohne den Zukauf von Mist oder Gülle.

Der Motor: Eine fünfgliedrige Fruchtfolge

Die treibende Kraft hinter dem Agrarkonzept ist der Slowene Samo Login, der ein nachhaltiges, großflächiges Anbausystem für menschliche Nahrungsmittel entwickeln wollte. Und sein wichtigstes Credo lautet: Open Source. Alle agronomischen Erkenntnisse, jede entwickelte Farm-Management-Software und alle Daten werden der Öffentlichkeit und anderen Landwirten kostenlos zur Verfügung gestellt. Für Samo Login geht es am Ende nicht nur um Ökologie, sondern knallhart um die Praxistauglichkeit: „Wir wollen beweisen, dass unser Modell profitabel ist. Neben der ökologischen Nachhaltigkeit wollen wir auch die ökonomische Nachhaltigkeit beweisen.“ Ein ambitionierter Stresstest für die Landwirtschaft der Zukunft.

Wie versorgt man 3.300 Hektar ohne Viehhaltung mit Stickstoff? Agronom Đura Karagić hat gemeinsam mit acht Forschungsagronomen und 27 Feldmitarbeitern ein System entwickelt, das den klassischen Bio-Ackerbau neu denkt. „Die Leguminosen sind das Fundament unseres Erfolgs“, erklärt Karagić. Anstatt zehntausende Tonnen organischen Dünger aufwendig heranzukarren – was logistisch und emissionsmäßig nicht tragbar wäre – wird der Stickstoff biologisch am Feld fixiert.

Wir wollen beweisen, dass unser Modell profitabel ist.

Samo Login

Der Betrieb setzt auf komplexe, fünfjährige Fruchtfolgen. Dabei wechseln sich Kulturen wie Wintererbsen oder Kichererbsen mit Nährstoffverbrauchern wie Weizen, Hafer oder Öllein ab. Um Sommerdürren aus dem Weg zu gehen, bestehen die Fruchtfolgen zu 70 Prozent aus winterharten Kulturen. Eine tiefwurzelnde Kultur wie die Sonnenblume bildet oft den Abschluss der Fruchtfolge, da sie die verbliebenen Stickstoffreste aus tieferen Bodenschichten optimal nutzen kann. Um die Stickstofffixierung zusätzlich zu pushen, wird das Saatgut der Kichererbsen vor der Aussaat mit speziellen Knöllchenbakterien inokuliert. Auf Kulturen, die immense Stickstoffmengen benötigen (wie etwa Mais), wird bewusst verzichtet. „Wir produzieren lieber etwas weniger Tonnage pro Hektar, entziehen dem Boden dadurch aber auch weniger Stickstoff und generieren über Spezialkulturen trotzdem höhere Einnahmen“, so Karagić.

Strategische Bodenbearbeitung gegen Trockenheit

Auf den schweren Tonböden (bis zu 80 % Gesamt-Tonanteil) ist das Zeitfenster für die Bearbeitung extrem kurz. Ist der Boden nass, ist er strukturlos; ist er trocken, reißt er tief auf. LoginEKO setzt daher auf ein strategisches Bodenbearbeitungssystem.

Der Pflug kommt nur noch sehr gezielt einmal in fünf Jahren zum Einsatz. Ansonsten dominieren flache Bearbeitung und der Einsatz von Tiefenlockerern. „Die Tiefenlockerer brechen Verdichtungen auf und bringen Sauerstoff in den Boden, ohne die Bodenschichten komplett zu wenden“, erklärt der Agrarexperte. In Kombination mit dem konsequenten Belassen aller Ernterückstände auf dem Feld hilft das, die Bodenfeuchtigkeit in den immer heißer werdenden Sommern besser zu halten.

Wir produzieren lieber etwas weniger Tonnage pro Hektar und generieren über Spezialkulturen höhere Einnahmen.

Đura KaragiC

Auf künstliche Bewässerung wird beim Getreide ganz bewusst verzichtet: Sie wäre angesichts steigender Energiekosten bei klassischen Ackerkulturen schlicht unrentabel.

Die „süße agronomische Rache“ am Unkraut

Die größte Sorge vieler Bio-Einsteiger – der Unkrautdruck – wird bei LoginEKO mit modernster Technik und intelligentem Timing bekämpft. Slobodan Barački, Standortleiter für die nördlichen Flächen, gewährt Einblicke in den Hightech-Maschinenpark. Hier stehen kameragesteuerte Hackgeräte und Rotationshacken für das Blindstriegeln bereit.

Der Schlüssel liegt im frühen Einschreiten: „Wir müssen unserer Hauptkultur in den ersten 40 bis 60 Tagen einen klaren Vorsprung verschaffen. Unkräuter, die danach auflaufen, kosten uns kaum noch Ertrag“, so Barački. Bei Sonnenblumen ist dieses kritische Fenster sogar nur 40 Tage lang.

Ein besonders effektives Element ist am Heck der Mähdrescher montiert: sogenannte „Seed Terminator“-Mühlen. Sie pulverisieren das gesamte Material, das den Drescher verlässt, mit extrem hohen Drehzahlen. „Jeder Unkrautsamen wird mechanisch zerstört und verliert seine Keimfähigkeit“, erklärt das Team. Agronom Karagić nennt das die „süße agronomische Rache“: „Anstatt Unkrautsamen fürs nächste Jahr auszusäen, verwandeln wir die organische Masse des Unkrauts in Dünger.“

Daten statt Bauchgefühl

Jeder Schritt auf dem Feld wird minutiös geplant und überwacht. 14 Wetterstationen liefern mikroklimatische Daten. Mithilfe von Satelliten- und Drohnendaten (NDVI-Indizes), Ertragskartierungen der Mähdrescher und Geländemodellen werden die Felder in Managementzonen unterteilt. Dies ermöglicht gezielte Bodenprobennahmen und die teilflächenspezifische Ausbringung von Phosphor (in Form von feingemahlenem Rohphosphat), dem einzigen Nährstoff, der extern zugeführt wird.

Der Aufwand macht sich bezahlt. Besonders beim Qualitätsweizen beweist das System seine Leistungsfähigkeit: Durch ausgiebige Sortenversuche (über 27 getestete Varianten) wurden Weizensorten identifiziert, die selbst unter den Bedingungen des semi-ariden Bio-Ackerbaus konstant Proteinwerte von 13,5 Prozent liefern.

Der Betrieb in Serbien zeigt, dass viehloser, biologischer Ackerbau im Großformat funktioniert. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der präzisen Verzahnung von angepasster Fruchtfolge, strategischer Bodenbearbeitung und konsequenter Datennutzung.

Winterharter Öllein: Um der extremen Sommerdürre zu entgehen, bestehen die Fruchtfolgen des Betriebs zu 70 Prozent aus Winterungen.

Öllein

Wichtige Bausteine in der Fruchtfolge: Leguminosen wie die Kichererbse (im Bild) sind der Motor des viehlosen Nährstoffmanagements bei LoginEKO.

Kichererbsen

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