Mit einer österreichweiten Rapsanbaufläche von knapp über 21.000 Hektar konnte der seit Jahren andauernde Abwärtstrend heuer gestoppt werden. Niederösterreichische Landwirte setzten im gleichen Ausmaß wie im Vorjahr auf diese interessante Fruchtfolgekultur. Auf guten Böden mit entsprechendem Wasserspeicherungspotenzial konnten die tiefwurzelnden Rapspflanzen gute Erträge erzielen.
In diesem Artikel erfahren Sie, welche erfolgreich geprüften und welche bereits etablierten Rapssorten für den diesjährigen Anbau zur Verfügung stehen.
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Die Spätfröste der Saison 2025/26 hinterließen Spuren in den Beständen.
Schädlinge von Anfang an im Blick behalten
Mit guten Aussaatbedingungen in fast allen Anbaugebieten startete die Rapssaison 2025/26 sehr vielversprechend. Wie üblich galt es, schon kurz nach dem Auflaufen der Keimlinge das Auftreten der typischen Schadinsekten im Blick zu haben. Die charakteristischen Lochfraßschäden des Rapserdflohs an den Blättern junger Rapspflanzen zählen zu den ersten Schadbildern, mit denen Landwirtinnen und Landwirte nach dem Anbau konfrontiert werden. Die Käfer, die im Juni und Juli schlüpfen, wandern im Herbst in die neu angesäten Bestände ein. Nach dem Reifungsfraß legen die Weibchen ihre Eier in Bodennähe rund um die Rapspflanzen ab. Die Eiablage kann sich dabei bis ins Frühjahr erstrecken.
Nach dem Schlupf bohren sich die Larven in die Blattstiele ein und fressen sich weiter in Richtung Stängel vor. Erreichen sie dabei den Vegetationskegel, kann das Pflanzenwachstum erheblich beeinträchtigt werden, bis hin zum Verkümmern der Pflanzen. Sichtbar werden diese Schäden spätestens während des Schossens bzw. Aufstängelns.
Kurze Kältephasen während des Winters führten zu keinen größeren Schäden in den Rapsbeständen. Das Niederschlagsdefizit, das ab Dezember herrschte und nur durch einen feuchten Februar unterbrochen wurde, war auf Standorten mit leichten Böden schon an dem niedrigen Wuchs der Pflanzen zu erkennen. Mehrere Frostnächte während der Blüte setzten vielen Beständen im Waldviertel so stark zu, dass sich die betroffenen Landwirte zum Umbruch entschieden haben. Eine erfolgreiche Bekämpfung von Schädlingen war außerdem durch die verringerte Wirkung der Pflanzenschutzmittel bei tiefen Temperaturen erschwert.
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Auf Bohrlöcher in Bodennähe ist in den Beständen unbedingt zu achten.
Rapsglanzkäfer und Kohlschotenrüssler
Eine andere Ursache für die fehlende Schotenbildung kann ein Befall des Rapsglanzkäfers sein. Ab einer Lufttemperatur von etwa 15 Grad Celsius wandern die Käfer von den Feldrändern in die Bestände ein. Während sie an geöffneten Blüten kaum wirtschaftlich relevante Verluste verursachen, richten sie an den noch geschlossenen Knospen erhebliche Schäden an. Die Käfer bohren die Knospen an, um ihre Eier abzulegen und den eiweißreichen Blütenstaub zu erreichen. Dadurch werden die Blütenanlagen zerstört und können sich nicht mehr zu Schoten entwickeln.
Typisch für einen Befall durch den Rapsglanzkäfer ist, dass nach dem Abfallen der geschädigten Knospen ein gut ausgebildeter Blütenstiel zurückbleibt. Im Gegensatz dazu trocknen bei der Knospenwelke sowohl die Knospe als auch der dazugehörige Stiel ein. Nach drei bis vier Wochen verlassen die Larven die Blüten und verpuppen sich im Boden. Die neu geschlüpften Käfer durchlaufen anschließend einen Reifungsfraß und suchen gegen Ende August ihre Winterquartiere auf.
Heuer trat auch der Kohlschotenrüssler verstärkt auf. Die Weibchen legen ihre Eier in junge Rapsschoten ab, wo die Larven einige Körner fressen, bevor sie sich im Boden verpuppen. Die beim Verlassen der Schoten entstehenden Bohrlöcher können Qualitätsverluste begünstigen, wirtschaftlich bleiben die Schäden jedoch meist gering.
Deutlich problematischer wird der Befall in Kombination mit der Kohlschotenmücke. Diese nutzt die vom Kohlschotenrüssler verursachten Öffnungen zur Eiablage in den Schoten.
Die Larven schädigen die Schoten durch ihre Saugtätigkeit, was zu vorzeitigem Vergilben und Aufplatzen führen kann. Dadurch sind erhebliche Ertragsverluste möglich. Während der Kohlschotenrüssler nur eine Generation pro Jahr bildet, können bei der Kohlschotenmücke mehrere Generationen auftreten, wobei im Winterraps vor allem die erste Generation schadensträchtig ist.
Mit dem Großen Rapsstängelrüssler und dem Gefleckten Kohltriebrüssler sind zwei Arten von Rüsselkäfern aktiv gewesen. Von der Eiablagestelle fressen sich die Larven durch das Stängelmark. Während sich bei einem Befall durch den Rapsstängelrüssler die Stängel verformen, bleibt dieser bei einer Schädigung durch Larven des Kohltriebrüsslers relativ gerade.
Sclerotinia konnte heuer an manchen Standorten schädigen. Mit entsprechenden Maßnahmen, wie einer passenden Fruchtfolge und optimaler Kulturführung, kann ein Auftreten dieser Krankheit in den Folgejahren jedoch gut unterdrückt werden.
Aktuelle Informationen zum Auftreten von Schädlingen und Krankheiten sowie zu den geltenden Schadschwellen bietet der Warndienst der LK unter warndienst.lko.at. Hinweise zur sachgerechten Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind auf der Website des Bundesamtes für Ernährungssicherheit unter baes.gv.at zu finden.
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Die Larve des Kohltriebrüsslers frisst sich durch das Stängelmark.
Drei neue Hybridsorten stehen zur Verfügung
Im Dezember wurden vom Bundesamt für Ernährungssicherheit mit LG Adapt, LG Avenger, Travolta und RGT Pozznan vier neue Sorten zugelassen. Von den Sorten LG Adapt, LG Avenger und RGT Pozznan steht Saatgut für den heurigen Anbau zur Verfügung.
LG Adapt überzeugt durch ein sehr hohes Korn- und Ölertragspotenzial und eignet sich besonders für trockene Anbauregionen. Der gering für Phoma anfällige Bestand zeichnet sich durch sehr hohen Wuchs bei mittlerer Lagerneigung aus. Geringe Glucosinolatgehalte tragen zur Qualität der Ernte bei, die Tausendkornmasse (TKM) ist mittel ausgeprägt.
Ganz ähnliche Ausprägungen besitzt die Sorte LG Avenger. Mit sehr hohem Korn- und Ölertragspotenzial ist auch sie gut für Trockengebiete geeignet. Bei ebenfalls sehr hohem Wuchs sind die sehr niedrigen Glucosinolatwerte vereint mit mittlerer Tausendkornmasse hervorzuheben.
Ebenfalls sehr hohe Erträge sind mit RGT Pozznan in trockenen und feuchten Gebieten möglich. Durch den hohen Wuchstyp ist auch die Lagerneigung etwas höher. Phoma kann ihn, bei mittelspäter Reife, etwas stärker infizieren.
Die zukünftige Vermarktung von Travolta ist noch fraglich, auch wenn er ein sehr hohes Ertragspotenzial besitzt. Trotz des mittelhohen Wuchses neigt er, bei etwas langsamere Frühjahrsentwicklung, nur sehr gering bis gering zu Lager.
Bewährte Hybride
Der seit 2017 zugelassene Architect zeigt geringe Auswinterungsschäden bei mittlerer Krankheitstoleranz. Trotz hohem Wuchs neigt er nur gering zu Lager. Bei hohen Kornerträgen sind die Qualitätsmerkmale im mittleren Bereich.
Artemis überzeugt durch hohe Ölgehalte und einen hohen bis sehr hohen Ölertrag. Bei mittlerer Frühjahrsentwicklung und Reifezeit neigt er zu hohem Wuchs. Die Anfälligkeit für Sclerotinia ist gering, jene für Phoma mittel. Bei mittelhoher Tausendkornmasse ist der Glucosinolatwert mittel ausgeprägt.
Der hohe Wuchs von DK Exaura ist mit mittlerer Lagerneigung kombiniert. Die Anfälligkeit für Krankheiten ist eher gering. Bei mittlerer Frühjahrsentwicklung reift er spät ab. Hohe bis sehr hohe Ölgehalte vereint er mit sehr hohem Ertragspotenzial. Seine Tausendkornmasse ist niedrig bei mittlerem Glucosinolatgehalt.
DK Excited ist eine mittelspätreifende Sorte mit hohem bis sehr hohem Ertragspotenzial, sowohl im Trocken- als auch im Feuchtgebiet. Der Ölgehalt ist ebenso hoch ausgeprägt. Die Frühjahrsentwicklung und die Standfestigkeit sind mittel. Sclerotinia schädigt ihn kaum, gegenüber Phoma ist er mittel anfällig. Seine geringe Tausendkornmasse ist zu beachten.
LG Aphrodite hat eine mittlere Frühjahrsentwicklung und Reifezeit. Sclerotinia wird gut abgewehrt, für Phoma besteht eine mittlere Anfälligkeit. Der hohe Kornertrag wird mit mittelhohem Ölgehalt kombiniert, was zu sehr hohen Ölerträgen führt. Durch einen niedrigen Glucosinolatgehalt ist auch die Verwendung der Pressrückstände attraktiv.
Der mittelspätreifende LG Apollonia überzeugt vor allem im Trockengebiet. Mit mittelfrühem Blühbeginn und mittelspäter Reife ist er trotz höherem Wuchs standfest. Außerdem besitzt er gute Abwehrfähigkeiten gegenüber Krankheiten und er hat einen sehr niedrigen Glucosinolatgehalt.
Ebenso gut eignet sich LG Auckland für trockenere Lagen. Bei später Reifezeit werden Krankheiten von ihm mittelgut abgewehrt. Mit hohem bis sehr hohem Ölertragspotenzial und mittelhoher Tausendkornmasse überzeugt er auch bei den anderen Qualitätsmerkmalen. Durch den hohen Wuchs neigt er im Vergleich zu anderen Sorten stärker zu Lager.
Mit LG Austin steht eine weitere Sorte mit hohem bis sehr hohem Ölertrag zur Auswahl. Im Sortiment zählt er zu den etwas früheren Sorten. Durch den hohen Wuchs und die mittelhohe Lagerneigung ist auf eine gute Bestandsführung zu achten, um die Stängel gesund zu halten und so einem lagernden Bestand vorzubeugen. Der hohe Ölgehalt und die mittlere Tausendkornmasse zeichnen ihn aus.
Ebenfalls von höherem Wuchs ist Blackmoon. Er reift etwas später und hat eine mittlere Krankheitsanfälligkeit. Seine Kornerträge sind hoch. Die mittlere Tausendkornmasse und der mittelhohe Ölgehalt, gepaart mit niedrigem Glucosinolatgehalt, ergeben ansprechende Werte bei den Qualitätseinstufungen.
Halbzwerg-Hybridsorten
2021 wurden die letzten Versuche mit Halbzwerghybriden im Zuge der Sortenwertprüfung durchgeführt. Momentan ist mit PX131 auch nur mehr eine Sorte in Österreich gelistet.
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Liniensorten
Nur noch von geringer Bedeutung für Landwirte sind die im Vergleich zu den Hybridsorten im Ertrag schwächeren Liniensorten. Die letzte Zulassung passierte im Jahr 2018. Jeremy bringt den höchsten Kornertrag bei sonst sehr ausgeglichenen Ausprägungswerten. Mit Randy ist eine weitere Sorte erhältlich. Diese zeichnet sich durch eine rasche Frühjahrsentwicklung aus und ist auch für biologisch wirtschaftende Betriebe verfügbar. Außerdem sind die EU-Sorten Wally und Frity verfügbar.
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Änderungen im Zulassungsverfahren
Trotz hoher Produktionskosten bleibt Raps für viele Betriebe ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge. Vor allem bei attraktiven Marktpreisen bietet die Kultur wirtschaftliches Potenzial und gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
Da es ab der heurigen Zulassung nur mehr zweier Prüfjahre bedarf, wäre es bei entsprechenden Ergebnissen möglich, dass im Dezember eine größere Anzahl an Sorten der Zulassungskommission vorgelegt wird.
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