Nach der Einigung von Union und SPD zur Zuckersteuer hat das Bundeskabinett den entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht. Ab dem 1. Juli 2027 soll ein Zwei-Stufen-Modell gelten, also je nach Zuckergehalt der Getränke. Für Produkte mit mindestens fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter sind 26 Cent pro Liter vorgesehen, ab acht Gramm sollen 32 Cent pro Liter anfallen. Betroffen sein sollen unter anderem Limonaden, Energydrinks, Fruchtnektare und Sirupe. Ausgenommen bleiben alkoholhaltige Getränke wie Wein und Bier sowie deren alkoholfreie Alternativen. Auch Milch, Hafer- und Reisdrinks sowie reine Fruchtsäfte sollen nicht besteuert werden. Andere Süßungsmittel fallen ebenfalls nicht unter die Regelung.
Kleinere Getränkehersteller mit einer jährlichen Abfüllmenge von maximal 70.000 Litern sollen von der Steuer ausgenommen werden. Eine weitere Grenze von einer Million Litern jährlich soll auf EU-Ebene geprüft werden. Das Bundesfinanzministerium rechnet für das erste Halbjahr nach Inkrafttreten mit Einnahmen von 690 Millionen Euro. Für 2028 werden rund 925 Millionen Euro erwartet. Befürworter sehen in der Abgabe einen Anreiz für Getränkehersteller, den Zuckergehalt ihrer Rezepturen zu reduzieren.
Agrarvertreter warnen vor wirtschaftlichen Folgen
Gegen die Pläne hatten sich neun Agrarministerinnen und -minister von CDU und CSU in einem gemeinsamen Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz, Kanzleramtschefin Nina Warken und Unionsfraktionschef Thorsten Frei ausgesprochen. Sie plädieren in der Ernährungspolitik für Freiwilligkeit, Anreize und Eigenverantwortung statt zusätzlicher staatlicher Eingriffe. Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) fordert, die Pläne zurückzuziehen. Präsident Joachim Rukwied warnte vor einer Schwächung der gesamten Wertschöpfungskette. Die Steuer könne zusätzliche Bürokratie verursachen, Umstellungen in der Produktion erzwingen und zu sinkenden Erlösen für landwirtschaftliche Betriebe führen. Lebensmittel dürften nicht durch zusätzliche Abgaben künstlich verteuert werden, argumentierte Rukwied.
Die Unionsagrarminister verwiesen zudem auf die bereits erzielten Fortschritte bei der Zuckerreduktion. Im Rahmen der nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten habe die Lebensmittelwirtschaft ihre Rezepturen angepasst. Ersten Ergebnissen zufolge enthielten Erfrischungsgetränke 2025 im Vergleich zum Basisjahr 2018 durchschnittlich knapp 15 Prozent weniger Zucker. Die für Ende 2026 vorgesehene Gesamtbilanz der Strategie solle daher noch abgewartet werden.
SPD sieht Beitrag zu gesünderer Ernährung
Die SPD unterstützt die Einführung der Zuckersteuer. Die Ernährungspolitikerin Svenja Stadler sieht darin ein Instrument, um die Gesundheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Die nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe solle Getränkehersteller dazu bewegen, den Zuckeranteil ihrer Produkte weiter zu senken.
Die grundsätzliche Kritik aus der Agrar- und Ernährungsbranche hat an den Plänen der Bundesregierung bislang nichts geändert.
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