Darum ist Irland ein Exportland: Wie Grünland, Rinder und Weltmarkt zusammenspielen

Viel Weide, viele Rinder, wenig Ackerbau. Irland trägt seinen Beinamen „grüne Insel“ nicht umsonst. Wie es den irischen Farmern gelingt, nicht nur bei Milch, sondern auch beim Fleisch zu reüssieren. Ein Blick hinter die Kulissen.

Mehrere Rinder mit gelben Ohrmarken auf einer grünen Weide, darunter weiße, schwarze und braune Tiere, bewölkter Himmel.

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Rindfleisch gehört zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Exportprodukten Irlands. Der Grund ist einfach: Die irische Landwirtschaft produziert – nicht zuletzt aufgrund der klimatischen Vorteile – deutlich mehr Rindfleisch, als der heimische Markt aufnehmen kann.

Rund 90 Prozent der Produktion werden exportiert. 2025 erreichten die Rindfleischexporte einen Wert von mehr als 3,4 Mrd. Euro, bei einer Ausfuhr von rund 474.000 Tonnen. Die Menge lag damit unter dem langjährigen Durchschnitt, der Wert stieg jedoch deutlich, und das vor allem aufgrund der weltweit höheren Preise. Auch der Handel mit Zucht- und Schlachtvieh ist bedeutend. 2025 wurden rund 380.000 Rinder und andere Nutztiere exportiert, deren Wert lag bei rund 480 Mio. Euro. Damit ist der Export kein zusätzlicher Absatzweg, sondern eine Grundvoraussetzung für den irischen Rindersektor. Fällt ein Markt weg oder verändern sich Preise und Nachfrage, wirkt sich das unmittelbar auf die Betriebe aus.

Das Vereinigte Königreich ist der wichtigste Kunde

Der wichtigste Abnehmer liegt direkt vor der Haustür: das Vereinigte Königreich. Daneben spielen vor allem Frankreich, die Niederlande, Italien und Deutschland eine große Rolle. Irisches Rindfleisch wird aber auch in zahlreiche Drittstaaten verkauft. Diese internationale Ausrichtung erklärt auch, warum die Vermarktung in Irland einen so hohen Stellenwert hat. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Lebensmittelamt Bord Bia, das „Irish Food Board“.

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Joe Burke ist Leiter des Bereichs Rindfleisch und Viehzucht bei Bord Bia

Die staatliche Organisation soll irische Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte international vermarkten, Märkte analysieren und Kontakte zwischen irischen Produzenten und Kunden auf der ganzen Welt herstellen. Auch Qualitätssicherung und Marktinformationen gehören zu den Aufgaben.

Fokus auf „Beef on Dairy“

Eine Besonderheit des irischen Rindfleischsektors liegt in seiner engen Verbindung mit der Milchproduktion. Während früher ein größerer Anteil der Mastrinder aus der Mutterkuhhaltung stammte, kommt heute der überwiegende Teil aus der Milchviehhaltung. Laut offiziellen Daten machten die sogenannten „Dairy-Beef-Tiere“ 2025 bereits 62 Prozent der geschlachteten Rinder aus.

Hintergrund ist das Wachstum der irischen Milchviehhaltung. Seit 2015 ist die Zahl der Milchkühe deutlich gestiegen. Gleichzeitig ist allerdings die Bedeutung der Mutterkuhhaltung zurückgegangen. Für die Milchviehbetriebe bedeutet das eine zusätzliche Möglichkeit, aus der Kälberproduktion Wert zu schöpfen. Dazu wird gezielt mit Fleischrindersamen besamt. Ähnlich wie hierzulande kommt vermehrt gesextes Sperma zum Einsatz, um wahlweise die Remontierung zu gewährleisten oder Einsteller zu erzeugen. Im Vorjahr waren bereits 63 Prozent der irischen Kälber Kreuzungen aus Milchrassen und fleischbetonten Vererbern.

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Vielerorts in Irland liefern Milchkühe auch das Rindfleisch.

Gras ist Irlands wichtigste Ressource

Der entscheidende Unterschied zur Rindermast am EU-Festland liegt im vollen Fokus auf die Weide. Irland verfügt aufgrund seiner klimatischen Bedingungen über eine lange Vegetationsperiode. Laut der staatlichen Einrichtung für Forschung, Beratung und Ausbildung in Land- und Lebensmittelwirtschaft, Teagasc, funktioniert die irische Rinderhaltung überwiegend grasbasiert. Je nach Produktionssystem können 80 bis 90 Prozent des Futters aus dem Grünland stammen. Das Ziel ist klar: möglichst viel hochwertiges Gras über Wiederkäuer zu veredeln.

Die meisten Kälber kommen deshalb im Frühjahr zur Welt - vor allem zwischen Februar und April. Damit fällt die Zeit der höchsten Nährstoffansprüche der Tiere mit dem Beginn der Vegetationsperiode zusammen. Erst im Herbst und Winter kommen sie in vielen Regionen für einige wenige Monate in den Stall. Wie lange die Stallperiode dauert, hängt unter anderem vom Bodenzustand und der Witterung ab. Üblich sind 250 bis 290 Weidetage.

Kleine Betriebe, viele unterschiedliche Systeme

Zwischen den Produktionsverfahren herrschen aber durchaus Unterschiede. In der (rückläufigen) Mutterkuhhaltung werden Kälber typischerweise mit sieben bis acht Monaten abgesetzt und als Einsteller vermarktet. Bei „Dairy-Beef-Systemen“ hingegen werden Kälber aus Milchviehbetrieben aufgezogen und anschließend bis zur Schlachtreife gemästet. Je nach Tier, Genetik und Betriebssystem erfolgt die Endmast weidebasiert oder mit Zufütterung samt Kraftfutter.

Auch das Schlachtalter ist je nach Mastverfahren unterschiedlich. In den im Gespräch mit Teagasc präsentierten Durchschnittswerten lagen Kalbinnen bei 26 Monaten, Ochsen bei 27 Monaten und Stiere bei 19 Monaten. Irland ist dabei nicht ausschließlich von großen spezialisierten Rinderfarmen geprägt. In der Mutterkuhhaltung bestehen auch noch kleinere Strukturen. Eine typische Mutterkuhherde wird mit etwa 15 Kühen beschrieben. In diesen Fällen stellt dann die Rinderhaltung nur ein Standbein dar oder wird im Nebenerwerb geführt. Besonders beliebt ist die Rasse Angus. Durch die reine Grasfütterung und viel Bewegung hat deren Fleisch eine feine Marmorierung und einen besonderen Geschmack. Auf dem weltweiten Markt spielt deshalb das irische „Angus- Beef“ eine bedeutende Rolle.

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Vor allem die Angus Rinder haben in Irland eine große Bedeutung und deren Fleisch wird international exportiert.

Zucht als wichtiges Werkzeug für Effizienz

Besonders stolz sind die Iren auch auf ihre Zuchtarbeit nach neuesten Standards. Auch der irische Rinderzuchtverband (ICBF) erhebt und nutzt mittlerweile Genotypisierung. Die genomische Selektion wird sowohl in der Milch- als auch in der Fleischrinderzucht eingesetzt. Dabei geht es nicht nur um Leistungs- oder Fitnessmerkmale, sondern auch die Umweltwirkung rückt in den Fokus. Irland arbeitet an Zuchtwerten für Methanemissionen und untersucht, warum sich Tiere bei vergleichbarer Leistung hinsichtlich ihrer Methanproduktion unterscheiden. Teagasc-Forschungen zeigten beispielsweise Unterschiede von bis zu 30 Prozent bei den Methanemissionen von Rindern mit vergleichbarer Leistung.

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David Kenny ist Leiter der Abteilung für Tier- und Biowissenschaften bei Teagasc

Klimaschutz als Hemmnis?

Denn die Rinderhaltung bringt für Irland auch eine Herausforderung mit sich: Landwirtschaft hat einen hohen Anteil an den nationalen Treibhausgasemissionen. Laut Teagasc entfielen 2022 rund 37 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen auf die Landwirtschaft. Methan aus der Wiederkäuerhaltung ist dabei ein wesentlicher Faktor.

Deshalb untersucht Teagasc verschiedene Stellschrauben. Dazu zählen, neben der Zucht, eine optimierte Grünlandbewirtschaftung, höhere Futtereffizienz, eine Verkürzung der Mast und Futtermittelzusätze. Dabei wird nicht nur gefragt, wie stark eine Maßnahme theoretisch wirkt. Entscheidend sei auch, was sie kostet und ob sie in einem grasbasierten System praktisch umgesetzt werden kann. Genau dafür verwendet Teagasc unter anderem sogenannte Grenzvermeidungskostenkurven. Sie stellen gegenüber, wie viel Treibhausgasemissionen durch eine Maßnahme eingespart werden können und welche Kosten damit verbunden sind. Bis die Ergebnisse dazu vorliegen, müssen sich die irischen Farmer allerdings noch etwas gedulden.

Compliance-Hinweis: Die Pressereise nach Irland fand auf Einladung und Rechnung der EU-Kommission statt.

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