Das heurige Ackerbaujahr geht als das schwierigste der Geschichte ein. Extreme Trockenheit und Hitze haben in Oberösterreich speziell bei den Herbstkulturen deutliche Ertragseinbußen verursacht.
Die Dürreschäden belaufen sich im Land ob der Enns laut Hagelversicherung auf 200 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon ist durch Entschädigungen gedeckt. Die Zahl der Schadensmeldungen habe sich gegenüber dem Vorjahr verfünffacht, vor allem wegen der außergewöhnlich hohen Zahl an Dürreschadensmeldungen. „Das zeigt in aller Deutlichkeit, wie verwundbar die Produktion unter freiem Himmel gegenüber Wetterextremen geworden ist“, betont LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger.
Körnermais halbiert
Besonders drastisch zeigt sich die Situation beim Körnermais. Wegen der angespannten Futtermittelversorgung wurden circa 10.000 Hektar vorzeitig als Silomais genutzt. Die Körnermaisfläche sinkt dadurch von 51.500 auf 41.500 Hektar. Gleichzeitig fällt der durchschnittliche Hektarertrag von 12,4 auf geschätzte 7,8 Tonnen. Die Produktion schrumpft damit von 639.000 auf 324.000 Tonnen und hat sich de facto halbiert.
Allerdings zeigen sich enorme regionale Unterschiede. Während im Innviertel und in nördlichen Gemeinden des Bezirks Rohrbach durchaus zufriedenstellende Erträge erzielt wurden, ist die Lage im südlichen Mühlviertel und im Zentralraum deutlich schwieriger. „80 Prozent des Ertrages hängen unmittelbar vom Wetter ab. Wir stoßen bei der Produktion an unsere Grenzen“, so Pflanzenbaudirektor Helmut Feitzlmayr.
Beim Mais wurden heuer zudem erstmals in Oberösterreich Aflatoxinbelastungen festgestellt. Die Pilzgifte können sich bei hohen Temperaturen und Trockenheit bilden.
Niedrige Soja-Erträge
Auch die Sojabohne litt unter der Trockenheit. Auf leichten, sandigen Standorten war die Entwicklung bereits bis zur Blüte beeinträchtigt, später wurden teilweise nur wenige oder gar keine Hülsen ausgebildet. Die Erträge streuen heuer massiv – von 500 Kilo auf schwachen Standorten bis zu 3.500 Kilo je Hektar in absoluten Gunstlagen. Der Durchschnittsertrag wird auf 2,5 Tonnen je Hektar geschätzt – 35 Prozent weniger als im Vorjahr. „Spannend wird es vor allem nächstes Jahr in Hinblick auf das Saatgut, da die Keimfähigkeit beim Soja so schlecht ist“, sagt Feitzlmayr.
Kürbis: passabler Schnitt
Beim Ölkürbis ist die Lage weniger eindeutig. Die Anbaufläche wurde in Oberösterreich von 1.688 auf 2.228 Hektar ausgeweitet. Die bisherigen Erträge reichen von 200 bis 300 Kilo Kürbiskernen je Hektar auf schwachen Standorten bis zu mehr als 1.000 Kilo auf guten Flächen. Derzeit wird ein Durchschnitt von etwa 900 Kilo erwartet.
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Rübe deutlich unter Schnitt
Auch bei der Zuckerrübe bleibt die Ernte deutlich hinter den Vorjahren zurück. Mit durchschnittlich 70 Tonnen je Hektar liegen die Erträge etwa ein Viertel unter dem Vorjahr und klar unter dem langjährigen Mittel. Besonders betroffen sind die Gebiete rund um Enns sowie die östlichen Landesteile.
Österreichweit wird mit durchschnittlich circa 56 Tonnen je Hektar gerechnet. Die prognostizierte Zuckermenge von 200.000 Tonnen reicht erstmals in der Nachkriegszeit nicht aus, um den heimischen Bedarf von 270.000 Tonnen zu decken. Die Eigenversorgung sinkt damit auf 74 Prozent.
Deckungsbeiträge stark von Erträgen abhängig
Die extremen Ertragsunterschiede schlagen unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit durch. Bei Soja ergibt sich bei 2,5 Tonnen je Hektar ein Deckungsbeitrag von 250 Euro. Bei zwei Tonnen geht dieser bereits gegen null. Körnermais bringt bei 7,8 Tonnen circa 550 Euro Deckungsbeitrag, bei sechs Tonnen nur noch 220 Euro je Hektar. Bei heuer im Schnitt 900 Kilo Ölkürbis pro Hektar beträgt der Deckungsbeitrag immerhin 1000 Euro.
Gleichzeitig steigen die Produktionskosten weiter an. Vor allem Stickstoff- und Phosphordünger sowie Diesel haben sich deutlich verteuert. Für 2027 werden bei vielen Ackerbaukulturen Mehrkosten von 100 bis 150 Euro je Hektar erwartet. „Hohe und stabile Erträge bleiben daher die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Ackerbaubetriebe“, so Landwirtschaftskammer-Präsident Waldenberger.
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