Die wirtschaftliche Lage der heimischen Schweinehaltung hat sich zuletzt dramatisch verschärft. Sinkende Preise, erschwerte Vermarktung und hohe Produktionskosten treffen sowohl Ferkelerzeuger als auch Mäster. Gleichzeitig stehen umfangreiche Investitionen in neue Haltungssysteme an. Für viele Betriebe stellt sich damit die Frage, ob sie ihre Produktion überhaupt weiterführen können.
„Die Deckungsbeiträge der Schweinemäster liegen aktuell bei minus sechs Euro. Bei jedem Schwein, das derzeit aus dem Stall getrieben wird, zahlen die Bauern drauf“, schildert Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, die prekäre Situation.
Mitte Oktober sank der Basispreis nochmals um neun Cent auf 1,43 Euro. Für ein fertig ausgemästetes Schwein erhält ein Landwirt derzeit circa 140 Euro. Zum Vergleich: 2023 lag der Jahresdurchschnitt bei 2,22 Euro je Kilogramm und damit um 35 Prozent höher als aktuell.
Ferkel: keine Vollkostendeckung
Auch in der Ferkelproduktion spitzt sich die Situation zu, wie VLV-Ferkelring-Geschäftsführer Johann Stinglmayr berichtet: „Die Preise fallen laufend, die Marktlage eskaliert.“ Als wesentlichen Auslöser nennt er die Folgen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in Spanien. Werden wichtige Exportmärkte gesperrt, gelangt mehr Ware auf den europäischen Markt – mit entsprechendem Druck auf die Preise.
Die Auswirkungen sind bereits bei der Vermarktung spürbar. Angemeldete Ferkel können teilweise nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt verkauft werden. In Oberösterreich mussten sie zuletzt ein bis zwei Wochen länger auf den Betrieben bleiben, in anderen Bundesländern sogar bis zu drei Wochen. Das bringt die Stallbelegung durcheinander, erhöht den Arbeitsaufwand und belastet die betroffenen Familien auch psychisch.
„Der aktuelle Preis pro Ferkel liegt bei 73 Euro inklusive Mehrwertsteuer“, erklärt Stinglmayr. Damit befinde sich das Preisniveau ungefähr wieder auf dem Stand vor den starken Produktionskostensteigerungen. Für eine ausreichende Vollkostendeckung wären Deckungsbeiträge von 50 bis 60 Euro je Ferkel notwendig. Derzeit liegen sie laut Stinglmayr nur bei circa der Hälfte. Selbst leistungsstarke Betriebe könnten damit ihre Kosten nicht decken.
Millioneninvestitionen stehen bevor
Zusätzlich zur angespannten Marktlage müssen Betriebe ihre Ställe an neue gesetzliche Vorgaben anpassen. Bis 2033 sind unter anderem Bewegungsbuchten im Abferkelbereich und im Deckzentrum umzusetzen. Auf Grund des Vollspalten-Verbots (ab 1. Juni 2034) sind auch Ferkelaufzuchtställe und Mastplätze von Umbaupflichten betroffen.
Die finanziellen Dimensionen sind erheblich: Ein spezialisierte Ferkelerzeuger muss laut Stinglmayr je nach Betriebsgröße zwischen 750.000 Euro (circa 100 Sauen) und 1,5 Millionen Euro (200 Sauen) investieren. Ein Mastbetrieb mit 1000 Schweinen um die 500.000 Euro. Es sei daher zu befürchten, dass insbesondere kleinere und im Nebenerwerb geführte Betriebe aus der Produktion aussteigen werden.
Höhere Förderung soll Betriebe halten
Die Schweinebranche fordert daher eine bessere Ausgestaltung der Investitionsförderung für die Errichtung der neuen Mindeststandards. Die maximal förderbare Investitionssumme (aktuell 700.000 Euro) müsse verdoppelt und der Fördersatz von derzeit 20 auf mindestens 35 Prozent angehoben werden. Die zusätzlichen Kosten, die durch strengere österreichische Vorgaben im Vergleich zu anderen EU-Ländern entstehen, müssten ausgeglichen werden.
Reicht die öffentliche Unterstützung nicht aus, sollte laut Stinglmayr auch ein Überdenken der Übergangsfristen legitim sein. Ansonsten drohe ein deutlicher Rückgang der heimischen Produktion, verbunden mit dem Verlust der Selbstversorgung bei Schweinefleisch. Um diese aufrecht erhalten zu können wird der gesamte Investitionsbedarf in der Sauenhaltung auf circa 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen weitere 800 Millionen in der Schweinemast.
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