Russland versucht im Krieg gegen die Ukraine weiterhin, die Infrastruktur für die Getreideexporte zu zerstören. Während in den vergangenen Wochen die Terminals der Schwarzmeerhäfen beschossen wurden, gab es vergangene Woche auch Angriffe auf alternative Landrouten. Laut einem Bericht des US-Instituts für Kriegsforschung (ISW) wurde am 9. August eine Brücke beschädigt, die die Südukraine mit Moldawien und Rumänien verbindet.
Türkei versucht zu vermitteln
Laut ISW verlagert Russland offenbar gezielt den Schwerpunkt seiner Angriffe vom Seeweg auf die Landkorridore, um den Export ukrainischen Getreides zu verhindern und die ukrainische Wirtschaft allgemein zu schwächen. Das Institut wies darauf hin, dass der türkische Außenminister Hakan Fidan ein Moratorium für Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer vorgeschlagen habe. Dazu habe er bereits Kontakt mit den beiden Kriegsparteien aufgenommen. Diese hätten allerdings noch nicht darauf reagiert.
Exporte deutlich gesunken
Nach Angaben der Plattform Interfax Ukraine sind die Getreidelieferungen per Bahn in Richtung der Häfen im Großraum Odessa in den ersten fünf Augusttagen im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Juli um 84 Prozent zurückgegangen. Das Gesamtvolumen der Exporte landwirtschaftlicher Produkte aus der Ukraine belief sich vom 1. bis 6. August auf 313.000 Tonnen; im Vormonatszeitraum waren es noch 785.000 Tonnen. Gleichzeitig sanken die Exporteinnahmen von 326,9 Mio. Dollar (umgerechnet 283 Mio. Euro) auf 201,5 Mio. Dollar (174 Mio. Euro).
Während die Getreidezuflüsse zu den Seehäfen per Eisenbahn sehr stark nachgelassen haben, meldet die Ukraine bei den Exportrouten per Bahn und über die Straße nach Westen weniger Einschränkungen. Per Bahn wurden in den ersten fünf Augusttagen insgesamt 182.000 Tonnen Getreide und Mahlerzeugnisse transportiert. Das waren 44 Prozent weniger als in der Vormonatsperiode. Die Frachtmengen über die Straße legten hingegen um elf Prozent zu, und zwar von 53.600 auf 59.600 Tonnen.
Marktkenner betonen jedoch, dass auch die volle Kapazität der Straßentransporte nicht ausreichen wird, um die Verluste bei den Getreidelieferungen mit großer Tonnage über die Seehäfen auch nur annähernd auszugleichen. Immer schwieriger wird auch der Weg über die Donau ab dem rumänischen Hafen Constanta. Deren Pegel erreichte durch die Hitzeperiode und den anhaltenden Regenmangel einen neuen Tiefststand. Die Ausfuhren über Rumänien sind entsprechend rückläufig. Abzuwarten bleibt, wie der Markt auf die Versorgungsschieflage reagieren wird.
AgE
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