Tafel mit Speisen und Preisen in einem Lokal

Copyright © Tupungato - stock.adobe.com

Herkunftskennzeichnung: Volkspartei erarbeitet flächendeckendes Modell

In einer ersten Stellungnahme hat die ÖVP Bewegung beim Thema Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie vermeldet. Was bisher dazu bekannt ist.

 Die Herkunftskennzeichnung in Gastronomie und Hotellerie ist seit Monaten bestimmendes Thema in der Bauernschaft. Spätestens seit sich ein Boulevardmedium an der Causa abarbeitet, ist die Debatte auch in der breiten Bevölkerung angekommen.

Heute (Freitag) informierte VP-Generalsekretär Nico Marchetti gemeinsam mit Bauern- und Wirtschaftsbund, wohin die Reise gehen soll: „Die österreichische Land- und Lebensmittelwirtschaft mit ihrer flächendeckenden Struktur ist das Rückgrat unserer Versorgungssicherheit und ein Garant für Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit. Daher braucht sie faire Marktbedingungen, die ihre hohen Standards auch wirtschaftlich honorieren.“ Transparente Herkunftskennzeichnung schaffe Orientierung, fördere bewusste Kaufentscheidungen und stärke regionale Produkte, so Marchetti.

Flächendeckend für Fleisch Milch und Eier

Bauernbund-Präsident Georg Strasser nannte indes erste Details zum Modell, auf das man sich offenbar parteiintern geeinigt hat: „Unter Einbindung aller relevanten Interessenvertretungen entlang der Wertschöpfungskette soll ein System entstehen, das Akzeptanz findet und tatsächlich in der Breite wirkt.“ Konkret soll eine „flächendeckende und einheitliche“ Kennzeichnung in der Gastronomie eingeführt werden, welche für die tierischen Produkte Fleisch, Milch und Eier gelten soll. Laut Strasser ist eine Kennzeichnung mit der Unterscheidung AT / EU / Non-EU geplant. Diese solle „umfassend und in tragfähigem Rahmen“ gestaltet und anhand eine Stufenplans eingeführt werden.

Bisherige Modelle als Vorbild

Aus dem Wirtschaftsbund wird diesbezüglich mitgeteilt, dass in das System die Erkenntnisse aus schon jetzt vorhandenen freiwilligen Initiativen – etwa „Gut zu wissen“ – einfließen sollen. Im von der LK Österreich entwickelten Projekt werden mittlerweile 94,5 Mio. Essensportionen bei 1.280 teilnehmenden Unternehmen bzw. Standorten der Gemeinschaftsverpflegung, Hotellerie und Gastronomie mit einer transparenten Herkunftskennzeichnung bei Milch, Fleisch und Eiern versehen. Man wolle die Gastro unterstützen, „ein möglichst einfaches und niederschwelliges System für die Herkunftskennzeichnung zur Praxisreife bringen“, so Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf.

Jetzt BZ-Newsletter abonnieren

Die BauernZeitung ist Österreichs größte Wochenzeitung für die Land- und Forstwirtschaft und den ländlichen Raum und Hauptinformationsquelle für die Bäuerinnen und Bauern. Mit unserem wöchentlichen Newsletter (immer freitags) bleiben Sie aktuell informiert.

Bei der künftigen Ausgestaltung sollen, Bauernbund-Angaben zufolge, bestehende Nachweis- und Dokumentationssysteme berücksichtigt werden. Durch digitale Schnittstellen zu gängigen Warenwirtschaftssystemen will man eine weitgehend automatisierte Übernahme von Herkunftsdaten ermöglichen. „Jetzt geht es darum, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln, die einfach anwendbar und wirtschaftlich tragfähig ist“, so Strasser ambitioniert. In dieselbe Kerbe schlägt auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und ergänzt: „Mir ist wichtig, dass die wertvolle Arbeit der Bauern und die hervorragenden regionalen Produkte auch in der Gastronomie sichtbarer werden.“

Bauernvertreter signalisieren Unterstützung und fordern Umsetzung

LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger ortet im Vorschlag eine Trendwende. „Zuvor wurde immer nur öffentlich thematisiert, was nicht geht, aber nie im Detail untersucht, wie ein System konkret funktionieren könnte. Das soll sich nun ändern“, so der LK-Chef. Zwischen Wirtschaftskammer und LK laufen demnach bereits seit dem Frühjahr intensive Gespräche in der Causa.

Zuvor wurde immer nur öffentlich thematisiert, was nicht geht, aber nie im Detail untersucht, wie ein System konkret funktionieren könnte. Das soll sich nun ändern.

Josef Moosbrugger

LK-Österreich-Präsident

Einhellig begrüßt wird der VP-Vorschlag von den Parteikolleginnen und -kollegen in den Ländern. Der Niederösterreichische Bauernbund spricht in einer Aussendung von „einem wichtigen Schritt für mehr Transparenz“ und nennt das Vorgehen eine „logische Konsequenz“ um die Herkunftskennzeichnung auch in der Gastronomie weiter auszubauen. Für Oberösterreichs Bauernbundobfrau und Agrarlandesrätin Michaela Langer‑Weninger ist klar: „Transparenz ist kein Selbstzweck, sondern schafft Vertrauen und ermöglicht bewusste Entscheidungen.“

Zugleich betont man im Oberösterreichischen Bauernbund, wie auch in anderen Ländern, dass die Herkunftskennzeichnung nun rasch umgesetzt werden müsse. „Die Weiterentwicklung bestehender Systeme ist sinnvoll, darf aber nicht zu Verzögerungen führen“, teilt man mit. „Jetzt braucht es Tempo“, ist auch Salzburgs BB-Chef Rupert Quehenberger überzeugt. Auf wenig Gegenliebe stößt das Konzept indes bei den Oppositionsparteien im Parlament. Sowohl Freiheitliche als auch Grüne reagierten mit Kritik.

Aktualisierte Neufassung vom 27.06.

Mehr zum ThemaMit diesen Forderungen ging der Bauernbund ins Rennen um die Herkunftskennzeichnung.

Weitere Artikel