Der Kosovo zählt zu den ärmsten Ländern Europas, die Erwerbsquote liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt. Zwar lebt der Großteil der Bevölkerung in ländlichen Gebieten, und die Landwirtschaft birgt großes Potenzial, dennoch sind dort nur wenige Menschen beschäftigt, Frauen sind besonders unterrepräsentiert. Nationale Strategien für eine inklusive ländliche Entwicklung existieren zwar, den lokalen Behörden fehlt es bei der Umsetzung jedoch an Unterstützung.
An diesem Punkt setzt das CARE-Projekt AKWA („Advancing Kosovo Women's Agribusiness Inclusion") an, finanziert vom Land Vorarlberg. Es soll Frauen und Jugendliche in den Regionen Podujeva und Obiliq wirtschaftlich, sozial und politisch stärker in die Agrarwirtschaft einbinden.
CARE-Geschäftsführerin Andrea Barschdorf-Hager sieht in den Frauen ein ungenutztes Potenzial: „Frauen sind das Rückgrat der ländlichen Wirtschaft im Kosovo, doch ihr Potenzial wird bei Weitem nicht ausgeschöpft. Mit AKWA schaffen wir die Voraussetzungen, damit Frauen ihre wirtschaftlichen Rechte wahrnehmen, eigenständige Einkommen erwirtschaften und als gleichberechtigte Partnerinnen in ihren Familien und Gemeinden anerkannt werden." Landeshauptmann Markus Wallner begründet das Engagement Vorarlbergs mit einer Verantwortung über die eigenen Grenzen hinaus: „Als sichere und wohlhabende Region in Europa stehen wir in der Verantwortung und engagieren uns über die Grenzen Vorarlbergs hinaus. Wir wollen einen Beitrag leisten, um die Lebensverhältnisse und Zukunftschancen in unseren Partnerregionen zu verbessern."
Von der Schulung zur eigenen Existenz
Im Zentrum des Projekts stehen praxisnahe Schulungen: Die Teilnehmerinnen lernen moderne Anbaumethoden, Grundlagen der Geschäftsführung und digitales Marketing. Ausgewählte Unternehmerinnen erhalten darüber hinaus Zuschüsse für Ausrüstung und Branding. Eine von ihnen ist Lendita Krasniqi. Jahrelang arbeitete sie auf fremden Feldern, um ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen. Heute bewirtschaftet sie ihr eigenes Land und baut dort eine Vielzahl an Gemüse- und Obstsorten an, die sie frisch oder eingelegt verkauft. CARE unterstützte sie beim Aufbau ihrer Marke und stellte ihr ein Gewächshaus zur Verfügung.
Austausch und politische Teilhabe
Regelmäßige Frauenclubs bieten den Bäuerinnen Raum, sich über wirtschaftliche Rechte und Geschlechtergleichstellung auszutauschen. Ergänzend finden Gespräche mit männlichen Familienmitgliedern statt, die das Verständnis für die Rolle der Frau stärken sollen. Auf politischer Ebene lernen die Teilnehmerinnen zudem, ihre Interessen zu vertreten. Auch die Jugend wird eingebunden: Schulbesuche bei Landwirtinnen sollen Interesse am Agrarsektor wecken. Das AKWA-Projekt läuft noch bis Ende September 2026.
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