Junge Bäuerin im karierten Hemd mit Arbeitshandschuhen steht lächelnd vor einem blauen Traktor auf einem Bauernhof.

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Bäuerinnen-Studie 2026: Mehr Frauen übernehmen die Führung am Hof

Die Zahl der Hofübernehmerinnen steigt, doch die Mehrfachbelastung bleibt hoch. Das zeigt die Bäuerinnen-Studie 2026, für die mehr als 2.500 Frauen aus ganz Österreich befragt wurden.

Die Rolle der Bäuerinnen in der österreichischen Land- und Forstwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Frauen übernehmen zunehmend Verantwortung in der Betriebsführung, erschließen neue Einkommensquellen und gestalten die Weiterentwicklung ihrer Höfe mit. Gleichzeitig bleibt die Vereinbarkeit von Betrieb, Familie, Haushalt und Pflege eine große Herausforderung. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie zur „Arbeits- und Lebenssituation der Bäuerinnen in Österreich 2026“, die im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums von „BAB Project" gemeinsam mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) durchgeführt wurde.

Besonders deutlich ist die Entwicklung bei der Hofübernahme: Der Anteil der Hofübernehmerinnen unter den befragten Frauen ist von 22 Prozent im Jahr 2016 auf rund 34 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. Auch bei Feld- und Außenarbeiten sind Bäuerinnen stärker eingebunden als noch vor zehn Jahren. Hier verzeichnet die Studie einen Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber 2016.

Bäuerinnen treiben neue Betriebszweige voran

Frauen übernehmen nicht nur Verantwortung in der laufenden Betriebsführung, sondern gestalten auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung ihrer Höfe maßgeblich mit. Besonders häufig sind sie bei zusätzlichen betrieblichen Standbeinen federführend tätig.

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Frauen übernehmen nicht nur Verantwortung in der laufenden Betriebsführung, sondern gestalten auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung ihrer Höfe maßgeblich mit. Das bestätigt auch der Vergleich zu 2016.

Laut Studie übernehmen die befragten Bäuerinnen insbesondere in folgenden Bereichen eine führende Rolle:

  • Tourismus: rund 77 Prozent

  • Bildung, Soziales und Gesundheit: rund 86 Prozent

  • Direktvermarktung: rund 66 Prozent

  • Be- und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte: rund 58 Prozent

Damit tragen sie dazu bei, zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für landwirtschaftliche Betriebe zu erschließen. Auch über den eigenen Hof hinaus engagieren sich viele Frauen: Rund 58 Prozent der Befragten sind ehrenamtlich in Vereinen und Organisationen tätig. Die Verantwortung für die Betriebsführung liegt dabei zunehmend bei den Frauen selbst. Rund 38 Prozent der befragten Bäuerinnen bezeichnen sich als hauptverantwortliche Betriebsleiterinnen. Weitere 31 Prozent führen ihren Betrieb gemeinsam mit ihrem Ehepartner. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig sieht darin eine positive Entwicklung: Bäuerinnen seien wichtige Entscheidungsträgerinnen, die Innovationen auf die Höfe brächten und zur Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft beitrügen.

Hausarbeit und Pflege bleiben überwiegend Frauensache

Während die Verantwortung am Betrieb wächst, hat sich die Aufgabenverteilung im privaten Bereich laut Studie weniger stark verändert. Ein Großteil der Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege wird weiterhin von den Frauen übernommen. So erledigen die befragten Bäuerinnen überwiegend die Reinigung, Wäsche und das Aufräumen (85 Prozent). Rund 81 Prozent kümmern sich hauptsächlich um Verpflegung und Essenszubereitung. Auch die Pflege von Angehörigen (78 Prozent) sowie die Betreuung von Kindern und Enkeln (77 Prozent) liegen häufig in ihrer Verantwortung. Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger sieht deshalb weiteren Handlungsbedarf: „Mehr Verantwortung am Betrieb müsse auch mit einer partnerschaftlicheren Aufteilung der Aufgaben in Familie und Haushalt einhergehen."

Wenig Zeit für Erholung und Partnerschaft

Die Mehrfachbelastung wirkt sich auch auf die persönliche Freizeit aus. Rund ein Drittel der Befragten (33 Prozent) gibt an, noch nie mindestens eine Woche Urlaub gemacht zu haben. Etwa zwei Drittel wünschen sich mehr Zeit für sich selbst und ihre Partnerschaft. Zudem empfindet rund die Hälfte der befragten Bäuerinnen (51 Prozent) die Vereinbarkeit von persönlicher Freizeit und landwirtschaftlicher Tätigkeit als belastend. Obwohl die Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Landwirtschaft auch schätzen, bleibt es schwierig, Betriebsführung, Erwerbsarbeit, Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege mit ausreichend Zeit für sich selbst in Einklang zu bringen.

Studie zeigt Handlungsbedarf bei Absicherung und Entlastung

Aus den Ergebnissen leitet die Studie Handlungsempfehlungen ab. Im Mittelpunkt stehen eine stärkere soziale, rechtliche und finanzielle Absicherung der Bäuerinnen sowie ein besserer Zugang zu Informations-, Beratungs- und Entlastungsangeboten. Auch die Leistungen der Frauen in der Landwirtschaft sollen stärker sichtbar gemacht werden. Projektleiterin Theresia Oedl-Wieser von der BAB betont, dass neben den repräsentativen Daten auch die Stimmen und Erfahrungen zahlreicher Bäuerinnen in die Untersuchung eingeflossen seien. „Die Berücksichtigung der Anliegen der Bäuerinnen in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen und Lebensphasen ist bedeutend für eine resiliente und zukunftsorientierte österreichische Landwirtschaft“, so Oedl-Wieser. Auch die Aus- und Weiterbildung spiele eine wichtige Rolle.

Bäuerinnen-Studie mit Blick auf fünf Jahrzehnte

Die Bäuerinnen-Studie wird auf Initiative der Bäuerinnen Österreich seit 1976 alle zehn Jahre erstellt. Die Untersuchung 2026 wurde erstmals im Rahmen der Evaluierung des GAP-Strategieplans erarbeitet und soll neben der aktuellen Situation auch langfristige Entwicklungen sichtbar machen. Für die Erhebung wurde ein Mixed-Methods-Ansatz gewählt. Das heißt, dass neben einer Online-Befragung mit mehr als 2.500 Teilnehmerinnen aus ganz Österreich auch Workshops, qualitative Erhebungen und eine Diskussion mit relevanten Interessengruppen in die Untersuchung einflossen.

Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 soll zusätzlich dazu beitragen, die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit der Initiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land in Frauenhand“ wollen das Landwirtschaftsministerium, die Bäuerinnen Österreich und die Landwirtschaftskammer Österreich auf die Vielfalt der von Frauen geführten Betriebe aufmerksam machen und Verbesserungen bei Beratung, Bildung, Förderung und Interessenvertretung anstoßen. Auch der Podcast der BauernZeitung „Hoftor Auf" zeigt unterschiedliche Lebensrealitäten der heimischen Bäuerinnen. Für die Podcastfolgen öffneten bislang 18 Bäuerinnen ihre Hoftor und gaben authentische Einblicke in ihr Leben als Bäuerin, Betriebsführerin, Mutter und als Frau.

Die Langfassung der Bäuerinnen-Studie soll voraussichtlich im Jänner 2027 veröffentlicht werden.

Zum Podcast der BauernZeitung „Hoftor Auf"
Details zur Studie:Kurzfassung der Bäuerinnen-Studie 2026

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