Junge Bäuerin im karierten Hemd mit Arbeitshandschuhen steht lächelnd vor einem blauen Traktor auf einem Bauernhof.

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Mehr Verantwortung am Hof, mehr Aufgaben daheim

Frauen übernehmen mehr Führung und mehr Arbeiten in der Landwirtschaft, erfahren aber bei Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege keine Entlastung. Die neue Bäuerinnenstudie 2026 zeigt, dass es auch bei Eigentum, Altersvorsorge und Hofnachfolge noch keine Gleichstellung gibt.

„Frauen in der Landwirtschaft sind gut ausgebildet und tragen Verantwortung, sind in einigen Bereichen aber nach wie vor stark benachteiligt.“ Das sind für Martina Schorn von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) die zentralen Erkenntnisse der neuen Bäuerinnenstudie. Sie wird seit 1976 alle zehn Jahre durchgeführt und beleuchtet die aktuelle Situation der Bäuerinnen in Österreich. Zugleich zeichnet sie Entwicklungen und Trends über mittlerweile fünf Jahrzehnte nach.

Wie sehr sich die Rolle der Bäuerin gewandelt hat, zeigt sich unter anderem bei der Hofübernahme: Lag der Anteil der Hofübernehmerinnen bei der letzten Erhebung im Jahr 2016 noch bei 22 Prozent, ist er mittlerweile auf rund 34 Prozent gestiegen. 38 Prozent der Befragten bezeichnen sich als hauptverantwortliche Betriebsleiterinnen, weitere 31 Prozent geben an, den Betrieb gemeinsam mit ihrem Ehepartner zu führen.

Auch beim Arbeitsanteil auf den Höfen haben Bäuerinnen seit der letzten Erhebung vor zehn Jahren in allen Bereichen zugelegt. So ist ihr Anteil an Stallarbeit und Tierhaltung von 34 auf 45 Prozent gestiegen, bei Bürotätigkeiten wie der Förderabwicklung von 57 auf 65 Prozent. Auch bei Feld- und Außenarbeiten übernehmen Frauen zunehmend Aufgaben. Besonders federführend sind sie bei der Direktvermarktung, im Tourismus sowie bei Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsangeboten. In diesen Bereichen setzen sie wichtige Impulse für neue Betriebszweige und tragen maßgeblich zur Weiterentwicklung ihrer Höfe bei.

Care-Arbeit am Hof ist weiblich

Die zusätzliche Verantwortung, die Frauen heute auf land- und forstwirtschaftlichen Betrieben übernehmen, geht allerdings nicht mit einer entsprechenden Entlastung in anderen Lebensbereichen einher. Im Gegenteil: Bei der sogenannten Care-Arbeit scheint es für Frauen sogar „vorwärts in die Vergangenheit“ zu gehen – zumindest beim Vergleich der Ergebnisse von 2026 mit jenen von vor zehn Jahren. Haushalt und Kochen fallen zu 85 beziehungsweise 81 Prozent in den Aufgabenbereich der Frauen. Auch die Pflege von Familienangehörigen (78 Prozent) und die Kinderbetreuung (77 Prozent) werden überwiegend von ihnen übernommen. Vor zehn Jahren waren die Werte noch deutlich niedriger: Beim Haushalt lag der Anteil bei 70 Prozent, bei der Pflege bei 49 Prozent und bei der Kinderbetreuung bei 62 Prozent.

„Bei der Hausarbeit holen Männer nichts auf, Frauen umgekehrt etwa bei Stallarbeit und Tierhaltung schon“, verweist Schorn auf ein Ungleichgewicht. Auch Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger fordert eine ausgewogenere Aufgabenverteilung: „Mehr Verantwortung am Betrieb muss auch mit einer zunehmend partnerschaftlichen Verteilung der Aufgaben in Familie und Haushalt einhergehen.“

Wie ausgeprägt die Mehrfachbelastung vieler Bäuerinnen ist, zeigt sich auch beim Thema Erholung. Rund ein Drittel der Befragten gibt an, noch nie eine Woche Urlaub gemacht zu haben. Mehr als die Hälfte empfindet die Vereinbarkeit von Freizeit und landwirtschaftlicher Tätigkeit als belastend oder sehr belastend.

Zwei Paar Schuhe: Verantwortung und Vorsorge

Die Ergebnisse der Studie 2026 bescheinigen Frauen in der Landwirtschaft ein sehr hohes Bildungsniveau, das in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen ist. Dennoch besteht in vielen Bereichen weiterhin Handlungsbedarf. Das betrifft etwa Eigentumsverhältnisse und Altersvorsorge: Verantwortung für einen Betrieb zu tragen, bedeutet nicht automatisch, auch dessen Eigentümerin zu sein. 20 Prozent der Befragten geben an, alleinige Eigentümerin ihres Betriebs zu sein, weitere 42 Prozent besitzen ihn gemeinsam mit ihrem Partner.

Auch die rechtliche und finanzielle Absicherung für den Fall einer Trennung, Scheidung oder des Todes des Partners ist vielfach noch ungeklärt. „Wenn es um das Thema Scheidung, Trennung und Tod geht, gibt fast ein Fünftel an, sich damit noch nicht beschäftigt zu haben“, berichtet Schorn. Sie empfiehlt daher, der rechtlichen und finanziellen Absicherung für den Ernstfall mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Auch bei der Hofnachfolge zeigt sich Nachholbedarf in Sachen Gleichberechtigung: Lediglich ein Drittel der Befragten gibt an, die Nachfolge bereits geregelt zu haben. In 78 Prozent dieser Fälle ist ein Sohn als Nachfolger vorgesehen, nur in 16 Prozent eine Tochter. Das seien, so Schorn, „nicht sehr erbauliche Nachrichten im Sinne einer gleichberechtigten Landwirtschaft“.

Gewünscht: Information, Beratung und Entlastung

Projektleiterin Theresia Oedl-Wieser von der BAB betont, dass der Forschungsbericht zu allen untersuchten Themen konkrete Handlungsempfehlungen enthält. Bei den Befragungen sei zudem ein deutliches Bedürfnis nach Austausch und Vernetzung zum Ausdruck gekommen. „Viele junge Betriebsleiterinnen hätten gerne mehr berufsbezogene Plattformen, etwa zu Nischenprodukten oder alternativen Bewirtschaftungsformen“, berichtet Oedl-Wieser. Darüber hinaus empfiehlt sie einen niederschwelligen Zugang zu Informations- und Beratungsangeboten rund um die rechtliche und finanzielle Absicherung sowie zu Betriebshilfe und Entlastungsdiensten.

Bäuerinnenstudie seit 1976

Seit 1976 wird die Situation der Bäuerinnen in Österreich alle zehn Jahre analysiert. Die ARGE Bäuerinnen hat die Studie initiiert, erstellt wird sie von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums. An der aktuellen Studie haben mehr als 2.500 Bäuerinnen teilgenommen, auch Workshops und eine Diskussion mit Interessensgruppen sind in die Untersuchungen eingeflossen.

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