Blick vom steinigen Berghang auf ein Alpental mit Ortschaft, umgeben von bewaldeten Bergen und blauem Himmel.

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Nach dem Sturm: Wie in Tirol ein Schutzwald wieder aufgebaut wird

Die Sturmflächen in Neustift im Stubaital zeigen die Herausforderungen bei Aufarbeitung und Wiederbewaldung, für deren Koordination das Land einheitliche Abläufe und Prioritäten festlegt.

In Neustift im Stubaital dachte man, die Welt gehe unter. So blickt Bürgermeister Andreas Gleirscher auf den 18. Juli 2023 zurück, als ein Sturm mit Windspitzen bis zu 240 km/h durch die Gemeinde fegte. Als das Gewitter sich legte, wurde der Schaden augenscheinlich: Rund 30 Windwurfflächen und weitere Schäden blieben laut Florian Riccabona, Leiter der zuständigen Bezirksforstinspektion, zurück.

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Besonders betroffen war der Bereich Kaserstatt/Pfurtschell. Auf rund 35 Hektar fielen rund 9.000 Erntefestmeter Schadholz an. Zum Vergleich: Der durchschnittliche jährliche Holzeinschlag im gesamten Gemeindegebiet liegt bei rund 10.300 Erntefestmetern. Bei einem Lokalaugenschein an der Kaserstatt auf rund 1.850 Metern Seehöhe zeigten Vertreter von Gemeinde, Forstdienst und Wildbach- und Lawinenverbauung im Oktober 2026, was seit dem Sturm geleistet wurde und welche Aufgaben noch anstehen.

Ohne Wege keine Holzabfuhr

Bevor das Schadholz aufgearbeitet werden konnte, mussten zunächst Zufahrts- und Forstwege wiederhergestellt werden. Das schwierige Gelände erschwerte die Holzbringung zusätzlich: 15 Seilspannungen mit bis zu 600 Metern Länge waren erforderlich.

Nach Angaben Riccabonas begannen die Aufarbeitungsarbeiten 2024 und dauerten bis 2025. Geeignete Unternehmen zu finden, sei ebenso eine Herausforderung gewesen wie die Finanzierung. „Ohne die Fördermittel wäre die Aufarbeitung nicht möglich gewesen“, betonte er.

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Der Sturm vom 18. Juli 2023 verursachte im Gemeindegebiet von Neustift i. St. zahlreiche Windwurfflächen. Die größte zusammenhängende Schadfläche lag im Bereich Kaserstatt/Pfurtschell.

Für das mehrjährige flächenwirtschaftliche Projekt an der Kaserstatt wurden bisher rund 300.000 Euro an öffentlichen Mitteln ausbezahlt. Der Waldfonds unterstützt die Wiederbewaldung, aus dem Katastrophenfonds wurden unter anderem Entschädigungen für Elementarschäden an Wegen bereitgestellt. Inzwischen laufen laut Riccabona Nacharbeiten.

34.000 Pflanzen für den neuen Wald

Die Wiederbewaldung der Sturmflächen ist eine mehrjährige Aufgabe. Für die Fläche Kaserstatt sind 2026 rund 34.000 Pflanzen vorgesehen. Rund 60 Prozent davon sind Mischbaumarten.

Zur Baumartenwahl erläuterte Riccabona: „Wir befinden uns hier in einer Nadelholzregion, in der die Fichte heimisch ist. Deshalb setzen wir auch weiterhin auf Fichte und ergänzen sie durch andere Baumarten“. Dazu zählen seinen Angaben zufolge Lärche, Tanne, Zirbe und Vogelbeere. Hinzu kommen Pioniergehölze wie Erle, Birke und Weide.

Die Trockenheit habe die jungen Pflanzen gefordert, die Ausfälle seien jedoch vergleichsweise gering geblieben. Die Flächen werden laufend auf mögliche Folgeschäden beobachtet, insbesondere durch Rüsselkäfer und Borkenkäfer.

Forstreferent LH-Stv. Josef Geisler verwies auf die weiteren Aufgaben: „Für den künftigen Schutzwald braucht es mehr als neu gepflanzte Forstpflanzen. Es braucht laufende Pflege und die Zusammenarbeit aller Beteiligten.“

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Harald Oblasser, Florian Riccabona, die beiden Waldaufseher Norbert Gleirscher und Lorenz Kaftan, Bgm. Andreas Gleirscher, LH-Stv. Josef Geisler und Gebhard Walter (WLV) beim Lokalaugenschein.

Schutz für die Gemeinde Neustift im Stubaital

Von den rund 6.000 Hektar Wald in Neustift sind 86 Prozent Schutzwälder. Die Gemeinde zählt 218 Forstbetriebe, darunter 200 Privatbetriebe. Über die Gemeindegutsagrargemeinschaft sind laut Bürgermeister Gleirscher eigene Forstarbeiter in der Gemeindegutsagrargemeinschaft beschäftigt. Sie konnten nach dem Sturm insbesondere kleinere, verstreute Schadflächen mit eigenen Kräften aufarbeiten. „In Neustift sehen wir unmittelbar, was ein funktionierender Schutzwald für unsere Siedlungen bedeutet. Der Wald ist uns wichtig“, betonte Gleirscher.

Mit 58 Wildbacheinzugsgebieten und 130 Lawinen gibt es in Neustift zahlreiche Naturgefahren. „Ein stabiler Schutzwald und unsere Schutzbauten wirken in Neustift zusammen. Wenn ein Sturm Waldflächen beschädigt, prüfen wir gemeinsam mit dem Forstdienst, welche Folgen das für Siedlungen und Verkehrswege hat. So können wir gezielt dort Maßnahmen setzen, wo die Schutzwirkung beeinträchtigt ist“, erläuterte Gebhard Walter, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Sektion Tirol.

Was nach dem nächsten Sturm zu tun ist

Wer erfasst die Schäden? Welche Flächen müssen zuerst aufgearbeitet werden? Und wie werden die Arbeiten abgestimmt? Dafür wurde beim Lokalaugenschein der neue Einsatzplan Waldschäden vorgestellt. Er legt für den Landesforstdienst Zuständigkeiten, Abläufe und Prioritäten bei größeren Schadensereignissen fest.

Der Plan setzt bereits vor einem möglichen Einsatz an: Bei belastbaren Sturmprognosen sollen die forstlichen Stellen frühzeitig vorbereitet werden. Nach einem Ereignis erfassen die Waldaufseher die Schäden digital und einheitlich. Innerhalb weniger Tage soll daraus ein tirolweites Lagebild entstehen.

„Nach einem Sturm müssen wir rasch erkennen, wo der Wald seine Schutzwirkung verloren hat und wo zuerst gehandelt werden muss. Der Einsatzplan Waldschäden gibt dem Landesforstdienst und Systempartnern dafür klare Abläufe – von der Schadenserfassung bis zur Reihung der Maßnahmen“, erklärte Landesforstdirektor Harald Oblasser.

Zunächst hat die Sicherheit von Bevölkerung und Einsatzkräften Vorrang. Gefahren an Siedlungen und Verkehrswegen müssen beurteilt, blockierte Infrastruktur und Wildbäche gesichert und gefährdete Bereiche gegebenenfalls gesperrt werden. Bei der weiteren Reihung stehen Objektschutzwälder an erster Stelle, gefolgt von Standortschutzwäldern sowie Wäldern mit Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion und Wirtschaftswäldern. Auch Zugänglichkeit, Schadensausmaß und drohende Folgeschäden fließen in die Entscheidung ein.

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