Die Wälder Österreichs stehen vor einer Entscheidung, deren Folgen noch viele Generationen spüren werden. Die Baumarten, die heute gepflanzt werden, müssen mit einem Klima zurechtkommen, das in 50 oder 100 Jahren deutlich wärmer und trockener sein könnte als heute. Doch welche Bäume werden diese Bedingungen überstehen? Und woher sollen die Samen für die Wälder der Zukunft kommen?
Eine internationale Forschungsgruppe unter der Beteiligung des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) will diese Fragen nun mit einem europaweiten Großversuch beantworten. Im Mittelpunkt stehen Versuchsgärten, in denen Bäume unterschiedlicher Herkunft unter verschiedenen Umweltbedingungen wachsen. Die Forschenden schlagen vor, diese Experimente grundlegend neu auszurichten, um den Herausforderungen des Klimawandels besser gerecht zu werden. In der Fachzeitschrift „Annals of Forest Science“ stellen die Wissenschaftler dieses neue Konzept der „Common Gardens“ vor.
Die Herkunft ist entscheidend
Die Ausgangslage ist ernst: Häufigere Trockenperioden, Hitzewellen und Extremwetterereignisse setzen Europas Wäldern zunehmend zu. Auch in Österreich zeigen sich die Folgen bereits deutlich. Vor allem junge Bäume müssen künftig mit Bedingungen zurechtkommen, die vielerorts außerhalb der Erfahrungen vergangener Generationen liegen.
Dabei geht es nicht nur darum, welche Baumarten künftig gepflanzt werden. Entscheidend ist auch ihre Herkunft. So kann etwa eine Buche aus einer trockenen Region Südosteuropas deutlich widerstandsfähiger gegenüber Wassermangel sein als eine Buche derselben Art aus einem kühleren und feuchteren Gebiet. Die genetischen Unterschiede innerhalb einer Baumart könnten daher zu einem entscheidenden Faktor für die Anpassung der Wälder werden.
Internationales Versuchsnetzwerk Mosaic
Genau diese Frage untersucht das europäische Forschungsprojekt OptForests mit seinem aufgebauten Versuchsnetzwerk Mosaic mit 29 Versuchsgärten in 17 Ländern. Dort testen Forschende 90 Herkünfte von zwölf Baumarten, darunter Rotbuche, Weißtanne, Schwarzkiefer, Waldkiefer und Traubeneiche. Viele dieser Arten prägen auch die österreichischen Wälder oder könnten künftig eine größere Rolle spielen.
Neu ist vor allem der Ansatz, Versuchsanlagen gezielt dort anzulegen, wo Bäume an ihre ökologischen Grenzen stoßen. Denn gerade unter Trockenstress oder extremer Hitze zeigt sich, welche Populationen besonders anpassungsfähig sind. „Selbst wenn einzelne Bäume absterben, liefern sie wertvolle Hinweise darauf, wo die Belastungsgrenzen einer Art liegen“, sagt Marcela van Loo, Genetikerin am BFW.
Für die Forstwirtschaft sind solche Erkenntnisse von großer Bedeutung. Die Entscheidungen, die heute bei Aufforstungen getroffen werden, wirken sich über Jahrzehnte aus. Wer jetzt auf die falschen Herkünfte setzt, riskiert instabile Bestände und hohe wirtschaftliche Verluste. Umgekehrt könnten genetisch robuste Populationen dazu beitragen, Wälder widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen.
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