Was wäre das Innviertel ohne seine land- und forstwirtschaftlichen Betriebe? Sie sind wesentlicher Bestandteil der regionalen Wirtschaft, der Versorgungssicherheit und der Kulturlandschaft. Das Jahr 2026 hatte es jedoch in sich: Trockenheit, steigende Kosten und gesetzliche Anforderungen sowie schwankende Preise belasten viele. Auch die großen Waldflächen (Sauwald, Kobernaußerwald, Weilhart- und Lachforst) sind durch die Käferproblematik gefordert. Dazu kommt steigender Druck auf die Flächen, etwa auch durch ausgewiesene Beschleunigungszonen für Photovoltaik entlang der Autobahn A8 und für Windkraft im Kobernaußerwald.
Sich anpassen an veränderte Bedingungen
Dennoch entwickeln die bäuerlichen Familien ihre Höfe laufend weiter und passen sich den veränderten Bedingungen an. Auf die „Bauern-Power“ des Bezirkes Braunau verweist dessen BBK-Obmann Paul Maislinger: „Bei der durchschnittlichen Betriebsgröße und auch in der Rinder- und Masthühnerhaltung liegen wir österreichweit ganz vorne.“ So präsentiert etwa der Fleckviehzuchtverband Inn- und Hausruckviertel (FIH) alle zwei Jahre bei der Rieder Herbstmesse eine Leistungsschau der Fleckviehzucht.
Der Bezirk Schärding zeichne sich durch Vielfalt aus, so Schärdings BBK-Obmann Franz Höller. „Während im Sauwald die Milchproduktion und der Erdäpfelanbau dominieren, finden wir im südlichen Teil hochprofessionelle Ackerbaubetriebe“, so Höller.
BBK-Obmann Christoph Schneiderbauer aus Ried sieht in den landwirtschaftlichen Betrieben „das Fundament für das dichte Netz an vor- und nachgelagerten Unternehmen, aber auch für das gesellschaftliche Leben in der Region.“
„Im Innviertel finden etwa 14 Prozent aller Erwerbstätigen einen Arbeitsplatz in der agrarischen Wertschöpfungskette, etwa sechs Prozent sind in den Kernbereichen tätig. Viele Bäuerinnen und Bauern würden sich zugleich ehrenamtlich in ihren Gemeinden engagieren. „Nur wer sich einbringt, gestaltet mit“, so Maislinger.
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Nachgefragt: Agrarische Ausbildung in der Region
Dass Ausbildung und unternehmerisches Denken die Zukunft der Betriebe sichern, darüber sind sich die BBK-Obmänner der drei Bezirke einig. Die Meisterkurse im Innviertel verfügten über einen regen Zulauf, zudem bestehe eine gute Zusammenarbeit mit den vier landwirtschaftlichen Fachschulen der Region sowie der HTL Ried mit deren Ausbildungszweig Agrar- und Umwelttechnik. Entscheidend sei auch eine Betriebsführung auf Basis eigener Kennzahlen. „Solide finanzierte bäuerliche Familienbetriebe sind krisenresistenter. Besonders bei größeren Investitionen gilt es, finanzielle und arbeitswirtschaftliche Risiken rechtzeitig zu berücksichtigen“, betont Höller.
Landwirtschaftskammer als beratender Partner
Die Landwirtschaftskammer versteht sich als Partner der Betriebe, der gerade in herausfordernden Zeiten mit einer praxisorientierten Beratung wichtig ist. Nach der Fusion der Dienststellen Ried und Schärding im Jahr 2017 und der Zusammenführung der Leitung im Innviertel auf eine Stelle unterstützt die Landwirtschaftskammer die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe im Innviertel mit den Dienststellen in Braunau und Ried in vielen Bereichen. Da Leitungsbau, erneuerbare Energie, Windkraftanlagen und Straßenbau zunehmend landwirtschaftliche Flächen beanspruchen, geht es auch darum, die Interessen der Grundeigentümer zu vertreten. Nicht zuletzt belegen die Zahlen aus dem Beratungsportfolio, dass sich die Betriebe kontinuierlich weiterentwickeln und in die Zukunft investieren.
Franz Waldenberger: Innviertel mit Stärke in Tierhaltung
LK-Präsident Franz Waldenberger betont, dass das Innviertel zu jenen Regionen gehöre, in denen sich die Stärke der oberösterreichischen Tierhaltung zeige. Milch- und Rinderwirtschaft dort sei ebenso wie die Geflügelwirtschaft das Ergebnis von unternehmerischem Mut, kontinuierlicher Investition und Nutzung der naturräumlichen Stärken.
Wie schnell sich die Bedingungen ändern können, zeige aber das heurige Jahr: 2026 geht als das schwerwiegendste Dürrejahr in der Geschichte der österreichischen Landwirtschaft ein. Schadensausmaß: rund eine Milliarde Euro, davon 200 Millionen Euro in Oberösterreich.
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