Wo um diese Jahreszeit normalerweise die Vorfreude auf die Ernte überwiegt, herrscht heuer Anspannung. Die Trockenheit der vergangenen Monate hat auf vielen Feldern im Marchfeld deutliche Spuren hinterlassen. Die Ähren bleiben vielerorts kleiner, die Böden sind ausgetrocknet und die Ertragserwartungen sinken. Gleichzeitig belasten hohe Betriebsmittelkosten und niedrige Erzeugerpreise die Betriebe. Für viele Bauern geht es längst nicht mehr nur um die Höhe der Ernte, sondern um die wirtschaftliche Zukunft ihrer Höfe.
Besonders angespannt ist die Lage in einer der bedeutendsten Ackerbauregionen Österreichs. Jeder zweite Acker des Landes liegt in Niederösterreich, allein die vier Weinviertler Bezirke verfügen über eine ähnlich große Ackerfläche wie ganz Oberösterreich. In Lassee bewirtschaften 36 Familienbetriebe rund 4.000 Hektar Ackerland, zwei Drittel davon biologisch. Angebaut werden vor allem Getreide, Gemüse und Erdäpfel.
Erträge deutlich unter Erwartung
Bei einem Lokalaugenschein in Lassee warnten Niederösterreichs Landesvize Stephan Pernkopf, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und LK-Vizepräsident Lorenz Mayr vor den Folgen der anhaltenden Trockenheit. Im Marchfeld fielen heuer teils um bis zu 40 Prozent weniger Niederschläge als üblich. Erste Ergebnisse bei der Wintergerste liegen bereits deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, bei weiteren Kulturen werden Ertragseinbußen von bis zu 30 Prozent und mehr erwartet.
„Die Bäuerinnen und Bauern sichern unsere Lebensmittelversorgung und brauchen daher mehr und nicht weniger Unterstützung“, betonte Pernkopf. Er fordert einen Importstopp für Lebensmittel, die nicht nach denselben Standards produziert werden wie heimische Produkte.
Wasser wird zum Schlüsselfaktor
Während die Politik auf Investitionen in Bewässerungssysteme, humusreiche Böden und klimaangepasste Produktionsmethoden verweist, fordert die Landwirtschaftskammer zusätzliche Absicherungen gegen Dürreschäden. Die Pflanzen stünden vielerorts unter enormem Stress, ein nachhaltiger Wetterumschwung sei derzeit nicht in Sicht.
Die Bäuerinnen und Bauern sichern unsere Lebensmittelversorgung und brauchen daher mehr und nicht weniger Unterstützung.
Stephan Pernkopf
LH-Stellvertreter
Wie angespannt die Lage auf den Höfen ist, schildert Gemeindebauernratsobmann Christian Gasselich. Seit März habe es lediglich dreimal mehr als zehn Millimeter Regen gegeben. Gleichzeitig seien die Agrarmärkte volatiler denn je, während die Kosten für Dünger und Diesel weiter steigen. „Von jeder Semmel kommt nur ein Cent beim Bauern an“, sagt Gasselich. Sein Appell an die Konsumenten lautet daher, bewusst heimische Lebensmittel zu kaufen und damit die regionale Landwirtschaft zu stärken.
Für viele Betriebe geht es heuer nicht nur darum, wie viel Getreide in den Lagerhallen landet. Die entscheidende Frage lautet, ob sich die Produktion unter diesen Bedingungen auch in Zukunft noch rechnet.
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