Der heurige Frühjahr hat Spuren hinterlassen. Weite Teile Österreichs verzeichnen ungewöhnlich niedrige Wasserstände, vor allem in Flüssen, Grundwasserkörpern und Böden. Für viele Betriebe ist das kein abstraktes Problem mehr: Wer in dieser Saison auf Bewässerung angewiesen ist, spürt den Druck bereits.
Gregor Laaha, Hydrologe und Umweltstatistiker an der BOKU University, beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Die Dürre ist in Österreich angekommen und hat sich bereits durch den gesamten Wasserkreislauf fortgepflanzt", sagt er. Was als trockenes Frühjahr begann, hat sich zur handfesten hydrologischen Krise ausgeweitet und eine frühe Hitzewelle verschärft die Lage weiter.
Grundwasser füllt sich nicht mehr auf
Das eigentliche Problem liege tiefer. Winterniederschläge sichern normalerweise die Grundwasserreserven für die Sommermonate. Doch dieser Puffer funktioniere zunehmend nicht mehr. „Wir befinden uns in einer Situation, in der unter normalen Bedingungen keine ausreichende Grundwasserneubildung mehr stattfindet", erklärt Laaha.
Der Grund: Die steigende Verdunstung durch höhere Temperaturen sorgt dafür, dass Niederschläge kaum noch in tiefere Bodenschichten gelangen, weder im Winter noch im Sommer. Daten des Hydrographischen Zentralbüros belegen an zahlreichen Messstellen außergewöhnlich niedrige Stände für diese Jahreszeit. Besonders betroffen sind Nord- und Südostösterreich, wo die Niederwasserabflüsse in den vergangenen 40 Jahren um über 20 Prozent zurückgegangen sind.
Bewässerung löst das Problem nicht
Für Landwirtschaft bedeutet das: Die gewohnten Antworten greifen zu kurz. Wer auf Bewässerung setzt, schöpft aus einem Vorrat, der sich immer langsamer auffüllt. „Wer Grundwasser entnimmt und zur Bewässerung einsetzt, erhöht letztlich auch die Verdunstung", sagt Laaha. „Langfristig müssen wir stärker über Umstellungen nachdenken." Gemeint sind trockenheitsresistente Kulturen, angepasste Fruchtfolgen und veränderte Bewirtschaftungsformen. Kurzfristig bleibt Bewässerung oft unvermeidlich, doch als alleinige Strategie reicht sie nicht aus.
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Trends der jährlichen Niederwasserabflüsse in Österreich
36,6 Grad in Bad Deutsch-Altenburg: Hitzewelle verschärft die Lage
Den vorläufigen Höhepunkt markierte bisher der 21. Juni 2026: Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich war mit 36,6 Grad bereits zum zweiten Mal in Folge der heißeste Ort Österreichs. Am Samstag hatte der Ort im äußersten Osten des Landes schon 36,0 Grad verzeichnet. Insgesamt wurden an 18 GeoSphere Austria-Messstationen mindestens 35,0 Grad gemessen. Ein Ende ist nicht in Sicht: Gegen Ende der Woche sind laut GeoSphere Austria sogar 37 Grad möglich. Für die ohnehin angespannte Dürresituation bedeutet das zusätzlichen Druck. „Verantwortlich ist die Zufuhr subtropischer Warmluft mit einem Ausläufer des Azorenhochs", erklärt GeoSphere Austria-Klimatologe Peter Müller. Und die Hitzetage werden mehr: Von 1961 bis 2024 stieg ihre mittlere Zahl in Wien und Innsbruck um rund 27 Tage pro Jahr. „Was früher Ausnahme war, gehört heute zum sommerlichen Normalfall", so Müller.
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Österreich braucht einen Dürreplan
Was Laaha fordert, ist ein nationaler Dürremanagementplan der gemeinsam mit Behörden, Wasserversorgern, Landwirtschaft und Wirtschaft erarbeitet werden soll. Er soll auf drei Säulen stehen: erstens ein flächendeckendes Echtzeit-Monitoring des gesamten Wasserkreislaufs, zweitens sektorspezifische Schwellenwerte, die frühzeitig anzeigen, wann kritische Engpässe bei Trinkwasser, Bewässerung oder Schifffahrt drohen, und drittens ein Vorhersagesystem, das mehrere Monate in die Zukunft blickt.
Die BOKU University arbeitet derzeit gemeinsam mit der TU Wien an einem Pilotkonzept für ein integriertes Dürre-Monitoring. Erste Ergebnisse zeigen: Die Lage wird sich bei weiter steigenden Temperaturen verschärfen. „Auch im wasserreichen Österreich, das sich gerne als Wasserschloss Europas versteht, wird Dürre zunehmend zur hydrologischen Gefahr", so Laaha. „Wir brauchen Dürrepläne und zwar jetzt."
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