Soja zählt weltweit zu den wichtigsten Futterpflanzen. Die Züchtung und Produktion des eiweißreichen Futtermittels fanden bis zur Jahrtausendwende nahezu ausschließlich außerhalb Europas statt. Mit der Zeit rückten jedoch sowohl die Abhängigkeit von Importen (Stichwort Regenwaldabholzung in Brasilien) als auch die Themen Gentechnikfreiheit und Herkunft stärker in den Fokus.
Heute gehört Österreich – nach Italien, Frankreich und Rumänien – zu den größten Sojaproduzenten Europas. Im vergangenen Jahr wurden auf 86.000 Hektar Anbaufläche 272.000 Tonnen Sojabohnen geerntet, davon 36 Prozent in kontrollierter Bio-Qualität. Bemerkenswert ist der hohe Anteil der österreichischen Ernte, der direkt in die Lebensmittelverarbeitung fließt: Bis zu 50 Prozent werden nicht als Futtermittelrohstoff genutzt. „Das stellt ganz andere Anforderungen an das Ausgangsprodukt hinsichtlich Qualität und Verarbeitungseigenschaften. Bei Speisesoja sind Korngröße, Homogenität, Reinheit, Textur und Prozessstabilität entscheidende Kriterien“, erklärt Josef Fraundorfer, Geschäftsführer der Saatbau Linz.
Erst "Flaute", nun europaweites Kompetenzzentrum
Das Unternehmen beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit der Sojabohnenzüchtung. „Nach dem EU-Beitritt gab es zunächst eine Flaute. Das Interesse an Sojabohnen war damals nicht besonders groß“, erinnert sich Fraundorfer. Dies änderte sich, als Nordamerika zunehmend auf gentechnisch veränderte Sojabohnen setzte. Gemeinsam mit der Probstdorfer Saatzucht intensivierte Saatbau Linz daher ab 2006 die eigene gentechnikfreie Züchtung in der gemeinsamen Tochterfirma „Saatzucht Donau“. Der Standort Reichersberg in Oberösterreich entwickelte sich mit dem Ziel, eine eigenständige, langfristig abgesicherte und gentechnikfreie europäische Züchtungslinie aufzubauen, zu einem europäischen Kompetenzzentrum für Sojazüchtung.
Bislang wurden über die Saatzucht Donau 71 europäische Sojasorten registriert. In den sechs mitteleuropäischen Sojaanbauländern ist das Unternehmen Marktführer: Jedes dritte Sojafeld in Mitteleuropa wird mit einer Sorte der Saatzucht Donau bestellt. „Mit dieser Arbeit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Eiweißsouveränität“, betont Fraundorfer.
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Soja-Jungbestand
Tofu im Trend: "High Protein" und "Clean Eating"
Wenn von Soja als Lebensmittel die Rede ist, steht meist Tofu im Mittelpunkt. „Tofu hat den Sprung vom Nischenprodukt zum Standardartikel geschafft und ist heute in nahezu jedem Supermarkt erhältlich“, sagt Christoph Eschner. Er ist Geschäftsführer der „Sojarei“, des größten Tofu-Herstellers Österreichs.
Das Unternehmen mit Sitz in Traiskirchen (NÖ) ist seit 1984 am Markt und exportiert seine Produkte mittlerweile weltweit. Dabei verfolgt es zwei klare Grundsätze: 100 Prozent österreichische Sojabohnen und 100 Prozent Bio-Qualität. Sojarei profitiert auch vom anhaltenden Trend zu proteinreicher Ernährung. „Social Media, Influencer aus dem Fitnessbereich und ein gestiegenes Bewusstsein der Konsumenten haben diese Entwicklung stark befördert. In der Folge hat auch der Handel reagiert und den hohen Proteingehalt vieler Produkte gezielt hervorgehoben“, erklärt Eschner.
Darüber hinaus passt Tofu hervorragend zum Trend des „Clean Eating“, denn er besteht neben Soja lediglich aus Wasser und einem Gerinnungssalz. Der Absatz entwickelt sich seit zehn bis 15 Jahren kontinuierlich nach oben, zuletzt sogar mit zunehmender Dynamik. „Im vergangenen Jahr konnten wir ein Plus von 20 Prozent verzeichnen“, berichtet Eschner, der auch künftig mit einem überdurchschnittlichen Wachstum rechnet.
Besonders wichtig ist ihm, dass Tofu nicht als bloßes Ersatzprodukt wahrgenommen wird. „Wir wollen kein Fleisch imitieren, sondern Tofu als eigenständiges Lebensmittel etablieren. Ich denke, das ist uns bereits ganz gut gelungen.“
Globale Versorgungssysteme sind verwundbar
Josef Fraundorfer verweist als Pflanzenzüchter zudem auf die Bedeutung der Versorgungssicherheit bei Agrarprodukten. Diese sei in Österreich über Jahrzehnte hinweg als Selbstverständlichkeit betrachtet worden. Kriege, Handelskonflikte, der Klimawandel und eine zunehmende Marktkonzentration würden jedoch die Verwundbarkeit globaler Versorgungssysteme immer deutlicher machen.
Grundsätzlich bewertet der Saatbau-Geschäftsführer die Versorgungssicherheit in Österreich aufgrund des hohen Eigenversorgungsgrades – etwa bei tierischen Produkten und verschiedenen Ackerkulturen – derzeit als gut. „In manchen Bereichen, beispielsweise bei Obst, Gemüse, pflanzlichen Ölen, Eiweißfuttermitteln oder Düngemitteln, besteht aufgrund der Importabhängigkeit jedoch ein selektives Risiko“, so Fraundorfer.
Saatbau Linz
Gründung: 1950
Tochterunternehmen & Beteiligungen: 20 (Europa, Nordamerika, Asien)
Umsatz: ~ 261,5 Millionen Euro
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 533
Die Saatbau Linz erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 261,5 Millionen Euro, was in etwa der Höhe des Jahres 2024 entspricht.
Christoph Eschner (l.) und Josef Fraundorfer
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Der Züchtungsstandort Reichersberg mit seinen Versuchsparzellen.
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