Pflanzenschutz im WW/Herbst

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Schon im Herbst an den Pflanzenschutz im Wintergetreide denken

Die chemische Unkrautregulierung wird im Herbst aufgrund der vielerorts stärker werdenden Gräserproblematik immer bedeutender. Dieser Beitrag soll zum Gelingen der Herbstmaßnahmen beitragen.

Saubere Bestände sind die Grundlage für eine erfolgreiche Wintergetreideproduktion. Vor allem in den feuchteren Landesteilen (westliches Niederösterreich, Oberösterreich, Südburgenland, Steiermark und Kärnten) ist bei vielen Betrieben die Herbstapplikation bereits Standard. Aber auch im Trockengebiet ist, zumindest bei den früher angebauten Kulturen, ein verstärkter Trend zum Herbsttermin zu erkennen.

Grundsätzlich sind Herbstbehandlungen bei optimaler Präparats- und Aufwandmengenwahl schonender für die Kultur. Die Ungräser sind effektiver zu bekämpfen. Ein weiterer Vorteil besteht bei breitblättrigen Unkräutern, wie beispielsweise bei früh um Wasser konkurrierenden Ehrenpreisarten. Durch die frühe Applikation werden diese wesentlich leichter erfasst als im oft schon blühenden Zustand im Frühjahr. Zudem ist vor allem bei weit entwickelten Wintergersten im Frühjahr oft die Befahrbarkeit nicht gegeben, oder aufgrund zu tiefer Temperaturen eine zeitgerechte Applikation nicht möglich. Dann wachsen vor allem Gräser, aber auch die breitblätterigen Unkräuter sprichwörtlich davon und sind nur mehr schwer zu kontrollieren.

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass spät angebaute Weizenbestände durchaus bis Ende November bzw. Anfang Dezember effektiv und schonend behandelt werden können. Zum Teil scheitert die Herbstbehandlung regional eigentlich nur an der Tradition des „Spritzeneinwinterns“ vor dem Herbstanbau. Das ist ohnehin zu hinterfragen, da in manchen Jahren durchaus ungebetene Gäste, wie beispielsweise der Getreidelaufkäfer, die frisch gesäten Bestände heimsuchen und gezielte Applikationen auf jeden Fall notwendig wären.

Strategieänderung bei Ackerfuchsschwanz

Mit Flufenacet fällt aktuell und künftig ein wichtiger Baustein in der Ungräserbekämpfung, speziell gegenüber Ackerfuchsschwanz, weg. Für die Anwendung im Herbst 2026 haben sich aber viele Landwirte noch rechtzeitig mit flufenacethältigen Produkten eingedeckt und dürfen die betroffenen Produkte (z.B. Cadou SC bis 5.12.2026, Battle Delta bis 10.12.2026) im Rahmen der Aufbrauchsfrist noch legal einsetzen.

Damit sind ab nun vielerorts strategische Anpassungen für eine erfolgreiche Ackerfuchsschwanzbekämpfung notwendig und absolut erforderlich. Ein wesentlicher Baustein ist der langjährig bewährte Wirkstoff Prosulfocarb, der mittlerweile bereits in vielen Kombinationen (Boxer + Express, Mateno Trioset, Beflex Pro) angeboten wird.

Es wird aber auch hinsichtlich eingesetzter Technik und Zeitpunkt deutlich anspruchsvoller. Beispielsweise fördert eine flache und intensive Stoppelbearbeitung unmittelbar nach der Ernte das Auflaufen der Ackerfuchsschwanzpflanzen. Auf Problemstandorten könnte auch die Anlage eines sogenannten „falschen Saatbetts“ einen wesentlichen Beitrag zur Regulierung leisten. Aber auch für die Wirkung und die Verträglichkeit der Prosulfocarbprodukte ist ein feinkrümmeliges Saatbett und eine gleichmäßig tiefe Kornablage unbedingt erforderlich. Der Applikationstermin muss für eine zufriedenstellende Wirkung sehr früh gesetzt werden, zudem stehen auf typischen Fuchsschwanzstandorten auch zwei Überfahrten im Herbst mit unterschiedlichen Wirkstoffen im Raum. In den nächsten Jahren könnte mit dem derzeit in Deutschland bereits notfallsregistrierten Wirkstoff Cinmethylin (Markenbezeichnung Luximo) ein neuer zusätzlicher Baustein bei der Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Winterweizen zur Verfügung stehen und etwas zur Entspannung beitragen.

Windhalm und breitblättrige Unkräuter

Die Grundbausteine der meisten Produkte sind die Wirkstoffe Chlortoluron, Diflufenican und Pendimethlin. Manche Pflanzenschutzanbieter empfehlen auch zur Absicherung gegenüber bereits aufgelaufenen breitblättrigen Unkräutern die Zumischung der Wirkstoffe Tribenuron (z.B. Express SX) oder Florasulam (z.B. Saracen und Saracen Delta), sofern diese in den Produkten nicht ohnehin bereits enthalten sind (z.B. Viper compact).

Beim Wirkstoff Chlorotoluron (Produkt Lentipur 500, Teilwirkstoff von Carmina 640 und Trinity) kann es bei sehr hohen Aufwandmengen vor allem bei Weizen zu Sortenunverträglichkeiten kommen. Bis zur Jahrtausendwende wurde die Verträglichkeit des Wirkstoffes (Vorgängerprodukt Dicuran) noch in der Beschreibenden Sortenliste als Herbizidempfindlichkeit eingestuft. Aktuell müssen aber eventuelle Unverträglichkeiten bei den einzelnen Saatgutanbietern abgefragt werden. Die empfohlenen Aufwandmengen von z.B. 1,5 l/ha Lentipur (750 g/ha Chlortoluron) sollten aber bei der Herbstanwendung generell kein Problem darstellen. Bei der zugelassenen Höchstmenge von 3,0 l/ha (Überlappungen) kann es aber zu phytotoxischen Erscheinungen kommen. Empfindlicher ist bei Weizen aber auf jeden Fall die Frühjahrsapplikation zur Windhalmbekämpfung mit diesem Wirkstoff.

Bei den Produkten sind vor dem Einsatz auch die Zulassungsbestimmungen zu beachten. In den Kulturen Wintergerste und Winterweizen sind eigentlich alle derzeit angebotenen Herbstherbizide registriert. Ein engeres Zulassungsfenster zeigen derzeit die Produkte Beflex (nur Wintergerste und Winterweizen) und Stomp aqua (kein Winterdurum). Bei Dinkel und vor allem bei Winterhafer gibt es schon deutlich mehr Produkteinschränkungen.

Daher sollten die Landwirte bezüglich Präparatsauswahl, Anwendungszeitpunkt und Aufwandmenge die Empfehlungen des regionalen Außendienstes der Produktvertreiber und die Expertise der Offizialberatung (Landwirtschaftskammer, etc.) auf jeden Fall in Anspruch nehmen.

Vektorenkontrolle in frühgesäten Beständen

Eine milde Herbstwitterung fördert vor allem bei frühgesätem Getreide (bis 15. Oktober) die Gefahr von Infektionen mit dem Gelbverzwergungsvirus (BYDV). Bei entsprechendem Flug der übertragenden Vektoren (infizierte Blattläuse) wäre ein gezielter Insektizideinsatz im Rahmen der Herbizidapplikation auf jeden Fall zu empfehlen. Für diesen Zweck sind Kontaktpräparate aus der Gruppe der Pyrethroide (Deltamethrin, Tau-Fluvalinat, Esfenvalerat) oder systemisch wirkende Produkte (Acetamiprid ,etc.) empfehlenswert. Zu Letzteren gehört das Produkt Carnadine.Es darf aber erst ab BBCH-Stadium 21 appliziert werden, zeigt dafür aber eine deutlich längere Wirkungsdauer. Mittlerweile sind einige angebotene Wintergerstensorten gelbverzwergungstolerant (etwa Amalia, Duchesse, RGT Alessia, Fascination, LG Zorica, Paquita). Der Anbau der Neuzüchtungen ist mit Sicherheit interessant, birgt andererseits auch eine gewisse Gefahr in sich. Denn frühgebaute Wintergersten können leider auch mit dem durch Zwergzikaden (Wandersandzirpe) übertragenen Weizenverzwergungsvirus (WDV) infiziert werden. Gegenüber diesem Virus sind die angeführten BYDV-toleranten Gerstensorten leider trotzdem anfällig.

Problemfall Zwergzikade

Zwergzikaden sind einerseits grundsätzlich schwer zu bekämpfen, zum anderen ist aktuell auch kein Insektizid gegenüber diesem Schadinsekt registriert. Bestenfalls gibt es bei der Blattlausbekämpfung eine Teilwirkung gegenüber mitauftretenden Zikaden. Zumindest bei Winterdurum zeigen sich hinsichtlich der Anfälligkeit gegenüber Weizenverzwergungsinfektionen schon deutliche Sortenunterschiede. Beispielsweise tolerieren Tennodur und Sambadur den Virusbefall besser als Auradur und Diadur. Bei Winterweizen verfügt der als Ethanolweizen angebotene Zampano über eine überdurchschnittliche WDV-Toleranz.

Daher ist der Schlüssel aus pflanzenbaulicher Sicht nach wie vor die Saatzeit. Angesichts der geänderten Witterungsverhältnisse der letzten Jahrzehnte sollte ein Wintergetreideanbau in den ackerbaulichen Gunstlagen im September auf jeden Fall unterbleiben. Als Ausnahme sind hier sicher die raueren Lagen im Mühl- und Waldviertel zu sehen, aber auch nur für die Wintergerstensaat.

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