KI trifft Landwirt

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Landwirtschaft trifft KI

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung prägen immer mehr den Alltag. Auf der Tagung „AI meets Agriculture“ wurden vielversprechende Anwendungen und Projekte für die Landwirtschaft vorgestellt. Ein Blick auf die spannendsten Entwicklungen.

Allerorts schießen Rechenzentren wie Schwammerln nach dem Regen aus dem Boden. Wie die tagesschau berichtet, wollen die Tech-Riesen Amazon, Google, Microsoft und Meta in diesem Jahr bis zu 725 Milliarden Dollar für Künstliche Intelligenz (KI, auf Englisch AI) ausgeben. Neben Anwendungen in der Freizeit wird die KI immer öfter auch im beruflichen Alltag eingesetzt. Während einige vor möglichen Gefahren warnen – was ist etwa, wenn die KI außer Kontrolle gerät und wie schaut es mit Datenschutz und Urheberrechten aus? –, verweisen andere auf ihre Vorteile: hohe Geschwindigkeit, Effizienz, Automatisierungsmöglichkeiten etc.

Doch was ist KI eigentlich? „Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren“, ist auf der Webseite des Europäischen Parlaments nachzulesen. Sie ist ein wesentlicher Treiber für die digitale Transformation unserer Gesellschaft. Deshalb ist KI auch eine wichtige Priorität der EU.

„Künstliche Intelligenz trifft uns überall und in jedem Bereich unseres Lebens“, sagte Heinrich Prankl, Leiter der Forschung am Francisco Josephinum und Geschäftsführer von Josephinum Research bei der Tagung „AI meets Agriculture“ diese Woche im Francisco Josephinum in Wieselburg. Der Standort in Niederösterreich nimmt in Österreich eine Vorreiterrolle ein, wenn es um neue Technologien im Agrarbereich geht.

Österreichische Initiativen und Projekte

Um sie zu festigen, finanziert das Land Niederösterreich eine neue Stiftungsprofessur für „datenzentrierte Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft“ mit rund 1,5 Millionen Euro. Sie wird am Campus Josephinum der Fachhochschule Wiener Neustadt angesiedelt sein. Wie Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf berichtete, haben sich bereits 15 „hochkarätige Persönlichkeiten“ dafür beworben, die Personalentscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

Bereits im Jahr 2017 wurde im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums die Plattform „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ gegründet. 2023 wurde dann der Aktionsplan „Smart Farming“ von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und dem damaligen Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky vorgestellt. Entwickelt wurde er unter Einbeziehung von rund 100 Experten und 51 Organisationen. Mit mehr als 30 Maßnahmen in acht Handlungsfeldern wurde dort die Grundlage für viele zukünftige digitale Anwendungen geschaffen.

Digitale Anwendungen mit echtem Nutzwert

Schon heute gibt es zahlreiche Anwendungen, die einen hohen Nutzwert haben, hier nur drei Beispiele: Seit dem Frühjahr 2021 stellt das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) den RTK-Korrekturdatendienst APOS (Austrian Positioning Service) kostenfrei für die österreichische Land- und Forstwirtschaft zur Verfügung. Er erlaubt die zentimetergenaue Positionsbestimmung und ist damit Voraussetzung für viele Smart-Farming-Anwendungen. Diese Initiative ist in Kooperation mit dem damaligen BML sowie Landwirtschaftskammer und AMA entstanden. „Bereits heute sind über 7500 Nutzerinnen und Nutzer und fast 10.000 Geräte registriert. Damit werden auf den Betrieben Arbeitsschritte schneller erledigt und Betriebsmittel eingespart“, erklärte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auf der Tagung.

Mit TerraZo hat das Josephinum Research eine gratis Web-App geschaffen, die es den Landwirten erleichtern soll, ohne hohe Anschaffungskosten für neues Gerät und teure Software, teilflächenspezifisch zu düngen. Fast 4.000 Nutzer sind laut BMLUK registriert.

Auch eine vielversprechende kostenlose App ist SatGrass. Federführend entwickelt wurde sie von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. Über 4.500 registrierte Nutzer sollen von ihr bereits profitieren und den optimalen Schnittzeitpunkt im Grünland für bessere Futterqualität und sichere Erträge ermitteln.

Mit dem Agrar Atlas und dem Agrar-Geodatenportal stellt das BMLUK seit 2022 offene Geodaten auf Basis der EU-Inspire-Richtlinie zur Verfügung. „Damit schaffen wir einen zentralen Zugangspunkt zu landwirtschaftlichen Daten. Die Nachfrage bestätigt den Bedarf. Zirka 1.000 individuelle Einzelzugriffe werden hier pro Tag verzeichnet“, sagte Totschnig.

Pionierprojekt Innovation Farm

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Der Roboter Farming GT des deutschen Start-Ups Farming Revolution

Das österreichische Pionierprojekt im Bereich digitaler Trends, Technologien und Entwicklungen in der Landwirtschaft ist die Innovation Farm. Seit 2020 wurden bereits Dutzende Smart-Farming-Anwendungen in Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung, Tierhaltung und Betriebsmanagement gemeinsam mit Vertretern von Forschung, Herstellern und Praxis getestet und die Ergebnisse für Landwirte und Akteure der Branche aufbereitet.

Bei einem Rundgang konnte man sich vergangene Woche einen Überblick über ausgewählte, interessante Technologien verschaffen. Der Roboter Farming GT des deutschen Start-Ups Farming Revolution erkennt über Kameras und KI das Unkraut und entfernt es mechanisch. Insbesondere in Sonderkulturen kann das wirtschaftlich sinnvoll sein.

Eine Möglichkeit, Spritzmittel in der konventionellen Landwirtschaft einzusparen, bietet die punktgenaue Applikation von Herbiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln. Möglich ist das etwa mit ARA der Firma ecorobotix, vertrieben durch LTC, oder „SpotSprayING“, entwickelt und produziert von Farm-ING. Die Firma aus Horn wurde beim Niederösterreichischen Innovationspreis 2026 mit dem Sonderpreis „Digitale Innovation“ für das Projekt „Ultra High Precision SpotSprayING – Pflanzenschutz nur dort, wo er wirklich benötigt wird“ ausgezeichnet. Auch diese Technologie basiert auf hochauflösenden Kameras und KI-Algorithmen, die Kulturpflanzen und Unkraut in Echtzeit erfassen.

Als offizieller Technologiepartner nutzt der Landmaschinenhersteller Pöttinger die österreichische Innovation Farm, um zukunftsweisende „Landwirtschaft 4.0“-Systeme unter praxisnahen Bedingungen zu erproben, zu optimieren und Landwirten vorzuführen.

Zu sehen gab es auch den teilautonomen Motormäher Rapid Cosmos, von Paltech den autonomen Grünlandroboter, der eine präzise Unkrautbekämpfung ohne Chemie erlauben soll, und Drohnen, die vor allem für die hochauflösende Datengewinnung interessant sind. Bei all diesen Lösungen gilt: Sie setzen sich nur durch, wenn sie sich auch wirtschaftlich rechnen.

Kofinanzierte KI-Projekte

Damit aus technologischen Möglichkeiten praxistaugliche Produkte werden, braucht es mehr als gute Algorithmen: Unternehmen benötigen Zugang zu Expertise, Daten, Testinfrastruktur, Rechenleistung, Finanzierung und geeigneten Partnern. Genau hier setzen die auf der Tagung vorgestellten und von der Europäischen Union und der Republik Österreich kofinanzierten Projekte AgrifoodTEF, EDIH AI5innovation und AI Factory Austria AI:AT an. Ihre enge Zusammenarbeit verbindet unterschiedliche Kompetenzen und Infrastrukturen zu einem durchgängigen Unterstützungsangebot für Unternehmen – von der ersten Idee über die Entwicklung und Erprobung bis hin zur Validierung unter realen Bedingungen.

Der Traktor unter Strom

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