Großbritannien befindet sich im nunmehr sechsten Jahr nach dem Brexit. Dass sich das Land entschlossen hat, die Europäische Union zu verlassen, hat wohl kaum eine Branche so sehr beeinflusst wie die Landwirtschaft.
Auf der Haben-Seite stehen aus bäuerlicher Sicht wohl einige Erleichterungen, was Betriebsmittel betrifft. So sind jenseits des Ärmelkanals mittlerweile einige Pflanzenschutzmittel zugelassen, die sich in der EU noch im Prüfprozess befinden. Zuletzt machte man auch mit der Zulassung einer neuen Gerstensorte von sich reden. Diese wurde mittels Neuer Züchtungstechniken (NGT) entwickelt, ein Novum in Europa.
Geld gibt es nur für Umweltleistungen
Demgegenüber steht ein massiver Umbruch bei den Fördermitteln. Mit dem Austritt aus der EU war für die knapp 100.000 britischen Farmer auch das Ende der GAP vorgezeichnet. Politisch wurde das immer wieder als „Wiedererlangung der Kontrolle“ kommuniziert. Faktisch brach die Regierung in London mit der bewährten Zwei-Säulen-Struktur.
Das neue nationale Fördersystem heißt „Environmental Land Management Scheme“ (ELMS, zu Deutsch: Programm zur umweltgerechten Landbewirtschaftung). Direktzahlungen sind darin ein Auslaufmodell. Ab 2020 wurden diese noch teilweise gewährt. Der für 2028 anberaumte vollständige Ausstieg wurde aufgrund der knappen Staatskasse in London vor einem Jahr de facto vorgezogen, die Übergangszahlungen wurden auf ein absolutes Minimum reduziert. Auch heute stehen den Farmern drei Säulen für Leistungsabgeltungen zur Wahl. Diese sind:
eine Basisförderung für nachhaltiges Wirtschaften, etwa Zwischenfruchtanbau
eine für Biodiversitäts- und Gewässerschutzprojekte,
sowie eine für großflächige Wiedervernässung.
Führend im Strukturwandel
Jüngsten Medienberichten zufolge machen Farmer von den Öko-Zahlungen vor allem auf Grenzertragsstandorten Gebrauch. Kleine und mittlere Betriebe klagen laut einem Bericht in den DLG-Mitteilungen über massiven wirtschaftlichen Druck. Von einem „Förderloch“ war dort die Rede. In den offiziellen Statistiken lassen sich diese Effekte mittlerweile nachvollziehen. So ist das Einkommen der Branche von 2022/23 auf 2023/24 im Schnitt um mehr als die Hälfte eingebrochen. Ein Fünftel der britischen Milchviehhalter hat mittlerweile das Handtuch geworfen.
Indes verläuft der Strukturwandel so rasch wie kaum in einem anderen Land. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt mittlerweile bei 88 Hektar. Im agrarisch geprägten Nordosten der Insel sind es im Mittel sogar 145 Hektar. Ein Zehntel der Betriebe erwirtschaftet laut DLG nunmehr 62 Prozent des agrarischen Outputs der Nation. Auch um den Nachwuchs steht es einigermaßen schlecht. Nur fünf Prozent der Betriebsführer sind jünger als 35 Jahre. Hoch bleiben hingegen die Bodenpreise und das außerlandwirtschaftliche Interesse daran. 2023 wurden 56 Prozent der gehandelten landwirtschaftlichen Nutzfläche an externe Investoren verkauft.
Land-Agents entspannt
Dazu kommt im Vereinigten Königreich ein in Europa mittlerweile seltenes Grundbesitz-System. Gut zwei Drittel der Flächen stehen im Eigentum von Adelsfamilien, der Kirche oder dem Staat. Vor allem Erstere lassen ihren Besitz über sogenannte „Land Agents“ managen. Es handelt sich um Verwalter, die sowohl Pachtverhältnisse organisieren als auch über langfristige Investitionen entscheiden. Wohl mit ein Grund, warum der Aufschrei über die Umbrüche in der Landwirtschaft bisher ausblieb.
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