Lastwagen mit Maislieferung

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CBAM: Die ersten CO2-Einfuhrpreise für Dünger stehen fest

Mit Jahreswechsel wurde in der EU der CO2-Grenzausgleichsmechanismus für energieintensive Importe (CBAM) aktiviert. Nun wurden erste Tarife bekannt.

Während die Agrarminister auf EU-Ebene noch um eine Ausnahme für Stickstoffdünger ringen, hat die EU-Kommission planmäßig den Preis für Zertifikate auf Importe aus Drittstaaten gemäß der CBAM-Regelung vorgelegt. Einfuhren, die von Jänner bis März getätigt wurden, konkret vor allem Zement, Eisen, Stahl und Stickstoffdünger, werden rückwirkend mit Zertifikatskosten von 75,36 Euro belegt.

KAS aus Drittstaaten deutlich teurer

Die BauernZeitung hat bei Andreas Kraus, Abteilungsleiter Düngemittel in der Raiffeisen Ware Austria, nachgefragt, was das nun für den aktuellen Düngerpreis bedeutet. Der zu bezahlende Aufschlag ergibt sich demnach aus der Differenz zwischen dem tatsächlichen CO2-Ausstoß des Produkts und einem definierten Standardwert, jeweils multipliziert mit dem aktuellen Zertifikatspreis. „Der Standardwert wird schrittweise bis 2034 auf null reduziert“, weiß der Fachmann.

Durch die global gestiegenen Preise bleibt Importware trotz CBAM-Aufschlägen wettbewerbsfähig.

Andreas Kraus

Entsprechend dürfte sich dann die Preisentwicklung darstellen. Für Kalkammonsalpeter (KAS) bedeutet das bei Einfuhren Mehrkosten von 120 bis 130 Euro pro Tonne, bei Harnstoff seien es 45 bis 50 Euro. Glimpflich komme Diammonphosphat (DAP) mit einem Mehraufwand von 16 bis 20 Euro pro Tonne davon.

Bleibt die Frage, ob damit Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern preislich überhaupt noch haltbar sind. Kraus dazu: „Durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten sind die globalen Düngemittelpreise deutlich gestiegen. Dadurch bleibt Importware trotz CBAM-Aufschlägen weiterhin wettbewerbsfähig.“

Endkundenpreise zogen ebenso an

Mittlerweile sei Harnstoff durch den Iran-Krieg für Endkunden gar um 50 Prozent teurer als vor Kriegsbeginn, KAS verteuerte sich um ein Fünftel, NPK um zehn Prozent. Auch bei Phosphaten sei die Preissituation „angespannt“. „Innerhalb der EU bestehen derzeit insbesondere bei Harnstoff und NPK-Düngern nicht ausreichende Produktionskapazitäten, weshalb weiterhin eine starke Abhängigkeit von Importen, unter anderem aus Russland und Ägypten, besteht“, ergänzt Kraus. In Österreich sei dennoch kein Versorgungsengpass zu befürchten, da ein Großteil der Düngemittel aus Österreich und den umliegenden Ländern stammt.

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