BauernZeitung Herr Totschnig, die Eckpunkte des Dürrepakets stehen fest. Sagt Ihnen die gefundene Lösung zu?
Norbert Totschnig Angesichts dieser Dürre von historischem Ausmaß war klar: Wir können jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen. Es geht schließlich um die Existenz unserer bäuerlichen Familienbetriebe und die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln. Deshalb habe ich bis zuletzt für ein starkes und wirksames Hilfspaket gekämpft. Wir haben ein optimales Verhandlungsergebnis erzielt. Mit diesem Paket entlasten wir unsere Bäuerinnen und Bauern und schaffen finanziellen Spielraum. Die intensiven Verhandlungen binnen knapp zwei Wochen haben sich voll ausgezahlt.
BauernZeitung In den Medien war zuletzt vermehrt der Vorwurf des „Gießkannen-Prinzips“ zu lesen. Was sagen Sie dazu?
Norbert Totschnig Dieser Vorwurf verkennt die Dimension der Krise. Die Schäden ziehen sich durch ganz Österreich, durch alle Kulturen. Das gab es in diesem Ausmaß noch nie. Wenn so viele Betriebe gleichzeitig betroffen sind, hilft nur eine breite, möglichst unbürokratische Unterstützung. Genau das leistet etwa der Erlass der Sozialversicherungsbeiträge für zwei Monate. Das Geld bleibt auf den Höfen, damit die Bäuerinnen und Bauern direkt Futter, Saatgut und Betriebsmittel finanzieren können.
Wenn so viele Betriebe gleichzeitig betroffen sind, hilft nur eine breite, möglichst unbürokratische Unterstützung.
Norbert Totschnig
Landwirtschaftsminister
BauernZeitung Auch um die Frage der Gegenfinanzierung ist eine Debatte entbrannt. Ihre Sicht der Dinge?
Norbert Totschnig Fakt ist: Die Bäuerinnen und Bauern zahlen ihre Hilfe nicht selbst. Die bäuerlichen SV-Beiträge sowie die bestehenden Rücklagen bleiben unangetastet. Leistungen werden keinesfalls gekürzt. Die SVS steht finanziell auf einem sehr soliden Fundament. Die Beitragsentlastung wird vom Finanzministerium ausgeglichen; im Gegenzug wird ein Teil des Bundeszuschusses angepasst. Die Finanzierung und alle Leistungen der Sozialversicherung bleiben zu 100 Prozent gesichert.
BauernZeitung Welche Maßnahmen braucht es, um künftig besser auf Dürreereignisse dieser Dimension vorbereitet zu sein?
Norbert Totschnig Österreichs landwirtschaftliche Risikoversicherung ist europaweit ein Vorzeigemodell. Um die Durchversicherungsrate weiter zu steigern, erhöhen wir den öffentlichen Prämienzuschuss zur Dürre-Indexversicherung für 2027 einmalig von 55 auf 65 Prozent. Parallel dazu stärken wir die Anpassung an den Klimawandel: Wir fördern effiziente Bewässerung, unterstützen bodenschonende Bewirtschaftung über das Agrarumweltprogramm und investieren in die Forschung für trockenheitstolerante Sorten.
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