Indigene Frau mit Hut und blauem Umhang steht vor einem Backsteingebäude auf dem Land und zeigt auf das Dach.

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Perspektiven für Kleinbäuerinnen

Ein gemeinsames Projekt von Jugend Eine Welt und dem Land Tirol stärkte in Ecuador indigene Kleinbäuerinnen – Frauen, die ihre Familien ernähren, traditionelles Wissen bewahren und ihre Lebensräume schützen. Dabei treten bemerkenswerte Parallelen zwischen alpiner und andiner Landwirtschaft zutage.

In Guamote, einer der ärmsten Regionen Ecuadors im Herzen der Anden, sind die Lebensbedingungen prekär: Armut, Umweltzerstörung, Ernährungsknappheit und soziale Ungleichheit bestimmen den Alltag. Hinzu kommt die zunehmende Landflucht. Damit insbesondere indigene Kleinbäuerinnen ihre Lebensgrundlage langfristig sichern können, kam Unterstützung aus Österreich. Martin Schachner, der Projekt- und Regionalverantwortliche für Ecuador und Mitarbeiter der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, betreute das Projekt, das von Anfang 2025 bis Ende Februar 2026 gelaufen ist, vor Ort. Insgesamt wurden 341 indigene Kleinbäuerinnen von 19 Dorfgenossenschaften unterstützt. Im Mittelpunkt des Projekts stand der Erhalt einer umweltgerechten und kulturangepassten Berglandwirtschaft. Sie soll das wirtschaftliche Überleben der Kichwa-Bergbauernfamilien sichern, indem ihr Familieneinkommen nachhaltig gesteigert wird.

Klima und Infrastruktur

Die klimatischen Bedingungen erschweren die Landwirtschaft im Andenstaat erheblich. „Die natürliche Waldgrenze liegt über 4.000 Metern, das höchstgelegene Dorf im Projektgebiet auf rund 3.900 Metern Seehöhe. In einem durchschnittlichen Betrieb in der Gemeinde Cebadas werden etwa drei bis fünf Hektar bewirtschaftet – überwiegend Dauergrünland. In den tiefer gelegenen Dörfern ermöglichen Bewässerungssysteme inzwischen auch den Anbau von Erdbeeren und die Anlage von Streuobstwiesen“, berichtet Martin Schachner, der anmerkt, dass aufgrund der teils hohen und steilen Lagen, fast alle Arbeiten in Handarbeit erfolgen müssen. Spürbar seien auch in Ecuador die Auswirkungen des Klimawandels, etwa durch lange Trockenperioden oder dass Regenzeiten sogar nahezu ausfallen. Hinzu kommt erschwerend die Erreichbarkeit: Noch vor wenigen Jahrzehnten waren die meisten Dörfer von keiner Straße erschlossen.

Hauptthema: Ernährungssicherheit

Das Projekt basierte auf drei Komponenten, wobei der Fokus auf nachhaltiger Entwicklung lag. Der Schwerpunkt lag im Bereich der Ernährungssicherheit: „Es ging unter anderem um die Anlage von Hausgärten. Dort haben wir die Bäuerinnen zu Themen wie organischer Düngung geschult, um die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern“, erklärt Martin Schachner, der anmerkt, dass rund 70 % des Obsts und Gemüses dem Eigenbedarf dient und 30 % auf Märkten verkauft wird.

Circa 30 % der Produkte – so schätzt Martin Schachner – werden auf Märken verkauft, der Rest dient dem Eigenbedarf.

Mann in roter Jacke begutachtet Getreide auf einem überdachten Markt in Südamerika, umgeben von Händlerinnen und Getreidesäcken.

Im Rahmen des Projektes wurden insgesamt 341 indigene Kleinbäuerinnen unterstützt.

Indigene Frauen in bunter Tracht winken beim Projekt „Jugend Eine Welt" zur Agroökologie in Südamerika.

Eine Kleinbäuerin mit ihren Hühnern.

Lächelnde Frau mit Hut und blauem Umhang füttert Hühner in einem einfachen Hühnerstall aus Ziegelsteinen.

Viele der Bauern halten zudem Rinder, Hühner und Meerschweinchen - in Südamerika übliche Nutztiere. Angebaut werden Erdbeeren, Kohl, Salat, Sellerie, Zwiebel, Rüben, Brokkoli, Mangold, Petersilie, Karotten, Radieschen und vieles mehr. Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes lag in der Organisationsentwicklung. Bauern in Ecuador müssen quasi ohne staatliche Förderungen auskommen. Hierbei ging es um den Aufbau bzw. das Formalisieren von Genossenschaften. Ein weiteres Augenmerk lag im Bereich Umwelt- und Ressourcenschutz. Konkret ging es darum, wie die Bauern ihren Lebensraum verteidigen können (etwa bei geplanten Bergbauprojekten uvm): „Dabei wurden die Menschen über die möglichen Umweltschäden und ihre Rechte als Grundstückseigentümer informiert“, so Martin Schachner.

Organisationsführung und Management

Auch der Tiroler und Mitgründer von Jugend Eine Welt, Reinhard Heiserer, reist immer wieder nach Ecuador, um sich vor Ort – gemeinsam mit den für die Umsetzung verantwortlichen langjährigen Projektpartnern des Fondo Ecuatoriano Populorum Progressio (FEPP) – ein Bild dieses Projektes zu machen. Seit seinem Entwicklungshelfereinsatz vor über 30 Jahren ist er mit dem Land und vielen Projektpartnern verbunden. „Wichtige Skills wie Organisationsführung und Management von Kleinbetrieben wurden durch das aktuelle Projekt gefördert. Zudem haben die Teilnehmerinnen auch Wissen über Umweltthemen und einfache Grundrechte erworben. Sie lernten, wie sie den eigenen Lebensraum erhalten können, wie gesunde, nahrhafte und dauerhafte Nahrung angebaut wird und welche Rechte sie als Frau haben“, so Heiserer. Auch wenn das Projekt offiziell abgeschlossen ist und die Projektziele erreicht wurden, bleibt der Projektpartner Anlaufstelle vor Ort. Unterstützungen von Projekten wie diesem Jugend Eine Welt- Landwirtschaftsprojekt für Bauern in den Anden sowie zahlreichen weiteren Projekten rund um den Globus sind möglich unter: Spendenkonto Jugend Eine Welt: AT66 3600 0000 0002 4000, ebenso online unter www.jugendeinewelt.at/spenden (steuerlich absetzbar).

Reinhard Heiserer, der gebürtige Tiroler ist Geschäftsführer von Jugend Eine Welt und zu Besuch bei einer Kleinbäuerin in Ecuador.

Ein älterer Mann mit Brille und eine indigene Frau mit Hut halten Meerschweinchen in einem Backsteingehege in Südamerika.

Die Felder liegen hoch oben in steilem Gelände – ein Großteil der Arbeit muss daher in Handarbeit erfolgen.

Schmale Schotterstraße in grüner Hügellandschaft mit rotem Pickup-Truck, bewölkter Himmel, Südamerika

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