Vier Männer halten ein Schild mit der Aufschrift „Gemeinsam am Berg" vor einem Alpensee mit Bergen im Hintergrund.

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„Gemeinsam am Berg“: Österreichweite Gipfelcharta soll Konflikte vermeiden

In sieben Bundesländern sollen gemeinsame Spielregeln das Miteinander von Gästen, Almwirtschaft und Tourismus verbessern. Wie das funktionieren kann, zeigt das Tiroler Berggebiet in Serfaus.

An Spitzentagen sind bis zu 12.000 Gäste im Gebiet der Bergbahnen Serfaus-Fiss-Ladis unterwegs. Trotzdem funktioniert das Miteinander mit der Almwirtschaft. Entscheidend seien klare Spielregeln und eine gezielte Besucherlenkung, erklärt Stefan Mangott, Geschäftsführer der Bergbahn Komperdell: „Die Gipfelcharta gibt uns dafür einen klaren Rahmen, ohne dass wir mit erhobenem Zeigefinger arbeiten.“

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Serfaus ist damit ein Beispiel für ein Thema, das weit über Tirol hinausreicht. Mit der Gipfelcharta „Gemeinsam am Berg“ wollen die Besten Österreichischen Sommer-Bergbahnen österreichweit gemeinsame Leitlinien für das Verhalten im alpinen Raum vermitteln.

84 Sommer-Bergbahnen tragen Gipfelcharta mit

Präsentiert wurde die Gipfelcharta vergangene Woche im Erlebnispark Hög in Serfaus. Der Zusammenschluss der Besten Österreichischen Sommer-Bergbahnen besteht seit 25 Jahren und zählt mittlerweile 84 Mitgliedsbetriebe mit 101 Themenbergen in Österreich. Die Betriebe müssen mehr als 100 Qualitätskriterien erfüllen und sich alle drei Jahre einer Rezertifizierung stellen. Seit kurzem gehört auch die Umsetzung der Gipfelcharta dazu.

Dabei gehe es vielfach um verständliche Regeln, erklärt Sprecher Kornel Grundner: Weidetore schließen, keinen Müll zurücklassen und Rücksicht auf andere Nutzergruppen nehmen.

Bestehendes Wissen aus den Bundesländern gebündelt

Für die österreichweite Gipfelcharta wurde bewusst auf bestehende Initiativen und Erfahrungen aus den Bundesländern zurückgegriffen. Dazu zählen etwa „Respektiere deine Grenzen“, „In unserer Natur“ und in Tirol die Landesinitiative „Bergwelt Tirol – Miteinander erleben“.

„Man muss das Rad nicht neu erfinden“, so Grundner. Entscheidend sei vielmehr, vorhandenes Wissen zu bündeln und österreichweit zu vermitteln. Die Bergbahnen könnten dabei als wichtige Kommunikatoren auftreten und Gäste bereits vor möglichen Konflikten für das richtige Verhalten am Berg sensibilisieren.

Serfaus zeigt das Miteinander mit der Almwirtschaft

Wie das praktisch funktionieren kann, zeigt Serfaus. Bergbahnen, Gemeinde, Tourismus, Almwirtschaft und Landwirtschaft setzen dort seit Jahren auf regelmäßige Abstimmung. Gerade in einem intensiv genutzten Gebiet sollen mögliche Konflikte möglichst früh vor Ort geklärt werden.

Die Zusammenarbeit reicht auch in die Vermarktung regionaler Lebensmittel. Gastronomie und Hotellerie nehmen laut Mangott jährlich rund 130 Rinder aus der Region ab. Auch zwei bis drei Tonnen Käse aus der Almwirtschaft werden über die Berggastronomie vermarktet.

Jeder Ausflug am Berg hinterlässt Spuren und wir können gemeinsam entscheiden, ob diese Spuren positiv sind.

Stefan Mangott, Geschäftsführer der Bergbahn Komperdell und Sprecher der BÖSB Tirol

Almen sind Wirtschaftsraum und Erholungsraum

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler verweist darauf, dass rund ein Drittel der Futterfläche Tirols auf den Almen liegt. Diese seien damit nicht nur Erholungsraum, sondern vor allem auch Wirtschaftsraum der Landwirtschaft.

„Wir müssen beides im Blick behalten. Das funktioniert nur mit guter Infrastruktur, gegenseitiger Rücksichtnahme und einem gemeinsamen Verständnis dafür, wie wir unsere Naturräume nutzen“, so Geisler.

Auch Harald Oblasser, Vorstand der Gruppe Forst des Landes Tirol, sieht frühzeitige Besucherlenkung als wichtigen Faktor: „Wir arbeiten hier in Tirol seit Jahren daran, Nutzungskonflikte frühzeitig zu entschärfen und damit Bewirtschaftung und Naturerlebnisse langfristig zu sichern.“ Die Gipfelcharta zeige, wie Gäste Wege und sensible Bereiche nutzen können, ohne Wildtiere zu stören, Verjüngungsflächen im Wald zu schädigen oder Weideflächen zu gefährden.

Verhalten am Berg direkt bei den Gästen vermitteln

Wie die österreichweiten Leitlinien vor Ort umgesetzt werden können, ist in Serfaus bereits sichtbar. An Tal- und Bergstationen, in der U-Bahn, an zentralen Punkten im Wandergebiet und auf Infoscreens erhalten Gäste in deutscher und englischer Sprache Informationen zum richtigen Verhalten am Berg. Website und soziale Medien ergänzen die Kommunikation.

„Jeder Ausflug am Berg hinterlässt Spuren und wir können gemeinsam entscheiden, ob diese Spuren positiv sind“, schließt Mangott.

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