Zwei Wanderer mit Holzstöcken auf einer Almwiese, daneben eine graue Kuh, im Hintergrund grüne Berghänge mit Bäumen.

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Kein Wirt, sondern ein Hirt‘

Almgeschichte – Folge 8: Die Wennerbergalm ist kein liebliches Almidyll, sondern ein naturbelassener Kraftplatz. Seit 15 Jahren verbringen Heike und Josef Gstrein hier ihre Sommer zwischen Kuhglockenklängen und besonderen Fern-Seh-Abenden.

 Auf der Wennerberg-Alm braucht es keinen Wirt, sondern einen Hirt‘. Mit dieser Vorgabe machte sich Almobmann Reinhold Stoll vor 15 Jahren auf die Suche nach einem Bewirtschafter für die Alm im Gemeindegebiet von Arzl im Pitztal – und fand sogar zwei. Das Ehepaar Heike und Josef Gstrein hat seither jeden Sommer auf der Vorderen und Hinteren Wennerbergalm verbracht.

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45 und 15 Almsommer

Während ihres ersten Almsommers haben Heike und Josef Gstrein nicht nur das Vieh und ihre neue Umgebung, sondern auch sich gegenseitig richtig kennengelernt. Sie waren erst ein Jahr ein Paar, als sie sich entschieden, gemeinsam auf die Alm zu gehen. „Die Almsommer haben uns richtig zusammengeschweißt. Wenn man 24/7 an einem abgeschiedenen Ort gemeinsam leben und arbeiten muss, merkt man schnell, ob man zusammenpasst“, erzählt Heike schmunzelnd. Das Teamwork hat sich bewährt – während schwieriger Almsommer mit schlechtem Wetter sowie in schönen Jahren, in denen alles passte.

Das Vieh wechselt ständig, doch die Glocken wechseln die Bauern nur selten aus.

Almbewirtschafter Josef Gstrein

„Es war schon immer ein Kindheitstraum von mir, die Sommer auf der Alm zu verbringen“, so Heike. Während ihrer ersten Ehe konnte sie als Bäuerin viel Erfahrung im Umgang mit Vieh sammeln. Josef hingegen hatte bereits zuvor 30 Almsommer auf der Sulztalalm verbracht. Heuer ist bereits sein 45. Jahr als Hirte.

Die Erfahrung der beiden macht sich bemerkbar: Sie sind nicht nur Vieh-, sondern auch Glockenkenner. „Das Vieh wechselt ständig, doch die Glocken wechseln die Bauern nur selten aus“, erklärt Josef Gstrein. Dadurch kann er die Tiere bereits am Klang der Kuhglocken zuordnen. „Bei 200 Stück Vieh wird man sonst mit dem Zählen auch nicht fertig.“

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Josef Gstrein kann die Rinder schon am Klang ihrer Glocken erkennen.

Heike hingegen erkennt die Tiere an ihrem Gesicht und Verhalten und weiß bei nahezu jedem Tier, zu welchem Bauern es gehört. Dabei fallen ihr mitunter sogar Ähnlichkeiten zwischen Vieh und Besitzer auf: „Oft gehört ein ruhiges Rind auch zu einem ruhigen Bauern.“

Der Arbeitsalltag

Für Heike und Josef Gstrein beginnt der Tag um fünf Uhr morgens. Nach dem Frühstück startet der Arbeitstag für Josef mit einem Rundgang zum Vieh. Dabei legt er schnell bis zu dreizehn Kilometer im gebirgigen Gelände zurück. 1.100 Hektar Gesamtfläche mit einer Weidefläche von 230 Hektar umfasst das Almgebiet. Die Alm liegt auf 1.956 Metern Seehöhe, das Vieh weidet aber bis hinauf auf 2.600 Meter. 190 Stück Jungvieh und Ochsen sowie 25 Haflinger, vier Esel und Franka, die Australian-Shepherd-Hündin, verbringen ihre Sommerfrische auf der Wennerbergalm. Mittags kommt Josef zurück zur Almhütte, um gemeinsame Arbeiten mit Heike zu erledigen. Zeit für viel Gastwirtschaft bleibt daneben nicht. Selbst für Einheimische ist die Hintere Wennerbergalm ein Geheimtipp. Gäste heißen Heike und Josef willkommen, doch mit Maß und Ziel.

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Vor 20 Jahren wurde die Almhütte saniert. Dort, wo früher der Stall war, ist heute die Küche.

Ein spezieller Platz

Eine Krebsdiagnose riss Heike vor sieben Jahren aus dem gewohnten Alltag. „Ich habe mich trotzdem bewusst entschieden, so viel Zeit wie möglich auf der Alm zu verbringen. Das hat mir viel Kraft gegeben“, blickt sie zurück. Den Krebs konnte sie besiegen, doch seither muss sie die Arbeit auf der Alm gemächlicher angehen lassen. „Die Wennerbergalm bedeutet für mich Ruhe. Es ist keine liebliche Alm, man ist umgeben von Natur. Man ist frei von Gedanken und denkt ans Hier und Jetzt, denn der Rest ist Nebensache. Die Alm ist ein spezieller Platz für uns.“

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Die raue Natur und die Aussicht auf die Bergkulisse verleihen der Wennerbergalm ihre Anziehungskraft.

Das Ende des Tages

Den Sonnenuntergang sehen Heike und Josef selten, denn sie stehen auf, wenn es hell wird, und fallen ins Bett, wenn es dunkelt. Am Abend wird nochmals nach dem Vieh gesehen, bevor Heike und Josef gemeinsam „Fern-Sehen“. „Wir haben drei Programme, aus jedem Fenster sehen wir etwas anderes in der Ferne“, scherzt Josef. Die beiden sind mit ihrem Unterhaltungsprogramm jedoch zufrieden: den Bergen, der Natur und dem Klang der Kuhglocken.

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Zu Besuch bei Josef und Heike: (v. r.) Bezirksbäuerin Andrea Lechleitner und Almobmann Reinhold Stoll mit Familie.

Hier geht’s zur Folge 7 der Almgeschichten aus TirolHinter der Wald-Weide-Trennung im Schwarzwassertal stehen Menschen, die gemeinsam anpacken, Verantwortung weitertragen und damit die Zukunft der Alm gestalten.

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