Sensibel versus stoisch

Porträt Clemens Wieltsch

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Gerade einmal sieben Wochen ist der CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM in Kraft und schon sind Auswirkungen nachweisbar. Bekanntlich gelten seit Jahreswechsel in der EU Einfuhrzölle auf emissionsintensive Rohstoffe, darunter stickstoffhaltige Mineraldünger. Was für die Industrie eine willkommene Maßnahme für fairen Wettbewerb ist, führt auf den Märkten zu Verwerfungen, wie der EU-Dachverband Copa-Cogeca jüngst aufzeigte. Demnach wurden im Jänner nicht einmal 16 Prozent der sonst üblichen Menge an Stickstoffdünger in die EU importiert. Über den Daumen gepeilt fehlt der Landwirtschaft damit eine Million Tonnen an Stickstoffdünger. Der Grund: Niemand weiß bisher, wie hoch die CBAM-Einfuhrzölle ausfallen, die Kommission wird dies erst rückwirkend bekannt geben. Entsprechend preissensibel agieren die Importeure, niemand will die eigene Jahresbilanz rückwirkend mit Kosten auf dann schon verkauften (und längst ausgebrachten) Dünger trüben.

Die Folge für die Bauern: Dünger wird heuer knapper und (noch) teurer. Für Österreich dürfte es vorerst glimpflich ausgehen, ergab eine Nachfrage im Handel. Die Versorgung sei gesichert, wiewohl bei Harnstoff- und Kalkammonsalpeter-Bestellungen längere Wartezeiten einzuplanen seien. Sputen sollte sich die EU-Kommission dennoch. Vor gut einem Monat hat Landwirtschaftsminister Totschnig gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus zwölf Mitgliedstaaten um eine Ausnahme für Stickstoff gebeten. Vorerst blieb eine Reaktion darauf aus. Stoische Ruhe scheint hier aber der falsche Weg, schließlich ist die Düngesaison bereits angelaufen.

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