Biber in Österreich: Wenn der Artenschutz an seine Grenzen stößt

Der Biber ist zurück. Die Bedeutung für die Biodiversität ist zwar da, gleichzeitig sorgt der streng geschützte Nager in der Landwirtschaft und beim Hochwasserschutz zunehmend für Konflikte.

Biber

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Lange Zeit galt der Europäische Biber (Castor fiber) in Österreich als ausgestorben. Durch konsequente Schutzmaßnahmen und die Wiederbesiedelung aus Nachbarländern hat sich die Population in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt. Heute sind Biber in vielen Regionen Österreichs anzutreffen und ihre Zahl nimmt weiter zu.

Was aus Sicht des Naturschutzes als Erfolg gewertet wird, bringt für Landwirte, Gemeinden und Wasserverbände jedoch zunehmend Herausforderungen mit sich. Denn der Biber verändert seine Umgebung nachhaltig: Er fällt Bäume, gräbt weit verzweigte Gangsysteme und staut Gewässer auf.

Landwirtschaft unter Druck

Besonders entlang von Bächen und Gräben liegen zahlreiche landwirtschaftliche Nutzflächen. Werden diese durch Biberdämme angestaut, kann dies zur Vernässung von Wiesen und Äckern führen. In manchen Fällen werden Flächen über längere Zeiträume unbewirtschaftbar.

Auch unterirdische Baue stellen ein Risiko dar. Immer wieder kommt es zu abgesackten Böschungen, beschädigten Wegen und instabilen Uferbereichen. Für landwirtschaftliche Fahrzeuge können solche Einbrüche zur Gefahr werden. Vor allem in Regionen mit intensiver Bewirtschaftung sorgt dies für Unmut.

Die Landwirtschaft kritisiert dabei vor allem, dass der Handlungsspielraum begrenzt ist. Der Biber ist europaweit streng geschützt, Eingriffe sind nur nach behördlicher Genehmigung zulässig. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für den Umgang mit den Schäden häufig bei den Betroffenen.

Gefahr für Infrastruktur und Hochwasserschutz

Neben der Landwirtschaft bereiten Biber zunehmend auch Betreibern von Hochwasserschutzanlagen Sorgen. Durch Grabtätigkeiten können Dämme und Schutzbauten geschwächt werden. Zudem verändern aufgestaute Gewässer den Wasserabfluss. Gerade in Zeiten zunehmender Extremwetterereignisse stellt sich daher die Frage, wie viel Eingriff in bestehende Schutzinfrastrukturen toleriert werden kann. Gemeinden und Wasserverbände fordern deshalb seit Jahren praktikable Lösungen und rasche Entscheidungen in Konfliktfällen.

Medienberichten zufolge gab es zuletzt eine zunehmende Zahl an Schadensmeldungen. Betroffene fordern dabei vor allem einfachere Verfahren und ein aktiveres Bestandsmanagement.

Stichwort Biodiversität

Trotz aller Konflikte erfüllt der Biber wichtige ökologische Funktionen. Er schafft Feuchtlebensräume, erhöht die Artenvielfalt und trägt zur natürlichen Dynamik von Gewässern bei. „Der Biber ist ein Schlüsselakteur der Biodiversität“, betont Brigitte Komposch, Biologin der Universität Graz bei einem Biodiversität-Event von Pannatura. Für viele Bäuerinnen und Bauern stellt sich jedoch weniger die Frage, ob der Biber einen ökologischen Nutzen hat, sondern wie ein Zusammenleben mit einer stetig wachsenden Population gelingen kann.

Prävention statt Eskalation

Experten sehen in einem konsequenten Bibermanagement den Schlüssel, um Konflikte zu entschärfen. Dazu zählen unter anderem:

  • Schutzmaßnahmen an Dämmen und Böschungen.

  • Elektro- und Fixzäune an sensiblen Bereichen.

  • Verfüllung von Einbrüchen und Sicherung gefährdeter Flächen.

  • Laufendes Monitoring der Population.

  • Rasche Unterstützung durch Biberberater.

  • Ausreichende finanzielle Förderung für Präventionsmaßnahmen.

Es gibt bereits einige finanzielle Beiträge zu solchen Maßnahmen, weist Tanja Spreitzer-Polleres vom Bibermanagement Burgenland hin. Dennoch wird aus der Praxis immer wieder darauf hingewiesen, dass Prävention alleine nicht ausreichen würde, wenn die Population weiter wächst.

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