Der Schweinepreis ist Anfang Juni auf 1,52 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht gefallen. Damit liegt das Preisniveau um 15 Prozent unter dem Vorjahreswert und sogar um 25 Prozent unter dem Niveau des Jahres 2024. „Die Schweinehalter können mit diesem Preisniveau nur schwer die laufenden Kosten und schon gar nicht notwendige Mittel für anstehende Investitionen am Betrieb erwirtschaften. Das trifft die Branche in einer Phase, in der viele Betriebe vor wichtigen Entscheidungen für die Zukunft stehen“, warnt LKOÖ-Präsident Franz Waldenberger.
Internationale Entwicklungen belasten den Markt
Zu Jahresbeginn hatte sich die Situation am Schweinemarkt zunächst verbessert. Übermengen wurden abgebaut, die Schlachtzahlen gingen zurück und die Preise entwickelten sich positiv. Die erhoffte nachhaltige Erholung blieb jedoch aus.
Als wesentliche Ursache nennt die Landwirtschaftskammer die Entwicklungen auf den internationalen Märkten. Insbesondere der starke Rückgang der chinesischen Schweinefleischimporte sorgt für zusätzlichen Druck. Bis Ende März gingen diese gegenüber dem Vorjahr um 35 Prozent zurück, während die Eigenproduktion in China gleichzeitig um 4,2 Prozent zunahm. Dadurch fehlen wichtige Absatzmärkte für große europäische Exportländer, was den Wettbewerb innerhalb Europas verschärft.
Zusätzlich wirken sich Tierseuchen, Exportbeschränkungen und eine schwächere Nachfrage auf wichtigen Weltmärkten negativ auf die Preisentwicklung aus. Als Teil des europäischen Marktes bleibt auch Österreich von diesen Entwicklungen nicht verschont.
Niedrige Erlöse treffen auf hohen Investitionsbedarf
Besonders kritisch sei die Situation vor dem Hintergrund neuer gesetzlicher Vorgaben und steigender Anforderungen an die Tierhaltung. Viele Schweinehalter müssen in den kommenden Jahren in Stallumbauten und Modernisierungen investieren. Grundsätzlich sei die Branche bereit, höhere Tierwohlstandards umzusetzen, betont die Landwirtschaftskammer. Die Finanzierung dieser Maßnahmen werde jedoch zunehmend zum Problem. „Wer in neue Stallungen investieren soll, muss die Möglichkeit haben, Eigenkapital aufzubauen. Das ist beim aktuell niedrigen Schweinepreise nicht möglich“, so Waldenberger.
Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich sieht daher die Gefahr, dass notwendige Investitionen verschoben oder ganz unterlassen werden. Langfristig könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Schweineproduktion schwächen und die Abhängigkeit von Importen erhöhen.
Herkunftskennzeichnung bleibt zentrale Forderung
Um die österreichische Schweinehaltung langfristig abzusichern, erneuert die Landwirtschaftskammer ihre Forderung nach einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Fleisch und Fleischprodukte in Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung.
„Österreichische Schweinebauern erfüllen hohe Standards bei Tierwohl, Umwelt- und Lebensmittelsicherheit. Konsumenten müssen auch außerhalb des Lebensmitteleinzelhandels erkennen können, woher das Fleisch auf ihrem Teller stammt“, betont Waldenberger.
Neben der Herkunftskennzeichnung fordert die Landwirtschaftskammer auch verlässliche Investitionsförderungen sowie praktikable Genehmigungsverfahren. Nur unter diesen Rahmenbedingungen könne die heimische Schweinehaltung auch künftig eine tragende Rolle in der Lebensmittelversorgung spielen.
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