Blick in einen Wintergarten für Geflügel

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Konsumenten fliegen auf Geflügel: Fleisch ist gefragt, Verbrauch wird weiter kräftig ansteigen

Der Trend zu proteinreicher Ernährung zeigt deutliche Auswirkungen. Die Geflügelwirtschaft sieht gute Chancen für neue Mastbetriebe. Ziel ist es, die heimische Produktion auszuweiten und die Eigenversorgung wieder anzuheben.

International, aber auch in Österreich und der Europäischen Union, gewinnt Hühnerfleisch weiter an Bedeutung. Prognosen zufolge wird der weltweite Fleischkonsum bis 2035 in allen Segmenten steigen. Besonders dynamisch entwickelt sich dabei Geflügelfleisch: Hier wird ein Zuwachs von rund 22 Prozent erwartet.

Auch in der Europäischen Union zeichnet sich dieser Trend ab. Während der Konsum von Schweine- und Rindfleisch tendenziell rückläufig ist, steigen die Nachfrage nach Geflügelfleisch und Eiern weiter an. Bis 2030 dürfte der Geflügelfleischverbrauch in der EU um rund zwei Prozent wachsen, jener von Eiern um etwa 1,5 Prozent.

Pro-Kopf-Verzehr seit 1990 fast verdoppelt

In Österreich liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Geflügelfleisch aktuell bei 13,8 Kilogramm, davon entfallen 10,84 Kilogramm auf Hühnerfleisch. Seit 1990 hat sich der Konsum von Hühnerfleisch damit nahezu verdoppelt.

„Das sind Potenziale, die wir als österreichische Landwirtschaft gerne nutzen möchten“, sagt Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Er verweist auf den derzeitigen Eigenversorgungsgrad: Dieser liegt bei Geflügelfleisch bei 74 Prozent, bei Hühnerfleisch bei 81 Prozent. Langfristig werde ein Selbstversorgungsgrad von mehr als 90 Prozent angestrebt.

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Potenzial für 150 neue Mastbetriebe

Im Mittelpunkt steht daher der Ausbau der heimischen Produktion. Geplant sind in den kommenden Jahren rund 150 neue Mastbetriebe – etwa 100 in der konventionellen und 50 in der biologischen Produktion. Darüber hinaus seien zehn bis 15 zusätzliche Elterntierbetriebe zur Erzeugung von Bruteiern erforderlich.

Gleichzeitig sieht sich die Branche mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. „Genehmigungsverfahren für Stallbauten, steigende Dokumentationspflichten sowie Umwelt- und Raumordnungsvorschriften bis hin zur EU-Industrieemissionsrichtlinie stellen die Betriebe vor große Herausforderungen“, so Waldenberger. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich fordert deshalb in der künftigen Gemeinsamen Agrarpolitik eine stärkere Ausrichtung auf Investitionsförderungen und Qualitätsprogramme. Beide Bereiche müssten finanziell deutlich besser ausgestattet werden.

Mit einem Anteil von 86 Prozent ist die Hühnermast der mit Abstand wichtigste Bereich der österreichischen Geflügelfleischproduktion. Die übrigen Anteile entfallen auf Truthühner, Enten und Gänse. Derzeit werden auf 444 Betrieben Masthühner gehalten. In der biologischen Produktion sind österreichweit 382 Betriebe aktiv.

Die größten Geflügelfleischproduzenten sind derzeit Niederösterreich, die Steiermark und Oberösterreich. Da in Oberösterreich aktuell die meisten Stallneubauten umgesetzt werden, dürfte das Bundesland in den kommenden Jahren zur Nummer eins in der Hühnermast aufsteigen.

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Beratung durch die Landwirtschaftskammer

Waldenberger verweist auf das Beratungsangebot der Landwirtschaftskammer für Neueinsteiger. Angesichts oft langwieriger Genehmigungsverfahren sei eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend. Neben staatlichen Förderprogrammen würden auch Vertragspartner attraktive Investitionszuschüsse für Stallneubauten anbieten. Langfristige Lieferverträge, Preisgarantien und Modelle der Lohnmast, bei denen Küken und Futtermittel vorfinanziert werden, sollen zusätzliche Planungssicherheit schaffen.

Markus Lukas, Obmann der Geflügelgenossenschaft Österreich und der Geflügelwirtschaft Österreich, verweist auf die dynamische Entwicklung der heimischen Branche in den vergangenen fünf bis zehn Jahren. Gemeinsam mit Schlachtbetrieben, Handelspartnern und der AMA seien moderne Stallkonzepte und neue Haltungsformen entwickelt worden. „Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind zu 100 Prozent vom Tierwohl überzeugt. Das zeigt sich auch bei den Stallbauten“, betont Lukas.

Bereits ein Drittel der heimischen Hühnermastplätze – insgesamt 14,6 Millionen Stallplätze – entfällt auf die Segmente Tierwohl und Bio. Vor diesem Hintergrund stößt die Umsetzung der EU-Industrieemissionsrichtlinie in der Branche auf Unverständnis.

Heimische Geflügelhaltung ist keine Industrie

Derzeit gilt die Richtlinie ab 40.000 Tierplätzen pro Betrieb. Für Masthühner bleibt dieser Schwellenwert bestehen, für Puten wird er künftig auf 9.333 und für Legehennen auf 21.428 Tierplätze abgesenkt. Dadurch drohen vielen Betrieben zusätzliche Umweltverfahren, die oft mehrere Jahre dauern und Kosten von mehr als 100.000 Euro verursachen. Die Folge könnten verschobene Investitionen oder reduzierte Tierbestände sein.

„Ein weiteres Thema ist die Kumulierung mit Schweinebetrieben. Wer beispielsweise 100 Schweine und 39.900 Hühner hält, überschreitet durch die Zusammenrechnung der Tierplätze die Schwelle und fällt ebenfalls unter die Industrieemissionsrichtlinie“, erklärt Lukas.

„Aus Sicht der Branche stehen diese Vorgaben in keinem Verhältnis zur kleinstrukturierten österreichischen Landwirtschaft. Bereits heute werden im Rahmen von Bauverfahren Umwelt- und Nachbarschaftsinteressen umfassend geprüft“, sagt Lukas. Die Geflügelwirtschaft fordert daher höhere Schwellenwerte sowie Ausnahmen für Tierwohl- und Biobetriebe. Gleichzeitig müssten Importprodukte aus Nicht-EU-Staaten denselben Tierwohl-, Umwelt- und Naturschutzstandards entsprechen wie heimische Erzeugnisse.

Neben modernen Stallanlagen beschäftigt sich die Branche auch mit neuen Zuchtlinien. „Im Fokus stehen langsam wachsende und besonders vitale Rassen. Für die Geflügelfleischproduktion stehen in Europa nur wenige Rassen zur Verfügung. Wir in Österreich sind aber der Meinung, dass wir künftig Tiere im Stall halten sollen, die vitaler und fitter sind“, so Lukas.

Geflügelproduktion weltweit und in der EU

Für das Jahr 2026 wird ein Anstieg der weltweiten Geflügelfleischproduktion um rund drei Prozent auf etwa 110,7 Millionen Tonnen prognostiziert. Wachstumstreiber sind vor allem Brasilien und China. Die USA bleiben mit einer Produktion von mehr als 21 Millionen Tonnen der weltweit größte Erzeuger.

Auch in der Europäischen Union wird ein moderates Produktionswachstum erwartet. Die Erzeugung dürfte um rund ein Prozent auf etwa 12,3 Millionen Tonnen steigen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine Entspannung der Vogelgrippesituation.

 

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Franz Waldenberger (l.) und Markus Lukas.

40 Jahre GGÖ: Starke Interessenvertretung der Geflügelhalter

Die Geflügelmastgenossenschaft Österreich (GGÖ) wurde 1986 gegründet, um die Marktposition der Betriebe zu stärken. Heute betreut sie rund 300 Betriebe aus Hühner- und Putenmast sowie der Bruteierproduktion und unterstützt sie in wirtschaftlichen, fachlichen und agrarpolitischen Fragen. Gemeinsam mit anderen Erzeugergemeinschaften ist die GGÖ unter dem Dach der Landwirtschaftskammer Oberösterreich angesiedelt.

Die Geflügelwirtschaft Österreich (GWÖ) ist die bundesweite Interessenvertretung der heimischen Geflügelbranche. Sie vertritt die Bereiche Eierproduktion und Geflügelmast und setzt sich für eine wirtschaftlich erfolgreiche, nachhaltige Geflügelhaltung sowie hohe Standards bei Tierwohl, Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit ein.

Obmann beider Organisationen ist der Steirer Markus Lukas.

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