Landwirtschaftliche Hofübergabe: Die Landjugend zeigt, wie sie interaktiv funktioniert

Seit fast einem Jahr gibt es eine umfangreiche Broschüre zur Betriebsübernahme der Landjugend Österreich. Dem Hintergrund und den Ergebnissen dieses Projektes widmet sich der fünfte und letzte Teil der Serie.

Ganz auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten, zeigt die Broschüre alle möglichen Wege auf.

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Die Übergabe eines Hofes ist einer der größten Einschnitte im Leben einer bäuerlichen Familie. Es geht um Verantwortung, Vertrauen, die eigene Existenz und um die Zukunft eines Lebenswerks. Mit einer interaktiven Broschüre unterstützt die Landjugend Österreich Hofübergeber und Hofübernehmerinnen dabei, diesen Schritt gut vorbereitet zu gehen. Sie liefert praxisnahe Informationen, zeigt Chancen auf und macht deutlich: Eine gelungene Hofübergabe beginnt lange vor der Vertragsunterzeichnung. In nur zehn Minuten vermittelt ein Video die wichtigsten Informationen, kompakt und verständlich.

Durch die interaktive Gestaltung können Hofübernehmer die Inhalte individuell nach ihren eigenen Bedürfnissen erkunden, gezielt durch die verschiedenen Themenbereiche navigieren und bei Interesse weiterführende Informationen herunterladen. Die Idee für die Broschüre entstand aus dem Bedarf in der täglichen Realität vieler bäuerlicher Familien. Denn der Prozess der Hofübergabe ist komplex und mit zahlreichen Herausforderungen, aber auch Chancen verbunden. „In dieser Phase treffen rechtliche, steuerliche, organisatorische und zwischenmenschliche Fragestellungen aufeinander, oft gleichzeitig und mit großer Tragweite für beide Generationen“, erklärt Landjugend-Bundesleiter Markus Buchebner. Genau hier setzt die Broschüre an.

Mehr zum Thema HofübergabeIm dritten Teil der Serie „Hofübergabe und Hofübernahme“ erläutert LK-Berater Werner Ruppnig, warum Respekt, Vertrauen, Offenheit und Geduld entscheidend sind, damit die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebes für alle Generationen erfolgreich verläuft.

Starthilfe für Jungbauern

Viele Jungbäuerinnen und Jungbauern stehen vor der Übernahme, wissen aber nicht, wo sie beginnen sollen. Gleichzeitig machen sich die Übergeber Gedanken über ihre Absicherung, ihre Wohnsituation und ihre Rolle nach der Übergabe. „Ziel der Broschüre ist es, Landwirte bei der Übernahme eines Betriebes zu stärken und ihnen fundierte Erstinformationen zu den wichtigsten Rahmenbedingungen bereitzustellen“, so Buchebner. Die Broschüre soll helfen, Zusammenhänge zu verstehen und Mut machen, den Prozess aktiv zu gestalten, aber auch „Orientierung geben, Sicherheit vermitteln und junge Menschen ermutigen, gut vorbereitet und selbstbewusst Verantwortung zu übernehmen“. Zusätzlich gibt es auch eine Printbroschüre. Diese wurde in Zusammenarbeit mit Experten entwickelt. Dazu zählen insbesondere die Landwirtschaftskammern als zentrale Beratungseinrichtungen bei Hofübernahmen sowie Fachkräfte der Sozialversicherung. Beim interaktiven Hofübernahme-Video wirkte Kommunikationstrainerin Michaela Sandmayr als Landjugend-Mitglied mit, um eine authentische Perspektive einzubringen und die Identifikation mit den Inhalten zu stärken.

Ziel der Broschüre ist es, fundierte Erstinformationen zu den wichtigsten Rahmenbedingungen bereitzustellen.

Markus Buchebner

Markus Buchebner

Darum ist der richtige Zeitpunkt entscheidend

Viele Hofübergaben werden erst dann konkret, wenn eine Generation altersbedingt kürzer treten muss. Doch genau das kann Probleme verursachen. „Kaum ein Prozess am landwirtschaftlichen Betrieb ist so sensibel und zugleich so entscheidend wie die Hofübergabe beziehungsweise -übernahme. Gerade deshalb ist eine frühzeitige Auseinandersetzung wesentlich“, betont Markus Buchebner. Die Herausforderungen reichen nämlich von rechtlichen Fragen, etwa zu Erbrecht, Ausgedinge, Pflichtteilsverzicht oder Investitionsabsicherung, bis hin zu steuerlichen und finanziellen Themen. Eine rechtzeitige Planung schaffe Klarheit und bilde das Fundament für eine geordnete Übergabe.

Besonders wichtig sei aber auch der zwischenmenschliche Bereich, denn unterschiedliche Erwartungen der Generationen, Fragen zum Mitspracherecht oder zur Einbindung vom Partner können Spannungen verursachen. Offene Kommunikation hilft, Konflikte frühzeitig anzusprechen und tragfähige Lösungen zu finden. „Die Hofübernahme ist letztlich mehr als ein Vertrag, sie ist eine Zukunftsentscheidung“, bringt es der Landjugend-Bundesleiter auf den Punkt.

Auch im Ausgedinge gut versichert

Auch die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) bietet mit ihrem Programm „Future Proof“ eine Beratung an, die rund um die Hofübergabe genutzt werden kann. Ziel ist hier, bäuerliche Familien dabei zu unterstützen, den Generationenwechsel auch sozialversicherungsrechtlich gut abzusichern. Im Mittelpunkt stehen Fragen zur Altersvorsorge der Übergeber, zur Pensionshöhe, zur Weiterversicherung sowie zur sozialen Absicherung der Hofübernehmer. Das Programm zeigt auf, wie wichtig es ist, die eigene Pension rechtzeitig zu planen und die Auswirkungen der Übergabe auf die persönliche Versicherungssituation zu kennen. Alle Informationen zum Beratungsangebot sind auf der Webseite der SVS zu finden.

Recht, Steuern und Absicherung

Ein zentraler Teil der Broschüre widmet sich den rechtlichen und finanziellen Grundlagen der Hofübergabe. „Dazu zählen Inhalte zur Bauernpension, zu steuerlichen Fragestellungen, zum Übergabsvertrag sowie zum Erbrecht“, erklärt Buchebner.

Konkret behandelt die Broschüre unter anderem:

  • den Übergabsvertrag und seine Gestaltung,

  • das Ausgedinge und die Absicherung der Übergeber,

  • Pflichtteilsrechte und weichende Erben,

  • steuerliche Auswirkungen der Übergabe,

  • sowie Fragen zur Pension und Altersvorsorge.

Auch die Rolle der Beratung wird betont. Die Broschüre zeigt auf, wann es sinnvoll ist, Experten wie Steuerberatung, Rechtsberatung oder die LK einzubeziehen. Außerdem wird auch das Thema der außerfamiliären Hofübergabe aufgegriffen und erklärt, welche Möglichkeiten und Chancen es in so einem Fall gibt.

Begleiter für diesen Schritt im Hofleben

Ein besonderer Nutzen der Landjugend-Broschüre liegt darin, Gespräche zum Thema innerhalb der Familie zu erleichtern. „Die Rückmeldungen zur Broschüre sind sehr positiv. Sie wird als praxisnaher, verständlicher und umfassender Leitfaden wahrgenommen“, berichtet Markus Buchebner. Die Broschüre soll dabei helfen, Themen anzusprechen, die oft schwierig sind, aber entscheidend für eine gute Zukunft des Betriebes. Denn eine Hofübergabe braucht Zeit, Planung und offene Gespräche.

„Ein zentraler Tipp ist, die Hofübernahme nicht als einmaliges Ereignis, sondern als Generationenprojekt zu verstehen“, meint Buchebner. Für die Landjugend ist das Thema aber noch nicht abgeschlossen, sondern ein langfristiger Schwerpunkt ihrer Bildungsarbeit, mit dem klaren Ziel, junge Menschen zu stärken und die Zukunft der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten.

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Interaktive Hofübernahme BroschüreHier klicken und Sie kommen zur interaktiven Broschüre der Landjugend

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