Stallrundgang bei der Putenmast

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Putenmast im Weinviertel: Produktion auf Nachfrage

Wolfgang Hackl hat seinen Betrieb breit aufgestellt. Mit der Putenmast kam vor vier Jahren ein, wie er sagt, besonders lukrativer Betriebszweig hinzu. Warum er die Investition gewagt hat.

Welche Lebensmittel werden in Österreich gesucht? Diese Frage ist für Wolfgang Hackl stets der Ausgangspunkt aller Überlegungen, wenn er einen neuen Betriebszweig für sich ins Auge fasst. Auf seinem Hof in Atzelsdorf im Weinviertel (Niederösterreich) war das nicht erst einmal der Fall. Seit der Hofübernahme vor beinahe 20 Jahren blieb auf dem einstigen Ackerbaubetrieb mit Schweinezucht und -mast kein Stein auf dem anderen. „Ich möchte etwas produzieren, das auch gebraucht wird. Das war immer meine Betriebsphilosophie“, erklärt der 51-Jährige.

Fündig wurde Hackl dann zunächst im Obstbau. 20 Hektar Marillenanlagen samt eigener Frischvermarktung und Veredelung prägen bis heute das Betriebsgeschehen und geben dem „Marillenhof Hackl“ seinen Namen. 2015 kam die Legehennenhaltung hinzu. „Freilandeier wurden damals gesucht“, schildert der Absolvent des Francisco Josephinum Wieselburg. Auch diese Nachfrage wollte er regional bedienen. Heute hält er 2.000 Legehennen und vermarktet deren Eier über die eigene Packstelle. Parallel dazu zog Hackl ein Angebot für Lebensmitteltourismus auf: „Wir hatten bis zur Corona-Pandemie jährlich 50 bis 70 Reisebusse mit interessierten Konsumenten am Hof. Mit Covid war damit kurzzeitig Schluss.“

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So machte sich der Landwirt erneut auf die Suche nach einer Sparte und wurde in der Putenmast fündig. „Die Nachfrage nach Geflügelfleisch wächst in ganz Europa. Die Jugend bevorzugt weißes Fleisch“, nennt Wolfgang Hackl die Beweggründe. Bei der Investition war er nicht zimperlich. Der am Ortsrand errichtete Gebäudekomplex mit Aufzuchtstall (1.000 m2) und zwei Mastställen (à 2.500 m2) samt Wintergärten, Heizhaus, Strohlager und Schlachträumlichkeiten schlug mit knapp 7 Mio. Euro zu Buche. Kein kleiner Schritt, wie auch er zugibt. Die knapp 800.000 Euro an Zuschüssen aus öffentlichen Geldern waren demnach notwendig. Dennoch hält er fest: „Die Marktsituation und ein starker Vermarktungspartner haben mir die Sicherheit gegeben.“ Tatsächlich liegt der Selbstversorgungsgrad bei Putenfleisch in Österreich laut Statistik Austria nach wie vor nur haarscharf über 50 Prozent. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist hingegen stabil bis steigend. „Wir sind auf Kurs“, so Hackls betriebswirtschaftliches Fazit.

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Betriebsführer Wolfgang Hackl

Runde Sache

Aus seiner Sicht passt die Putenmast perfekt in die Ackerbauregion. In der „Kornkammer“ seien Futter und Einstreu regional verfügbar. Er selbst hat den Ackerbau vor zwei Jahren fast zur Gänze eingestellt. „Aus wirtschaftlichen Gründen. Die Flächen haben zwei Kollegen aus dem Ort übernommen.“ Von ihnen bezieht Hackl nun das benötigte Stroh, etwa 50 Rundballen pro Durchgang. Deren Wert wird mit dem anfallenden Mist gegengerechnet. „Ein klassischer Synergieeffekt“, ist er überzeugt. Tatsächlich beobachtet er durch die Stallmistgaben schon jetzt deutlich ausgeglichenere Pflanzenbestände, die auch mit der jüngsten Dürre besser zurande gekommen seien. Beim Futter setzt der Mäster hingegen auf fertige Lösungen.

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Blockheizkraftwerk als Herzstück

Sorgfalt ist gefragt

Durch die räumliche Trennung von Aufzucht und Mast schafft Wolfgang Hackl in seinen Ställen 2,6 Umtriebe pro Jahr, das klassische Rein-Raus-Verfahren für den gesamten Betrieb entfällt, in den einzelnen Stallungen wird zwischen jedem Umtrieb ein Leerstand von zwei Wochen eingehalten. Besondere Aufmerksamkeit erfordert es, wenn die Eintagsküken von der Brüterei geliefert werden. „Das Wichtigste ist, dass das Küken so schnell wie möglich zu frischem Wasser und Futter kommt“, weiß Hackl. Bei ihm wird dies durch Auslegen zusätzlicher Futtertassen erreicht. Die Zahlen geben ihm recht. Im Schnitt erreicht er Ausfallsraten von lediglich zwei Prozent.

Zentral ist auch eine von Beginn an gleichmäßige Stalltemperatur. „Wir haben im Aufzuchtstall eine Lufttemperatur von 37 °C und eine Bodentemperatur von 32 °C“, berichtet der Weinviertler. Geheizt wird nicht nur über Heizlüfter, sondern auch über eine Fußbodenheizung. Die dazu notwendige Wärme liefert das vor Ort installierte Blockheizkraftwerk, welches aus Hackschnitzeln Strom (2 mal 60 kW) und Wärme (2 mal 20 kW) erzeugt. Sollte dieses einmal ausfallen, steht zusätzlich ein Ofen für Notfälle bereit. Sechs Wochen verbleiben die Putenküken im Aufzuchtstall, dann wird umgestallt. In den Masthallen steht den Tieren dann auch ein Wintergarten für den Außenklimareiz zur Verfügung. „Hätte es das nicht schon gegeben, hätte ich es wohl erfunden“, merkt der Bauer mit einem Schmunzeln an. Im Maststall bleiben die Hennen, bis sie zehn Kilogramm Lebendgewicht erreichen. Die Hähne werden noch etwa fünf Wochen länger auf ein Gewicht von 20 Kilogramm gemästet. Ihnen steht dann die gesamte Stallfläche zur Verfügung. „In Summe dauert ein Umtrieb also 20 Wochen“, hält Wolfgang Hackl fest.

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Der Wintergarten ist Teil der österreichischen Puten-Qualitätsstrategie.

Fixe Preise

Das Gros seiner Puten setzt Wolfgang Hackl über einen namhaften Vermarktungspartner ab. Wie im Geflügelbereich üblich, sind die Konditionen bereits im Vorfeld festgeschrieben. „Der Mastvertrag enthält die fixierten Preise.“ Preiskorrekturen erfolgen zeitangepasst. „Nach oben“, wie er anmerkt. Das sei in der Tierhaltung ja mittlerweile keine Selbstverständlichkeit: „Putenmast ist lukrativ.“ Etwa zwei Prozent seiner Puten vermarktet Hackl, getreu seiner Betriebsphilosophie, auch selbst. Dazu wurde direkt beim Stall auch ein Schlachtraum errichtet. Unter dem Markennamen „Hackls Happy Turkey“ findet das Putenfleisch verarbeitet und frisch Absatz über den Hofladen und in der Gastronomie. „Mengenmäßig ist das im Verhältnis marginal. Das Sahnehäubchen, sozusagen“, ergänzt er.

Die Fülle an Betriebszweigen kann der Weinviertler natürlich nicht mehr im Alleingang stemmen. In Summe unterstützen ihn ganzjährig acht Mitarbeiter. Für den Bereich Putenmast ist Philipp Pinisch federführend verantwortlich. „Ich mache zweimal täglich die Stallrundgänge und kontrolliere die Technik“, beschreibt der landwirtschaftliche Facharbeiter seinen Berufsalltag.

Nächster Sprung steht an

Wolfgang Hackl hat es sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, die Vorzüge des heimischen Putenfleischs in die breite Öffentlichkeit zu tragen: „Wir sind, was Qualität und Tierwohl betrifft, weltweit Spitzenklasse.“ Zugleich will er Berufskollegen für den Einstieg in die Mast motivieren. „Der Markt wächst kontinuierlich“, betont er. Als Mann mit großer Affinität zur Marktbeobachtung fürchtet er, dass die zunehmende Nachfrage nach heimischer Pute irgendwann schlicht nicht mehr zu bedienen ist. Er selbst befindet sich deshalb in der Planungsphase für eine Verdoppelung seiner Kapazitäten.

Potenziellen Neueinsteigern, insbesondere derzeit viehlosen Betrieben, gibt er mit: „Der Einstieg hat unseren Betrieb gestärkt. Aber natürlich ist Tierhaltung auch viel Verantwortung.“ Insbesondere zum Start müsse man sich Know-how aneignen: „Ein guter Austausch mit dem Betreuungstierarzt ist wichtig.“ Zugleich unterstütze aber auch die Abnehmerseite beratend. Hackl selbst kann sich vorstellen, Neueinsteigern künftig die Kniffe der Putenmast und -aufzucht näherzubringen: „Wenn es einem einmal gezeigt wird und man es ein, zwei Mal selbst macht, tut man sich einfach leichter.“

Betriebsspiegel

Marillenhof Hackl
Gemeinde Gaweinstal (NÖ)
Betriebsführer Wolfgang Hackl

  • Betriebszweige: 20 Hektar Marillenanlagen, 2.000 Freilandhennen, Putenmast, Direktvermarktung

  • Details zur Putenproduktion: Aufzuchtstall mit 1.000 m2, zwei Masthallen mit je 2.500 m2; gesamt 25.000 Mastplätze

  • Vermarktung über Wech Geflügel GmbH

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