Schon viele Jahre gibt es vollautonome Traktoren, die fahrer- und teils kabinenlos übers Feld ziehen. Durchgesetzt haben sie sich aber bislang nicht wirklich. Erst kürzlich hat es einen der Pioniere erwischt: Monarch Tractor. Wie mehrere Medien berichten, hat das US-Unternehmen nach Problemen im Praxiseinsatz und Klagen die Traktorenproduktion aufgegeben.
Schätzungen gehen davon aus, dass nur einige Hundert bis wenige Tausend wirklich autonome Traktoren regelmäßig auf Feldern arbeiten. Zum Vergleich: Weltweit sollen insgesamt mehrere Dutzend Millionen landwirtschaftliche Traktoren im Einsatz sein. Gründe für die mangelnde Durchschlagskraft gibt es einige: Sie beginnen bei deren Wirtschaftlichkeit und enden bei rechtlichen Rahmenbedingungen.
Hochpräzise unterwegs mit RTK
Was in der Praxis schon gut angekommen ist, sind teilautonome Systeme mit hochpräziser Steuerung auf wenige Zentimeter genau mithilfe von RTK. Seit Februar 2021 steht für Österreichs Land- und Forstwirtschaft das RTK-Korrektursignal Apos kostenlos zur Verfügung. Dessen Einsatz wächst seitdem kontinuierlich: Jährlich kommen laut Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV) mehr als 1.000 Betriebe hinzu. Im Februar sollen rund 6.500 Landwirte den Dienst mit insgesamt über 8.000 Geräten genutzt haben. Die technische Grundlage für Apos bildet ein Referenzstationsnetzwerk mit rund 40 permanenten Satellitenmessanlagen in Österreich sowie einer vergleichbaren Anzahl an Referenzstationen im angrenzenden Ausland. Weitere Infos für Interessenten: www.lko.at/apos-rtk
Sensoren und KI eröffnen neue Möglichkeiten
Einen ganz wesentlichen Beitrag zum Smart Farming leisten Sensoren in Zusammenhang mit intelligenter Software. Die Bauteile, die Eigenschaften messen, können dabei ganz unterschiedlich positioniert sein: In bis zu zehntausenden Kilometern Höhe im Fall von Satelliten, in hunderten bis wenigen Metern über dem Boden wie bei Flugzeugen und Drohnen oder in der Maschine selbst.
Zunehmend werden Daten mehrerer Sensoren erfasst. Mit Künstlicher Intelligenz (KI) können die Daten dann aus den vielfältigen Quellen zusammengeführt werden. Traditionell kommt hier eine Cloud zum Einsatz. Da das Hochladen großer Datenmengen beim Einsatz auf dem Feld vielfach nicht möglich ist, wird auf Edge-KI zurückgegriffen. Hier läuft die KI direkt auf der Maschine.
TerrraZo
Sensoren können Daten während der Arbeit in Echtzeit auf dem Feld erfassen – etwa die Feuchte des Ernteguts oder die Position von Unkraut bei Hackgeräten – oder aber vor dem Arbeitsschritt erheben. Ein Beispiel für letztere Technologie ist TerraZo. Die mit öffentlichen Mitteln und in Kooperation mit Partnern vom Josephinum Research entwickelte Web-App steht Landwirten österreichweit unter terrazo.at kostenlos zur Verfügung.
TerraZo ermöglicht die standortspezifische Anpassung der Düngermenge mittels Applikationskarten, die auf aktuellen Satellitendaten und langjährigen österreichischen Feldversuchen basieren. Intelligente Algorithmen liefern dabei standortspezifische Düngevorschläge, die an die Bestandsentwicklung angepasst sind. Die App kann direkt über Smartphone oder Tablet genutzt werden, ohne teure Zusatzgeräte oder spezielle Terminals und stellt so einen niederschwelligen Einstieg in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung dar.
Copyright © www.terrazo.at
Kleine Helfer
Dass digitale Tools nicht mit hohen Kosten verbunden sein müssen, wurde zuletzt bei ÖKL-Webinaren unterstrichen. Im Zentrum standen dabei unter anderem Apps für das Smartphone. Die LK Niederösterreich testet sie regelmäßig. „Wir schauen uns dabei an, sind die Apps etwas für die österreichischen Landwirte, etwa im Hinblick auf rechtliche Rahmenbedingungen“, so Florian Köck, LK-Technik Mold. Zu finden sind die Anwendungen auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite. Aufgegliedert sind sie dort für die Anwendungsbereiche „Betriebe & Unternehmen“ (17 Apps), Forstwirtschaft (2), Pflanzenbau (24), Technik & Energie (12) sowie Tierhaltung (5).
Tierhalter als Pioniere
Besonders weit fortgeschritten sind automatisierte Systeme im Tierbereich. Ein gutes Beispiel sind die Milchviehställe, angefangen von automatischen Tränken und Entmistungstechnik bis zu hin zu Automatischen Melksystemen (AMS). Die Tendenz ist klar steigend. Um zehn Prozent haben die AMS hierzulande auf den Kontrollbetrieben vergangenes Jahr zugenommen, auf fast 120.000 stieg die Anzahl der automatisch gemolkenen Kühe, die Anzahl der Betriebe mit diesen Robotern auf fast 2.200.
Dazu kommen andere Robotersysteme wie automatisierte Fütterungssysteme. Die einfachste Stufe ist der Futteranschieberoboter, der vorgelegtes Futter regelmäßig zum Fressgitter schiebt und auch hierzulande schon oft eingesetzt wird. Auf der anderen Seite stehen Systeme, die Futter automatisch mischen, dosieren, verteilen und nachschieben. Der Landwirt befüllt hier nur noch die Vorratslager bzw. die Futterküche.
Ergänzt werden diese Technologien durch Sensoren, die mit intelligenter Software etwa den Tiergesundheitszustand, Fruchtbarkeitsstatus und das Stallklima überwachen.
Pflanzenschutz: Digitale Hilfen für neue Aufzeichnungspflichten
Mit 1. Jänner 2026 müssen alle Land- und Forstwirte zusätzliche Aufzeichnungen zu den ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln machen. In elektronischer Form haben die Aufzeichnungen in der Landwirtschaft erst für das Jahr 2027 (mit einer Übergangsfrist bis spätestens 31. Jänner 2028) vorzuliegen. Die LK empfiehlt aber auch hier bereits heuer die Aufzeichnung in elektronischer Form zu machen, weil dies handschriftlich nicht praktikabel ist.
Kostenlos stehen der LK-Düngerrechner und das neue LK-Pflanzenschutz-Tool zur Verfügung. Letzteres bietet eine Anbindung an das Pflanzenschutzmittelregister, die Möglichkeit Felder zu hinterlegen, automatische Verlinkung des EPPO-Code und die Anzeige gegebenenfalls erforderlicher Eingaben wie Uhrzeit und BBCH-Stadium. Eine Plausibilitätsprüfung findet im Excel-Dokument nicht statt und es werden zusätzliche Dokumente wie BBCH-Stadien-Beschreibung und die Feldstückliste benötigt.
Im kostengünstigen ÖDüPlan Plus werden die Eingaben bereits auf Plausibilität geprüft. Zudem werden die Datensätze von der BWSB (Fachreferat der LK OÖ) laufend aktualisiert. Daneben gibt es für die technischen Aufzeichnungspflichten zahlreichen Lösungen – eingebettet in umfangreiche Farmmanagementsysteme oder als schlanke, kostengünstige Sololösung.
Zu letzterer gehört PSM-Doc.at vom Landwirt Georg Rath aus der Südsteiermark. Mit dem Tool soll nach Import der AMA-Feldstückliste (als PDF) innerhalb von 15 Sekunden ein vollständiger, rechtssicherer Eintrag direkt auf dem Feld per Smartphone möglich sein.
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