Maria Himmelfahrt am 15. August markiert im bäuerlichen Jahreskreis einen besonderen Zeitpunkt. Die Getreideernte ist vielerorts eingebracht, nicht von der Trockenheit besiegte Wiesen und Wegränder stehen in voller Blüte und viele Heilpflanzen haben nun ihren höchsten Wirkstoffgehalt erreicht. Kein anderer kirchlicher Feiertag ist so eng mit der Natur verbunden wie Maria Himmelfahrt. Seit Jahrhunderten werden an diesem Tag Kräutersträuße gebunden und im Gottesdienst gesegnet.
Der Kräuterbuschen ist mehr als ein schöner Strauß
In nahezu allen Regionen Österreichs werden zu Mariä Himmelfahrt Kräuterbuschen gebunden und im Gottesdienst gesegnet. Was heute vielerorts als liebevoll gepflegtes Brauchtum erscheint, hatte früher einen ganz praktischen Nutzen. Heilkräuter waren die Hausapotheke am Bauernhof und das nicht nur für Menschen ebenso wie für Nutztiere. Je nach Region kommen unterschiedliche Pflanzen in den Buschen. Besonders häufig verwendet werden Schafgarbe, Johanniskraut, Kamille, Salbei, Thymian, Pfefferminze, Wermut, Königskerze, Beifuß, Ringelblume oder Lavendel. Ergänzt werden sie oft durch Getreideähren, Sonnenblumen oder Gartenblumen. Die Pflanzen werden bewusst in der Hochblüte gesammelt, weil sie zu diesem Zeitpunkt besonders reich an Inhaltsstoffen sind.
Warum es oft sieben, neun oder zwölf Kräuter sind
Wer einen traditionellen Kräuterbuschen bindet, achtet häufig auf eine symbolische Anzahl an Pflanzen. Besonders verbreitet sind sieben, neun oder zwölf Kräuter.
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Je nach Region kommen unterschiedliche Pflanzen in den Buschen. Besonders häufig verwendet werden Schafgarbe, Johanniskraut, Kamille, Salbei, Thymian, Pfefferminze, Wermut, Königskerze, Beifuß, Ringelblume oder Lavendel.
Die Sieben erinnert an die sieben Schöpfungstage und steht für die Vollkommenheit der Schöpfung. Die Neun gilt in der Volksfrömmigkeit als Zahl der Fülle und wird häufig mit den neun Chören der Engel in Verbindung gebracht. Die Zwölf verweist auf die zwölf Apostel oder die zwölf Stämme Israels. Einheitliche kirchliche Vorgaben gibt es dafür allerdings nicht, sondern die regionalen Traditionen unterscheiden sich zum Teil deutlich.
Vom Segen bis zur Stallapotheke
Nach der Segnung wurden die Kräuter früher keineswegs einfach zur Dekoration aufgehängt. Fast jeder Hof kannte eigene Bräuche. Viele Familien bewahrten den Buschen im Herrgottswinkel oder auf dem Dachboden auf. Einzelne Kräuter wurden bei Erkrankungen zu Tee verarbeitet oder verräuchert. Andere legte man in den Saatgutvorrat oder mischte sie dem Viehfutter bei. Mancherorts wurden Teile des Kräuterbuschens bei Gewittern im Herd verbrannt oder auf Felder getragen, um Haus, Hof und Ernte symbolisch unter den Schutz Gottes zu stellen.
Woher stammt die Kräutersegnung?
Die Bibel berichtet nichts über eine Kräutersegnung. Ihr Ursprung liegt vielmehr in alten Überlieferungen über Maria. Nach einer weit verbreiteten Legende fanden die Apostel nach der Öffnung ihres Grabes keine sterblichen Überreste mehr vor, sondern duftende Blumen und Heilkräuter. Eine andere Überlieferung erzählt, dass beim Tod Marias ein außergewöhnlicher Duft aus Kräutern und Blüten aufstieg. Diese Erzählungen führten dazu, dass Heilpflanzen zum Symbol für Maria und ihre lebensspendende Kraft wurden. Seit rund 1.000 Jahren ist die Kräutersegnung im deutschsprachigen Raum nachweisbar. Die katholische Kirche versteht die Segnung heute nicht als Schutzzauber, sondern als Dank für die Gaben der Schöpfung.
Was verbinden Sie persönlich am stärksten mit Mariä Himmelfahrt?
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Ein Fest mit vielen regionalen Gesichtern
Neben den Kräutersegnungen prägen zahlreiche regionale Bräuche das Hochfest. In vielen Wallfahrtsorten, etwa in Mariazell oder Maria Taferl, finden besonders feierliche Gottesdienste statt. Am Wörthersee und am Bodensee haben sich Schiffsprozessionen etabliert, bei denen Marienstatuen über das Wasser getragen werden. In zahlreichen Gemeinden begleiten Trachtenvereine, Goldhaubengruppen und Musikkapellen die Festgottesdienste.
Altes Wissen neu entdeckt
Dass der Kräuterbuschen heute wieder auf großes Interesse stößt, hat auch mit aktuellen Entwicklungen zu tun. Regionalität, bäuerliche Kreisläufe und das Wissen über heimische Heilpflanzen gewinnen an Bedeutung. Viele Direktvermarkter, Kräuterpädagoginnen und Bäuerinnen geben traditionelles Wissen weiter und zeigen, wie vielfältig heimische Pflanzen genutzt werden können und zwar von Tees über Gewürze bis hin zu Naturkosmetik.
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